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Ausgabe vom 30. November 2016



  • Brave new world – Licht und Schatten der digitalen Revolution

  • Zitat der Woche



Brave new world – Licht und Schatten der digitalen Revolution 





von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sie haben es alle gehört, gelesen oder waren gar selbst betroffen: Anfang der Woche hatten sich Hacker Zugang zu fast einer Million Internet-Routern der Deutschen Telekom verschafft und diese weitgehend lahmgelegt. Nach dem Cyber-Angriff hat der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) für eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern plädiert. Mit den Worten: „Wir müssen uns schlichtweg an einen Tisch setzen, Erkenntnisse und Informationen austauschen, dann werden wir auch besser werden", mahnte Jäger heute Früh im RBB-Inforadio. Es müsse verhindert werden, dass Hacker an kritische Infrastrukturen wie etwa die Stromversorgung gelangten.

Cyber-Attacken müssen systematisch bekämpft werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits gestern Abend für eine engere Zusammenarbeit mit den Unternehmen ausgesprochen. Die Politik sei auf die Sachkompetenz der Industrie angewiesen. „Deshalb müssen wir in den Cyber-Fragen eng zusammenarbeiten," so die Kanzlerin weiter.

Hier sieht man wieder ganz deutlich, dass jede positive Entwicklung, sei sie nun technischer Art oder nicht, auch immer eine Kehrseite hat. Dennoch sollten und dürfen wir uns der technischen Entwicklung nicht verweigern, wenn wir Fortschritt erlangen wollen. Und es gibt genügend Aspekte, die für eine digitale Revolution sprechen, die sich ohnehin nicht aufhalten lässt.


Digitale Assistenten revolutionieren unseren Umgang mit Computern…

… und schaffen gleichzeitig einen neuen Milliardenmarkt. Amazon ist eines der Unternehmen, das dabei das Tempo vorgibt. Es war eine E-Mail, wie sie der weltgrößte Online-Händler nur selten verschickt: Vor einigen Wochen informierte das Unternehmen Tausende Menschen in Deutschland, ob sie als Testnutzer für sein neuestes Produktexperiment ausgewählt wurden.

Vordergründig geht es dabei um Echo, eine Lautsprecherbox, etwa so groß wie eine Chipsdose. Man könnte sie leicht mit einem gewöhnlichen Lautsprecher verwechseln. Aber am 26. Oktober hielt das Geschäft mit der Künstlichen Intelligenz endgültig in die deutschen Wohnzimmer Einzug. Denn das Gerät, für das sich viele vorab schon angemeldet haben, ist gekoppelt an die Computerintelligenz Alexa. Sie ruht auf den firmeneigenen Amazon-Servern. Von Echo aufgeweckt, ist sie in der Lage, Sprachbefehle auf Deutsch zu verstehen und auszuführen und mit dem Nutzer zu kommunizieren.


Taxi selbst bestellen war gestern – Künstliche Intelligenz ist heute

Alexa kann ein Taxi bestellen oder das Wetter auf Mallorca voraussagen. Wer will, kann sich von ihr vorwarnen lassen, ob es auf dem Weg zur Arbeit Stau gibt, und alternative Routenvorschläge einholen. Vor allem aber wird Alexa die Bedürfnisse ihrer neuen Besitzer nach und nach kennenlernen und sich immer besser an diese anpassen. So sind für die einen die Fußballergebnisse wichtig, für andere wiederum stellt sich die Frage nach dem Problem von Effi Briest. All das, so versprechen die Entwickler, wird Alexa in Zukunft beantworten können.

Denn der smarte Bot ist als ganz und gar lernendes System konzipiert. Basierend auf den Informationsbedürfnissen seiner Nutzer, aber auch anhand von deren wiederholt verwendeten Begriffen oder thematischen Assoziationen soll es sich fortlaufend neue Wissensfelder erschließen und diese verfeinern. Wie lange das exklusive Training mit den ersten Testnutzern in Deutschland dauern soll, dazu schweigt Amazon sich bislang aus. Die Lernphase in den USA dürfte aber ein Indikator sein.


Milliardenmarkt winkt für lernfähige Systeme

Demnach könnte im zweiten Quartal kommenden Jahres der offizielle Verkauf starten. Es geht dabei um mehr als selbstlernende Systeme, wie man Pizza per Chat, Zuruf oder SMS bequemer bestellen kann als per Telefon. Wer den Wettlauf um die Bot-Herrschaft gewinnt, entscheidet vor allem darüber, mit wem wir überhaupt noch ins Geschäft kommen. Denn Amazon und Co. filtern und sortieren vor, wessen Dienste wir auf ihren Bot-Plattformen nutzen.

An dieser einen entscheidenden Schnittstelle zu sitzen wird für die Netzgiganten womöglich zur Überlebensfrage. Allein das Marktpotenzial für smarte Boxen kalkulieren Marktforscher bereits für das Jahr 2020 auf mehr als 2,6 Mrd. Dollar weltweit. Dazu kommen Milliardenerlöse aus den über Bots vermittelten Webdiensten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat neulich die firmeneigenen Messenger für Bot-Dienste aller Art freigegeben. Apple hat seinen Sprachassistenten Siri zum ersten Mal überhaupt für die Nutzung mit Apps fremder Programmierer geöffnet. Vor allem aber ist es Microsoft-Chef Satya Nadella, der Amazon-ähnlichen Führungsanspruch zeigt: Im vergangenen März stellte er sein hauseigenes Bot-Betriebssystem vor.

Die Zukunft hat begonnen. Ob wir nun als Nutzer oder Anleger mit durchstarten, das bleibt jedem selbst überlassen. Ich grüße Sie jedenfalls herzlich und kritisch – manchmal auch lernfähig - zur Wochenmitte.

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Das Thanksgiving-Wochenende, respektive der Black Friday sowie der Cyber Monday, hat dem weltgrößten Online-Händler Amazon.com hohe Umsätze mit eigenen Produkten beschert. Laut Unternehmensangaben ist von einer Rekordnachfrage nach Amazon-Geräten die Rede. Besonders gefragt waren der kleine Lautsprecher Echo Dot, der Fire TV Stick mit Alexa Sprachsteuerung, das Fire Tablet und der Amazon Echo Lautsprecher.






Zitat der Woche



„Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen."

Aldous Huxley, britischer Schriftsteller (1894 - 1963) in seinem berühmten Werk „Brave New World“ („Schöne Neue Welt“)







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