Dienstag, 26. Februar 2013
Wahlchaos in Italien belastet deutschen Aktienmarkt

Auf die Hoffnungsrally vom Montag folgt heute die Ernüchterungstalfahrt. Es ist die Furcht vor einem Rückschlag bei der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise, welche die Anleger angesichts des drohenden politischen Patts in Italien umtreibt und den DAX deutlich belastet. Der deutsche Leitindex fiel zur Eröffnung um 1,9% auf 7.626 Punkte. „Stillstand in Italien ist das Letzte was man braucht“, sagte ein Börsianer. „Damit erreichen wir eine Phase der Unsicherheit, die keiner mag.“ Das belastet auch die europäische Gemeinschaftswährung. Der Euro bleibt heute auf den Verkaufslisten und rutscht nach den kräftigen Verlusten von gestern weiter ins Minus. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3080 Dollar. Am Montag hatte sie zwischenzeitlich noch fast drei Cent mehr gekostet.  

Das Euro-freundliche Mitte-Links-Bündnis mit seinem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani konnte bei den Wahlen in Italien gestern zwar die knappe Mehrheit im Abgeordnetenhaus holen. Im Senat erreichte jedoch keines der beiden großen Bündnisse um Bersani und den Ex-Premier Silvio Berlusconi die absolute Mehrheit, sodass eine stabile Regierung unwahrscheinlich ist. Vielmehr droht den Italienern mit großer Wahrscheinlichkeit bald der erneute Gang an die Wahlurnen.

Europa und Rom blicken jedoch zunächst auf Staatspräsident Giorgio Napolitano, der die nächsten Schritte einleiten muss. Berlusconi sagte am Morgen in einem TV-Interview zu den jetzt denkbaren Szenarien, er halte Neuwahlen in dieser Situation nicht für sinnvoll. „Jetzt denken alle darüber nach, was man tun kann“, sagte er zu dem Patt im Senat. Das werde einige Zeit brauchen. Spekuliert wird auch über die Möglichkeit einer breiten Übergangsregierung, die einige Reformaufträge erhält, bevor dann neu gewählt wird. Berlusconi lehnt bisher ein Zusammengehen mit Monti ab.


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