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Ausgabe vom 28. März 2017


  • Ein Hauch von Luxus –
    Neue Antworten auf die Lust an Extravaganz




Ein Hauch von Luxus –
Neue Antworten auf die Lust an Extravaganz





von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich lasse mich schon ab und zu gern in den Bann des Besonderen ziehen. Das müssen dann keine überteuerten Dinge sein, nein, einfach etwas Schönes, ja vielleicht Extravagantes, das mich für den Augenblick fasziniert. Und wie ich feststelle, stehe ich mit dieser „zauberhaften Schwärmerei“ bei Weitem nicht alleine da. Ich kenne viele Menschen, denen es ähnlich geht. Wohlgemerkt, man muss ja nicht immer zugreifen. Manchmal reicht schon das Betrachten.

Dass es allerdings für viele „Luxusschwärmer“ nicht beim Anschauen bleibt, belegen die Zahlen. Die Luxusbranche hat allein im vergangenen Jahr weltweit die gigantische Summe von mehr als einer Billion Euro umgesetzt. Noch nie gab es so viele Millionäre (darunter etliche „Neureiche“) wie derzeit. Dabei ist es mir ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass diese Entwicklung auch Schattenseiten hat, denn die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Das kann niemand wollen, dennoch ist es die Realität. Doch das ist ein anderes Thema. Bleiben wir für den Moment auf der Sonnenseite. Denn die eröffnet sich durch den Hang zum Luxus auch für etliche pfiffige Start-ups.



Bleiben wir ruhig mal einen Moment auf der Sonnenseite

So berichtet die WirtschaftsWoche über eine neue Generation Start-ups, die seltene  Luxusgüter mittels Hightech-Methoden im Labor produziert. Denn zu der jüngsten Entwicklung in Sachen Extravaganz gehört auch das Neue, das noch nicht Dagewesene. Sie erinnern sich: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Solche Bestrebungen gab es übrigens schon immer. So wagte der Apothekergeselle Johann Friedrich Böttger bereits 1701 das Unmögliche. Vor Zeugen tauchte er in der „Zornschen Apotheke“ in Berlin eingeschmolzene Groschenstücke in eine geheime Tinktur. Kurz darauf zog er feinstes Gold aus dem dunkelroten Glas. Die Kunde verbreitete sich schnell. Böttger, der später das Meissener Porzellan erfinden sollte, flüchtete. Als die Monarchen von Sachsen und Preußen davon hörten, hofften sie auf unermesslichen Reichtum und ließen nach dem Alchemisten fahnden.


Luxus für Jedermann – purer Schwindel?

Doch dessen Experiment erwies sich als purer Schwindel. Hier fand die Luxusillusion ein jähes Ende. Am Rande sei bemerkt, dass es heute möglich ist, in einem Teilchenbeschleuniger wie dem bei Genf Gold herzustellen. Allerdings nur Atom für Atom. Für 50 Gramm würde das Millionen Jahre dauern. Nicht so lange brauchen da die findigen Start-ups aus Europa und den USA, die mittels Hightech innerhalb kürzester Zeit und zu einem Bruchteil der Kosten aus scheinbar wertlosen Zutaten feinste Luxusgüter von überzeugender Qualität zaubern.

Das hat die Luxusbranche aufgeschreckt. Sie sieht sich plötzlich um all die Argumente gebracht, mit denen sie bislang ihre hohen Preise begründet: die aufwendige Herstellung, die außergewöhnliche Qualität und die seltenen Rohstoffe. Wie teuer und womöglich gar aussichtslos es für die etablierten Anbieter werden kann, lässt sich am Luxemburger Diamantenkonzern De Beers beobachten: Die edlen Steine lassen sich schon seit einigen Jahren künstlich herstellen. Und so muss De Beers inzwischen Millionen investieren, um die Anbieter von lupenreinen Labordiamanten auf Abstand zu halten.




Billig und umweltfeundlich – moderne Alchemisten am Werk

Ein äußerst erfolgreiches Beispiel für „Luxus von der Stange“ ist das Biotech-Start-up Amsilk. Der Chef der Ausgründung aus der Technischen Universität München, Jens Klein, setzt ganz und gar auf modernste Gentechnik. Er produziert mithilfe von Spinnen-DNA Seide. Gezüchtet wird der besonders für seine kühlende Wirkung auf der Haut geschätzte Superstoff in bis zu drei Stockwerke hohen Stahltanks. Genmodifizierte Kolibakterien vermehren sich darin und hinterlassen weißes Seidenpulver. Aus dem werden Seidenfasern gefertigt und dann die Fäden gesponnen.

Dass das Ganze keine „Spinnerei“ ist, beweist der Erfolg: Der Sportartikelhersteller Adidas hat im vergangenen Herbst in New York erstmals einen aus Kleins Seide gestrickten Laufschuh präsentiert. Die Fasern sind so stabil, dass sie, zu einer bleistiftdicken Schnur verwebt, einen Jumbo-Jet anheben könnten. Zugleich soll der Schuh komplett biologisch abbaubar sein. Amsilk ist nicht das einzige Start-up, das an Biotechseide arbeitet. Auch der kalifornische Konkurrent Bolt Threads, in den Investoren wie der PayPal-Gründer und Trump-Vertraute Peter Thiel mehr als 90 Mio. Dollar investiert haben, hat sich gerade mit dem Outdoor-Ausrüster Patagonia verwoben. Der US-Konzern plant nun seine erste Luxuskollektion aus Biotechseide.


Biotechseide – alles andere als Spinnerei

Die Einsatzmöglichkeiten für den modernen Superstoff gehen jedoch weit über den Bekleidungssektor hinaus. Schon jetzt arbeiten die Münchner an damit umhüllten Brustimplantaten, weil diese vom Körper besser angenommen würden als das bisher verwendete Material. Zudem sieht der Amsil-Lenker in der Auto- und Luftfahrtindustrie komplett neue Verwendungen für die künstlich hergestellte Seide.

Auch in Skandinavien ist man diesbezüglich aktiv. Das schwedische Biotech-Start-up Spiber wirbt damit, dass ein Kilo der künstlichen Seide bald 20 bis 30 Dollar kosten werde. Zum Vergleich: Für ein Kilo Naturseide muss ein Textilhersteller derzeit um die 50 Dollar zahlen. Dass sich der Stoff billiger herstellen lässt, ist ein Versprechen der modernen Alchemisten. Kommen wir mit einem weiteren ideenreichen Luxus-Start-up in die Welt des Genusses, die unabdinglich mit dem Wort Luxus verbunden ist. Es geht um Spirituosen.




Der Genuss für echte Connaisseure soll erschwinglich werden

Dem Amerikaner Bryan Davis ist es gelungen, 20 Jahre alt schmeckenden Rum herzustellen – und das in nur sechs Tagen. Sein kalifornisches Start-up Lost Spirits (Nomen est omen) hat ein Gerät  entwickelt, das die Esterbildung im Schnaps von Jahren, die bei der traditionellen Herstellung nötig sind, auf wenige Stunden verkürzt. Die Esterverbindungen geben altem Rum die fruchtige Note: Buttersäuremethylester schmeckt nach Ananas, Phenylessigsäureester nach Honig. Mit Infrarotlicht löst Davis Polymere aus Holz, die mit dem Ester reagieren. Das simuliert den Einfluss einer Fasslagerung auf den Geschmack.

Nun ja, das hört sich für mich etwas gewöhnungsbedürftig an, davon abgesehen, dass ich keinen Rum trinke. Aber Experten von Fachblättern und Food-Blogger verteilen Bestnoten an Davis‘ Getränke. Auf Auktionen gehen die Flaschen von Lost Spirit für bis zu 1.400 Euro über den Tisch. Davis könnte mit seiner Technologie edle Schnäpse auch en masse produzieren. Vorerst wolle er sich aber auf kostbaren Rum sowie Scotch beschränken. Aus gutem Grund: Wird etwas zur Massenware, ist es eben kein Luxusgut mehr. Das sollte man bei aller Euphorie stets im Auge behalten. Denn, wie ich anfangs schon erwähnte, ist es das Besondere, das Einzigartige, was uns den Hauch von Luxus spüren lässt. Ob sich das mit Hightech hinkriegen lässt oder ob der „Schwindel“ auffliegt wie einst in der „Zornschen Apotheke“, das bleibt abzuwarten.

Ich wünsche Ihnen einen besonders schönen Tag - mit einem Hauch  zarter Frühlingssonne. Auch das kann Luxus sein.

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf
(Chefredakteurin BÖRSEN-SPIEGELdaily)

PS: Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden über die Entwicklung der traditionellen sowie der modernen Luxusgüterbranche in unseren Börsenbriefen, die zu gegebener Zeit Luxuskonzerne wie etwa Branchenprimus LVHM unter die Lupe nehmen.





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