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Ausgabe vom 21. Juni 2018


  • Pressespiegel:
    Zoll-Krimi, Notenbank-Poker und Europa-Romantik 





Zoll-Krimi, Notenbank-Poker und Europa-Romantik 


von Martina Bisdorf
 (Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Donald Trump sorgt für Schlagzeilen – und das nahezu täglich. Daran haben wir uns mittlerweile alle gewöhnt. Sicher haben die Märkte viele seiner Maßnahmen bereits eingepreist, vor allem im Hinblick auf die Strafzölle. Dennoch bleiben diese nicht ohne gravierende Auswirkungen. Wie von Ökonomen befürchtet, treffen sie insbesondere die Autoindustrie – und damit die Flaggschiffe unserer heimischen Wirtschaft. Den ersten ordentlichen Dämpfer hat es jetzt gegeben:

Gewinnwarnung bei Daimler – Prognose nach unten korrigiert  

So hat Daimler gestern überraschend die Erwartungen für das Unternehmensergebnis im Geschäftsjahr 2018 nach unten korrigiert. Die Stuttgarter treffen nach eigenen Angaben die aktuellen Entwicklungen wie neue Einfuhrtarife (Strafzölle) für US-Fahrzeuge in China hart. Man muss sich vergegenwärtigen, dass China nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für Autos ist und die Marke mit dem Stern dort als Statussymbol gilt. So trüben die höheren Preise für die deutschen Edelkarossen natürlich zum einen den Absatz ein. Allerdings können die gestiegenen Kosten, die dem Unternehmen für die Ausfuhr anfallen, nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden und bleiben an dem Autohersteller selbst hängen. Das Daimler-Kerngeschäft Mercedes-Benz erwartet deutlich weniger SUV-Absätze und wesentlich höhere Kosten.

Für die zweite Jahreshälfte 2018 rechnet die Unternehmensführung zudem wegen des neuen Standards WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) mit zusätzlichen Belastungen. Weiterhin führt der Rückruf von Diesel-Fahrzeugen bei Mercedes-Benz Vans zu höheren Kosten, die das Ergebnis belasten. Die rückläufige Nachfrage in Lateinamerika trifft darüber hinaus auch die Unit Daimler Buses. Das EBIT bei Mercedes-Benz Cars soll nun „leicht unter Vorjahresniveau“ und bei Mercedes-Benz Vans „deutlich unter Vorjahresniveau“ im Geschäftsjahr 2018 bleiben. Das EBIT bei Daimler Buses wird nun in der Größenordnung des Vorjahres und im gesamten Daimler-Konzern „leicht unter Vorjahresniveau“ erwartet.
 

Geopolitische Gemengelage und Skandale belasten die Wirtschaft

Die geopolitischen Turbulenzen in Übersee genauso wie innerhalb Europas liegen den Wirtschaftsführern zurzeit schwer im Magen. Trotz der guten Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft vom Jahresbeginn zweifeln Analysten inzwischen, ob sich sie Hoffnungen wirklich erfüllen. Lesen Sie im folgenden Pressespiegel, wie die Experten renommierter Börsenmedien die Lage an den Aktienmärkten und für einzelne Branchen einschätzen. Dabei spielt auch die US-Notenbankpolitik eine entscheidende Rolle.

Das meinen die Experten:

EURO am Sonntag
Vom 18. Juni 2018


Positives Meinungsklima versus deutliche Risiken
„Das Meinungsklima der Experten in internationalen Finanzmedien ist im Hinblick auf Länder wie Frankreich und Ungarn besonders positiv gestimmt. ,Hoffnungen auf mehr Wachstum aufgrund von Fortschritten bei den Reformen stecken hier bei den Einschätzungen zu Frankreich dahinter‘, so Matthias Vollbracht, Leiter Medienanalyse bei Media Tenor International in Zürich. Auch die fundamentale Einschätzung zum weltwirtschaftlichen Wachstum und der Entwicklung in Deutschland sind weiter eher positiv. Allerdings sehen die Finanzexperten auch deutliche Risiken: Die Auswirkungen der US-Sanktionen auf die russische Wirtschaft werden von den Analysten als sehr gravierend angesehen. ,Mit den Verhandlungen zur Regierungsbildung in Italien sind die Risiken für den Euro und die Eurozone ebenfalls ganz neu in den Blick gerückt‘, so Vollbracht. Kritisch wird auch die Entwicklung in der Türkei gesehen. Insgesamt wurden 2.203 Aussagen von Analysten im zweiten Quartal in internationalen Leitmedien ausgewertet. Während sich Donald Trump vergangene Woche in Singapur um den Weltfrieden verdient gemacht haben will, setzte es zu Hause eine krachende Niederlage. In Washington entschied ein US-Gericht, dass AT&T den Medienkonzern Time Warner entgegen des ausgesprochenen Wunsches des US-Präsidenten für 85 Mrd. Dollar nun doch übernehmen darf. Kartellrechtliche Bedenken, die Trump angeführt hatte, gab es nicht.“


Zürcher Trend
Vom 19. Juni 2018


Undurchsichtiger Zollkrieg
„Der Zollkrieg mutet wie das babylonische Sprachenwirrwarr an, worüber in der Bibel zu lesen ist. Jeder sagt etwas anderes als das, was er meint. Der Interessengegensatz baute sich in den letzten Jahrzehnten auf und jeder muss seine eigenen Privilegien verteidigen. Die Neulinge in diesem Spiel sind die Chinesen seit etwa 30 Jahren. Das ergibt ein interessantes Bild. Die Wiedergeburt Europas nach dem Zweiten Weltkrieg beruhte vor allem auf dem Marshallplan. Zunächst profitierten die Amerikaner und anschließend alle Europäer, je nachdem, in welcher Form und in welchem Umfang sie im angeblich größten Markt der Welt ihre Produkte verkaufen konnten. Es galt als selbstverständlich. Die Amerikaner suchten ihren Erfolg in neuen Produkten, aktuell bis zu den Internet-/Online-Sektoren, und die Europäer in den klassischen Produkten. Das Ergebnis war bislang ausgesprochen befriedigend. Die Handelsbilanz zwischen den USA und Europa zeigt einen Überschuss zugunsten der Europäer. In allen Fällen gehören umfangreiche Zölle und Gebühren seit vielen Jahren dazu und sie galten als selbstverständlich. Hauptprofiteur waren gleichwohl die Deutschen, weit vor allen anderen. Die Chinesen als Neulinge nutzten in den vergangenen 30/35 Jahren die gleiche Chance, die einst die Europäer hatten. Mit ihren Billigprodukten eroberten sie den amerikanischen Markt, woraus sich das bekannte Defizit von rund 375 Mrd. Dollar pro Jahr ergibt. Sie verwehrten jedoch bislang den Amerikanern die Vorteile, die diesen im Europageschäft gewährt werden. Für einen autokratisch regierten Staat ist die Entscheidung, den Markt zu öffnen, jedoch sehr schwer. Ohne diese Öffnung wird es nicht gehen. Die Öffnung Chinas besteht darin, europäische Normalprodukte in größerem Umfang einzulassen und die Leistungen der Amerikaner zu akzeptieren.“


EURO am Sonntag
Vom 18. Juni 2018

Die Zinsen steigen
„Die amerikanische Fed hat den Leitzinssatz soeben zum zweiten Mal in diesem Jahr um einen Viertelprozentpunkt erhöht, die Spanne liegt jetzt bei 1,75 bis 2,0%. Die US-Zentralbanker ließen überdies durchblicken, dass sie zügig auf diesem Pfad voranschreiten wollen. Fed-Präsident Jerome Powell sprach von einer sehr starken US-Wirtschaft mit anziehendem Konsum, die Inflation soll im laufenden Jahr leicht über dem Fed-Ziel von 2% liegen. Beobachter rechnen jetzt mehrheitlich damit, dass es 2018 zwei weitere Anhebungen geben wird. Vor der Sitzung wurde nur eine weitere Erhöhung erwartet. Dennoch reagierte die Wall Street mit einem moderaten Minus. Auch die EZB hat ein deutliches Zeichen gesetzt. Präsident Mario Draghi will die Anleihekäufe ab Dezember einstellen. Der Leitzins bleibt in der Eurozone dabei mindestens bis Sommer 2019 bei null, hier läuft die Konjunktur nicht rund. Das Ergebnis der aktuellen Notenbank-Runde fiel für DAX-Anleger erfreulich aus: Der Euro rutschte ab, was bekanntlich den Exporteuren zugutekommt.“

Mit diesen Expertenmeinungen wünsche ich Ihnen einen schönen Tag und erfolgreiche Investments.


Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf
(Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

PS: Freuen Sie sich morgen hier an dieser Stelle auf die neuesten Insider-Informationen von unserem Börsen-Experten Mick Knauff direkt vom Frankfurter Parkett.




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