Dienstag, 25. September 2012
Griechenland fährt den Karren immer tiefer in den Dreck

Rund 30 Mrd. Euro – so hoch ist laut einer aktuellen Einschätzung von EU-Diplomaten in Brüssel, des IWF und von europäischen Notenbanken die Finanzierungslücke von Griechenland. Das südeuropäische Land, dass eigentlich faktisch schon längst Pleite ist, müsse demnach länger als geplant am finanziellen Tropf der internationalen Geldgeber hängen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Demnach kann das Land voraussichtlich nicht wie geplant von 2015 an seinen Haushalt aus eigener Kraft finanzieren. Auch das Ziel, von 2020 an die Schulden wieder komplett an den Finanzmärkten refinanzieren zu können, werde verfehlt. Athen benötige „mindestens zwei Jahre“ zusätzlich Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen, so die einvernehmliche Einschätzung.

Den Griechen wächst ihr Schuldendebakel über den Kopf. Man muss massiv sparen und gleichzeitig die Wirtschaft auf ein neues Leistungsniveau hieven, damit die Steuereinnahmen sich erhöhen. Ein schwieriges Unterfangen. Der Wille Hellas’ zum Sparen ist da, mehr wurde bislang jedoch nicht erreicht. Den Griechen fehlt vor allem eines: der Durchblick. Denn wie ist es bitteschön bei kontrollierter „Buchführung“ möglich, dass Athen plötzlich mehr als das Dreifache des Betrages fehlt, den man noch im Juli „nach eingehender Prüfung“ avisiert hatte. Nun sind aus 10 Mrd. Euro mal eben 30 Mrd. Euro geworden. Am Sonntag verkündete der Spiegel noch eine Finanzierungslücke von rund 20 Mrd. Euro, die Griechenland heftig dementierte, denn 10 Mrd. Euro schaffe man aus eigener Kraft zu decken. Die Frage bleibt: Wie will man dieses gigantische Loch – seien es nun 20 Mrd. oder 30 Mrd. Euro – schließen? Schuldenerlass oder Schuldenschnitt? Auch das bleibt weiter ein Thema.

Damit ist laut der Süddeutschen Zeitung nach wie vor völlig offen, ob und wann Griechenland die weitere dringend benötigte Tranche aus dem zweiten Hilfspaket erhält. Darin stellen die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) bis zu 130 Mrd. Euro zur Verfügung. Die nächste Tranche an Griechenland (31,5 Mrd. Euro) soll allerdings nur dann gezahlt werden, wenn das Land seine Verpflichtungen so weit erfüllt, dass es von 2020 an wieder allein wirtschaften kann. Andernfalls muss der IWF gemäß seinen Statuten die Zahlungen einstellen.

Griechenland fährt den Karren immer tiefer in den Dreck und mal ehrlich, wer glaubt jetzt noch daran, dass es da jemals wieder heraus kommt, egal ob mit oder ohne Hilfe. Und so steht der Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone weiter auf der Kippe.


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