Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 18. April 2018


  • Pressespiegel: Deutschland hinkt Amerika in einigem hinterher





Deutschland hinkt Amerika in einigem hinterher


von Martina Bisdorf
 (Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die geopolitischen Krisenherde scheinen sich derzeit zu mehren. Syrien, der dadurch wieder aufflammende „Kalte Krieg“ zwischen den USA und Russland, der drohende Handelsstreit zwischen dem Weißen Haus und China, wenn auch inzwischen weitgehend auf Lösungen programmiert. Aber wie reagieren die Börsen darauf? Nun, durchweg gelassen. Hier greift derzeit tatsächlich die alte Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“.

US-Banken mit glänzendem Zahlenwerk

Im Gegenteil, die neu gestartete Berichtssaison lässt sich bislang gut an, insbesondere im Hinblick auf die US-Werte. Hier vermeldete gestern Morgan Stanley einen Rekordgewinn. Dank eines regen Handels an den Finanzmärkten und nicht zuletzt auch der Steuerreform von US-Präsident Trump hat die US-Bank den höchsten Gewinn ihrer Geschichte eingefahren. Der Goldman Sachs-Rivale setzte damit am Mittwoch einen glanzvollen Schlusspunkt der Bilanzsaison der amerikanischen Großbanken. Die amerikanischen Geldhäuser hatten alle sehr gute Zahlen präsentiert.

Deutsche hinken Amerikanern in Sachen Aktienanlage um Lichtjahre hinterher

Überhaupt brummen in den USA Wirtschaft und Konjunktur. Und ganz im Gegensatz zu unseren deutschen Landsleuten profitieren die Amerikaner selbst als Aktionäre schon seit Jahrzehnten sehr gut davon. Denn dort ist das Aktieninvestment eine ganz normale Form der Kapitalanlage. Dass sich auch die Börsen hierzulande und in Übersee sehr unterschiedlich zeigen, das lässt sich an den Indizes der Wall Street und in Frankfurt schon lange ablesen. Über diese Diskrepanz haben sich in der vergangenen Woche auch zahlreiche Experten renommierter Börsenbriefe Gedanken gemacht.

Lesen Sie im folgenden Pressespiegel, wie sie die aktuellen geo- sowie wirtschaftspolitischen Strömungen einschätzen und welche Auswirkungen sie auf die weitere Entwicklung der Börsen daraus ableiten.

Das meinen die Experten:

Der Aktionärsbrief
Vom 18. April 2018


Wirtschaftliche Divergenz zwischen Amerika und Europa beschleunigt sich
„Eine Schlüsselfunktion dabei spielen die wirtschaftspolitischen Akzente, die jede Regierung bzw. Region setzt. Die wirtschaftliche Dynamik der USA ist umfassender und nachhaltiger als die der Europäer. Der qualitative Unterschied ist nicht zu leugnen und zeichnet sich in den vorliegenden Konjunkturindikatoren, ab. Schrumpfende Wirtschaft in Deutschland? Damit hat fast niemand gerechnet. Alle amtlichen Statistiken signalisieren für die ersten zwei Monate fast durchweg eine schrumpfende Wirtschaftsleistung. Im Februar sind die Einzelhandelsumsätze den dritten Monat in Folge gefallen. Die Industrieunternehmen melden nur noch im Inland steigende Umsätze. Unterm Strich steht ein Minus seit Jahresbeginn von 0,6%. Investitionsgüterhersteller verloren außerhalb der Eurozone 3,6% an Umsatz. Die Wachstumsschätzungen werden zurückgenommen. Aktuell signalisieren diese Indikatoren eine Schrumpfung des BIPs zum Vorquartal von 0,1%. Statt 0,6 bis 0,9% wird man gegenüber dem Vorjahresquartal wohl nur noch um 0,4% wachsen. Das hat Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne. Erste Signale lieferte bereits die zweite Reihe mit GEA, Gerresheimer, Software AG oder Drägerwerk. Weitere werden mit enttäuschenden Zahlen bzw. Ausblicken folgen. Die Europäer können keinen einzigen wirtschaftspolitischen Akzent setzen, um diese Tendenz zu begradigen. Insbesondere aus Deutschland als größter europäischer Region fehlt jeglicher Impuls. Die amerikanische Steuerreform bzw. die Steuersenkungen sind hier der plakativste Unterschied, wobei Deregulierungen alle Art sowie die Energiepolitik den Standortvorteil der Amerikaner weiter ausbauen. Die Gewinndynamik der amerikanischen Unternehmen koppelt sich von den europäischen ab. Fazit: In der Asset-Allocation muss der US-Markt höher gewichtet werden. Deutschland und Europa bleiben weiter auf der Agenda, aber nur in Form von Sonderstories.“


Börse easy
Vom 18. April 2018


Märkte reagieren gelassen
„Von wenigen Ausnahmen abgesehen, z.B. in Asien, reagierten die Märkte sehr gelassen auf den einmaligen Raketenbeschuss von Amerikanern und Europäern auf Syrien. Nun ja, sie waren darauf vorbereitet. Bis Montag dieser Woche sah es zudem danach aus, als wolle sich der US-Präsident mit weiteren Vorwürfen an die Adresse Chinas zurückhalten. Doch ,The Donald‘ wäre nicht er selbst, wenn er es tatsächlich dabei beließe. Deshalb karrte er an selbigem Montag im Handelsstreit zwischen den beiden Nationen nach, als er Peking - wieder einmal - Währungsmanipulationen vorwarf. Die Börsianer behielten gestern dennoch die Ruhe. Das Reich der Mitte hatte zeitgleich ,ermutigende Konjunkturdaten‘ veröffentlicht. So kletterte u.a. das BIP im 1. Quartal um 6,8%. Das blieb für einen der stärksten Exportstaaten nicht ohne Folgen: Die deutsche Börse schob sich erneut ins positive Terrain. Bei Handelsschluss am Dienstag stand der DAX bei 12.585,57 Punken, +1,54% gegenüber Montag, als noch ein Minus registriert wurde. Die Gewissheit, dass die Streitigkeiten mit den USA keine Schatten auf Chinas Konjunktur werfen, wog schwerer als jeder verbale Ausfall Trumps. Indes ist offen, ob es so bleibt. Trotz der jüngsten Widerstandskraft der Börsen ist dadurch ein Aspekt nicht gebannt: Es kann immer noch jeden Tag zu Gewinnmitnahmen kommen, sollten gerade geopolitische Gründe dafür sprechen. Professionelle Anleger sind bekanntlich schnell in der Lage, darauf zu reagieren - und Aktien zu verkaufen. Vorerst entfaltet jedoch die neueste US-Berichtssaison ihre Wirkungen. Bereits vergangene Woche kamen einige Banken (J.P. Morgan, Citi und Wells Fargo) mit ihren aktuellen Ergebnissen heraus; sie erfreuten damit. In der neuen Handelswoche ging es gleich am Montag munter weiter: Die Bank of America präsentierte für das 1. Jahresviertel 2018 einen Rekordgewinn. Das faszinierte die Börse indes nur kurzzeitig: Nach ca. 1% Kurs-Plus noch vor der Bekanntgabe der Zahlen drehte das Papier anschließend ins Minus. Auch dies ein Hinweis auf die rasche Reaktion der Märkte, wie oben beschrieben. Nicht durchweg begeistert waren die Anleger deshalb, weil Bank of America einen Gutteil des Gewinns der Trump‘schen Steuerreform zu verdanken hat.“


Zürcher Finanzbrief
Vom 17. April 2018


Chinas Öffnung hat große Auswirkungen
„Die angekündigte Öffnung des chinesischen Marktes, wie soeben vom Präsidenten formuliert, hätte die gleiche Wirkung wie die erste Öffnung Chinas (neben Russland) ab 1990, womit die Globalisierung begann. Ohne den politischen Druck der Amerikaner hätte sich China wahrscheinlich nicht bewegt. China ist der zweitgrößte Markt der Welt mit rund 13,5 Bio. Dollar Wirtschaftsleistung nach den USA mit knapp 20 Bio. Dollar. Es ist zudem das am stärksten protektionistische Land mit den unverändert höchsten Hürden für alle Güter. Ohne Öffnung Chinas ist eine Lösung dieses Konflikts unmöglich. Öffnung heißt nicht, dass sofort alle Zollschranken fallen, sondern dass eine Politik verfolgt wird, die über Jahre hinweg für eine Normalisierung des Handelsverkehrs sorgt. Darin liegt der Kern der Aussage. Ein Vergleich ist nachvollziehbar: Seit 1950 waren die USA bis heute das größte Importland der Welt und das Eldorado für alle Länder, die den Amerikanern etwas zu verkaufen hatten. Restlos alles, weil die Amerikaner den Anteil der Zollabgaben an den Gesamtimporten von ursprünglich 20% auf letztlich 3% reduziert haben. Der Ausgangspunkt war das Smoot-Hawley-Gesetz. Daraus entstand ein dauerhaftes Handelsbilanzdefizit. Geht China den gleichen Weg, so expandiert der chinesische Binnenmarkt stärker als die Exporte und China löst einen Importsog aus. Die Globalisierung öffnete alle Märkte und war der größte wirtschaftliche Erfolg nach dem ursprünglichen Marshall-Plan für die Europäer ab 1955. Die Wirkung der Öffnung des chinesischen Marktes lässt sich damit sehr gut vergleichen. Ohne politischen Druck lassen sich solche Veränderungen nicht erreichen oder umsetzen. Für den Marshall-Plan war es das Desaster nach dem Zusammenbruch Deutschlands und der ökonomischen Krise dieser Zeit. Für die Globalisierung war es der Zusammenbruch der zwei östlichen Großmächte mit dem gleichen Ergebnis. Die Öffnung Chinas hat in den Dimensionen eine sehr ähnliche Wirkung für die Dauerhaftigkeit.“

Mit diesen Eindrücken wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf
(Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

PS: Freuen Sie sich morgen hier an dieser Stelle auf Mick Knauffs Wochenrückblick, wie immer live vom Parkett
.




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