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Ausgabe vom 06. April 2017


  • Pressespiegel: So verhandelt Europa den Brexit



Pressespiegel:
So verhandelt Europa den Brexit






von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

letzte Woche habe ich Ihnen die potenziellen Auswirkungen des eingeläuteten Brexit, also des Austritts Großbritanniens aus der EU, aufgezeigt. Inzwischen liegen schon die ersten Eckpunkte für die Verhandlungen auf dem Tisch. Die EU fordert demnach von den Briten zum Ausstieg die horrende Summe von fast 60 Milliarden Euro. Und laut Expertenaussagen könnte es theoretisch doppelt so teuer werden.

Tage der Abrechnung – Die Briten werden zur Kasse gebeten

EU-Chefunterhändler Michel Barnier betont zwar, es gehe keineswegs darum, das Land für seinen Austritt zu bestrafen. Aber er fügt auch markant hinzu: „Wir müssen eine Abrechnung machen." Das viele Geld dürfte einer der wichtigsten Streitpunkte der Austrittsverhandlungen werden, die wohl im Juni in die Vollen gehen. Man sieht, die EU-Rechnung ist nicht nur hoch, sie hat auch einen echten Symbolwert - auf beiden Seiten des Kanals.

Fällt Großbritannien in Zukunft als Nettozahler aus, werden nämlich pro Jahr 10 Mrd. Euro im EU-Haushalt fehlen. Die anderen Mitgliedsstaaten freuen sich deshalb verständlicherweise über jede Milliarde, die vorher noch in die gemeinsame Kasse fließt. Dass das Ganze noch recht zäh werden könnte und für beide Seiten nicht ganz ohne Verluste abgehen dürfte, darüber sind sich die Experten einig. Welche Auswirkungen auf die EU-Finanzen sowie auf die Börse letztendlich zu erwarten sind, damit haben sich zahlreiche Börsenexperten beschäftigt. Lesen Sie im Folgenden drei aussagekräftige Beiträge zum Thema.


Das meinen die Experten:

WirtschaftsWoche
Vom 03. April 2017

Wer zahlt für Pensionäre?

„Die EU-Vertreter marschieren mit Forderungen in Höhe von rund 57 Mrd. Euro in die Trennungsgespräche. Bislang basiert jede Kalkulation auf so vielen schwierig zu belegenden Annahmen, dass London locker eine ähnlich plausible Gegenrechnung aufstellen könnte. Zudem bezweifeln die Briten ganz grundsätzlich, dass sie Schulden begleichen müssen. ,Rechtlich gesehen ist Großbritannien nicht zu Zahlungen nach dem Austritt verpflichtet‘, schlussfolgerte Anfang des Monats ein Bericht des britischen Oberhauses. Noch immer scheint der Glaube an die eigene Kraft auf der Insel extrem ausgeprägt. Die EU  hält dagegen: Die Briten hätten als EU-Mitglied eine Vielzahl von Entscheidungen mitgetragen, die sie nun weiter finanzieren müssten. So wäre es aus Sicht Brüssels nur fair, dass Großbritannien seine Pflichten daran auch erfüllt. Umstritten sind auch die ausstehenden Pensionsforderungen. Manche wollen den Briten davon nur 4% aufbürden, weil dies dem Anteil der Briten an den EU-Pensionären entspricht. Europäische Verhandler argumentieren aber, alle pensionierten EU-Beamten hätten auch für Großbritannien gearbeitet.  Da sich die Pensionsverpflichtungen für die kommenden 30 Jahre auf insgesamt 63,8 Mrd. Euro belaufen, ist die Größe des britischen Anteils alles andere als banal. Noch schwieriger wird die Berechnung der britischen Verbindlichkeiten, wenn Kredite und Garantien berücksichtigt werden, die die EU vergeben hat. Sie alle bergen ein Ausfallrisiko, das in jedem Einzelfall berechnet werden müsste.“

Alpha Strategie
Vom 30. März 2017

Die Scheidungspapiere sind eingereicht

„Der britische EU-Botschafter übergab offiziell die Scheidungspapiere, in denen Großbritannien seinen Austritt aus der EU erklärt. Nun liegen vor dem Vereinigten Königreich und den restlichen EU-Staaten zwei Jahre Mammut-Arbeit. Denn beide Kontrahenten - und davon muss man derzeit sprechen - müssen rund 21.000 Gesetzestexte auseinander dividieren. Wie dieses bisher einmalige Experiment ausgehen wird, ist noch nicht abzusehen. Das betrifft auch die Haltung des Marktes, die weiterhin je nach Nachrichtenlage in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Und während in Brüssel und London nun verhandelt wird, schauen die Investoren natürlich auch nach Frankfurt zur EZB. Denn sie gilt weiterhin als das wichtigste Stabilisierungsinstrument, um zumindest die Mitglieder der Euro-Zone gegen mögliche Verwerfungen aus den Brexit-Verhandlungen zu schützen. Die EZB hat neben dieser Aufgabe natürlich auch ihre eigene Agenda. Und die heißt derzeit ein erster Test, wie der Markt auf ein späteres Tapering, also eine schrittweisen Rückführung des Anleihenkaufprogramms, reagieren wird.“

TURNAROUND-BRIEF
(Von Chefanalyst Marcus Neugebauer)
Vom 29. März 2017

Brexit interessiert niemanden

„Was wurden nicht alles für Hiobsbotschaften im Vorfeld der Wahlen in den Niederlanden verbreitet. Im Endeffekt war es ein Non-Event, auch wenn die Rechtspopulisten ein wenig Aufwind erfuhren. Für eine Machtverschiebung sind diese Strömungen allerdings nach wie vor zu schwach. Auch in Frankreich wird der Gang an die Urne ähnlich verlaufen. Selbst wenn Marine Le Pen es in die Stichwahl schaffen sollte, dürfte sie spätestens da dann kläglich scheitern. Auch die Hysterie um den Brexit hat sich spürbar gelegt, denn jetzt werden erst die zweijährigen Verhandlungen angestoßen, deren Resultate jetzt noch niemand kennt. Man kann aus diesem ganzen politischen Geplänkel zwei alte Weisheiten für die Zukunft mitnehmen: ,Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird‘ und ,Politische Börsen haben kurze Beine.‘“


Die nächsten zwei Jahre dürften spannend werden

Man kann es wohl drehen und wenden, wie man will. Der Brexit wird Geld kosten und die Verhandlungen über die nächsten zwei Jahre werden zäh werden. Mein Kollege Marcus Neugebauer vom TURNAROUND-BRIEF bringt es – wie immer – auf den Punkt:

„Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Deshalb steht uns ein Quäntchen Gelassenheit gut. Und genau diese Gelassenheit werden Sie im Bezug auf den Brexit auch an den Börsen finden, denn dort dürfte die europäische Scheidung sicher nur ein peripheres Thema werden.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und eine gute Portion Unbekümmertheit!

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf
(Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

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