Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 17. Mai 2018


  • Börsenweisheit im Spiegel der Presse: “Sell in May and go away?”






“Sell in May and go away?” -
Dieses Jahr sieht es offenbar etwas  anders aus... 


von Martina Bisdorf
 (Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sie alle kennen die Börsenweisheit „Sell in May and go away“. Ob die Regel auch in diesem Jahr Gültigkeit hat, dem wollen wir heute mittels eines aussagekräftigen Pressespiegels auf den Grund gehen. Doch zuvor möchte ich Ihnen die Hintergründe zu dem Sprichwort erläutern. Denn jedes Jahr im Mai fragen unsere Leser wieder danach, was es damit eigentlich auf sich hat. Also, zunächst einmal die ganz nüchterne Definition des Mai-Effekts laut Wikipedia:

Sell-in-May-Effekt - Dieses Jahr zeigt sich der Wonnemonat anders

„Der Sell-in-May-Effekt bezeichnet das Phänomen überdurchschnittlich hoher Kapitalmarktrenditen in den Monaten Oktober bis April. Die zeitliche Einordnung kann jedoch leicht abweichen. Beim Sell-in-May-Effekt handelt es sich um eine Kapitalmarktanomalie.“ Dieses Jahr scheinen viele Fakten sowie die allgemeine Gemengelage gegen die Börsenregel zu sprechen. Denn während das Gros der Analysten kurzfristig nach wie vor eher skeptisch reagiert, sind die wichtigsten Börsen-Indizes dieser Welt wieder auf dem Weg nach oben. Eben entgegen der sonst eigentlich zuverlässigen Börsenweisheit.

Historisch gesehen muss man schon sagen, dass es tatsächlich oft zu einer Sommerflaute gekommen ist, ehe dann im Herbst gewöhnlich die Kurse wieder steigen. Dies tritt meist dann ein, wenn dieser Entwicklung ein fester Börsen-Frühling vorausgegangen ist, was in der Vergangenheit meist der Fall war. Demzufolge kam es dann nach einem schwachen Börsen-Frühling häufig zu steigenden Kursen im Sommer. Es könnte sich also anno 2018 für die Anleger durchaus als richtig erweisen, aktuell an Bord zu bleiben oder die Investitionsquote sogar noch hochzufahren. Wie das die Experten aus renommierten Börsenpublikationen sehen, das lesen Sie im folgenden Pressespiegel.

Das meinen die Experten:

Der Aktionär
Vom 14. Mai 2018


Das „Mid-Term-Jahr“ macht es auch nicht besser
„Der Wonnemonat Mai ist angebrochen. Und schon wird es kühler, nachdem wir im April mit Sonne satt verwöhnt wurden. Ist der kühle Maiauftakt nun vielleicht ein Vorbote für eine Eiszeit an den Märkten? Sollte man dieses Jahr also nach der Börsenweisheit ,Sell in May and go away‘ alles verkaufen? Wenn man die Statistik bemüht, ist die Lage im Gegensatz zum Wetter sonnenklar. Gemessen an der durchschnittlichen Performance der vor uns liegenden 6-Monats-Periode scheint es auf den ersten Blick tatsächlich besser, nicht im Markt zu sein. Im Zeitraum von 1950 bis 2017 haben die Monate Mai bis Oktober beim S&P 500 mit durchschnittlich 1,5% statistisch gesehen die schlechteste Durchschnittsperformance aller möglichen 6-Monats-Phasen. In 63,2% der Fälle stiegen die Kurse in diesem Zeitfenster. Und das ist noch nicht einmal die ganze traurige Geschichte. Wir befinden uns aktuell in einem sogenannten Mid-Term-Year im US-Präsidentschaftszyklus. Berücksichtigt man diesen Umstand ebenfalls bei der Berechnung der durchschnittlichen Renditeerwartung, drohen die laufenden sechs Monate mit einem Durchschnittsplus von knapp über null sogar noch lausiger zu werden. In Mid-Term-Jahren (das zweite Amtsjahr) stiegen die Kurse zwischen 1950 und 2017 zudem nur in lediglich 53% der möglichen Fälle. Man könnte also mit ähnlicher Gewinnerwartung fast genauso gut beim Roulette auf Schwarz oder Rot setzen. Also raus aus Aktien und ab ins Casino? Gerade dieses Jahr könnte das die falsche Entscheidung sein. Der Grund dafür liegt ebenfalls in den statistischen Daten. Tatsächlich hat der S&P-500-Index in den letzten sechs Jahren während der ,Sell in May‘-Periode zugelegt, ganz zu schweigen davon, dass er jeden Mai in den letzten fünf Jahren höher notierte. Das Entscheidende ist aber: Der daran anschließende 6-Monats-Zeitraum brachte bis dato in 76,5% der Fälle eine positive Rendite von im Schnitt 7,1%. Das ist aber noch nicht alles: Betrachtet man die gleiche Periode in Vorwahljahren, lag die Rendite im Mittel sogar bei mehr als dem Doppelten. Der vor uns liegende Zeitraum November 2018 bis April 2019 war in der Vergangenheit regelmäßig die beste Zeit, um im Markt zu sein. Die Statistik wird auch von einer starken Berichtssaison unterstützt. Der Monat Mai kann börsentechnisch manchmal heikel sein, ihn allerdings pauschal als Horrormonat zu verteufeln geht zu weit und ist nicht zielführend. Vielmehr bietet es sich an, auftretende Schwächephasen zum Einstieg zu nutzen, denn statistisch gesehen bieten die nächsten sechs Monate mehr Chancen als Risiken.“


Geldbrief
Vom 08. Mai 2018


Die Chancen für einen weiteren Aufwärtstrend stehen gut
„(Sell in May and go away) Diese alte Börsenweisheit ist nahezu jedem Börsianer geläufig. Auch wenn diese Theorie nicht in jedem Jahr stimmt. Aber in diesem Jahr? Sollten Anleger dieses Motto vor dem Hintergrund steigender Zinsen in den USA und drohenden Beschränkungen im Welthandel beherzigen? Keine Frage, die Aktienmärkte suchen momentan nach einem angemessenen Bewertungsniveau angesichts der steigenden Renditen am US-Anleihemarkt. Rund 3% Rendite für zehnjährige US-Bonds führen immerhin schon zu Umschichtungen. Auch die Entwicklung am Devisenmarkt verkompliziert die Lage. Plötzlich zeigt der US-Dollar neue Stärke (Jahreshoch bei über 1.1978 Dollar) und wirft damit möglicherweise einen Schatten auf die zukünftigen Quartalszahlen exportorientierter US-Konzerne. Trotz der fragilen geopolitischen Lage (Handelsstreit, latente Kriegsgefahr im Mittleren Osten, Zinsanstieg in den USA über 3%) kletterten die Börsenkurse wieder nach oben. Seit dem Zwischentief im März hat beispielsweise der DAX-Index wieder rund 9,81% zugelegt und allein im Monat April mehr als 4% hinzugewonnen. Jetzt müsste das deutsche Börsenbarometer nur noch rund 624 Punkte klettern bis zu einem neuen Rekordstand. Die Chancen dafür stehen gut.“


Börse Global
Vom 07. Mai 2018


Auf der Käuferseite bleiben, bis der Markt uns eines Besseren belehrt
„Seit einigen Tagen haben wir bekanntlich Mai und Sie kennen sicherlich auch das berühmte Börsianer-Sprichwort ,Sell in may and go away‘. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob in diesem Jahr der Wonnemonat erneut den Auftakt für eine weitere Verkaufsphase liefert. Denn schaut man auf die historischen Durchschnitte, haben die Indices gerade im Zeitraum Mai bis Oktober seit 1965 die schwächste Performance abgeliefert. Allerdings ist die Konstellation im Markt durchaus eine andere als in den vergangenen Jahren. Denn der Markt hatte sein Hoch bereits im Januar erreicht und danach eine kräftige Korrekturphase hinter sich gebracht. Das könnte viele Investoren dazu bringen, die bisherigen Bewertungsanpassungen als ausreichend anzusehen, was entsprechend Druck von den Kursen nehmen würde. Jedoch: Im großen Maßstab liegen die Marktbewertungen immer noch über ihrem Durchschnitt. Hinzu kommt, dass nach vorliegenden Zahlen - explizit für den S&P 500 an der Wall Street - die Zahl der Optimisten noch deutlich überwiegt. Angesichts der vorhandenen Marktrisiken besteht natürlich die Möglichkeit, dass aus der aktuellen Zwischenerholung schnell wieder der Einstieg in eine weitere Korrekturetappe erfolgt. Dies sehen wir allerdings nicht als Automatismus. Deshalb werden wir grundsätzlich so lange auf der Käuferseite bleiben, bis uns der Markt eines Besseren belehrt.“

Mit diesen Börsen-Weisheiten und –Einsichten wünsche ich Ihnen einen schönen restlichen Mai.


Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf
(Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

PS: Seien Sie gespannt, welche Video-Botschaft Ihnen unser Börsen-Insider Mick Knauff morgen hier an dieser Stelle live vom Börsentag in Zürich überbringt.




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