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Ausgabe vom 07. Juli 2016


  • Pressespiegel: Auswirkungen des Brexit für die Weltwirtschaft



Pressespiegel: Auswirkungen des Brexit für die Weltwirtschaft     




von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

genug vom Brexit? Ich glaube es Ihnen und dennoch komme ich nicht umhin, den Pressespiegel für diese Woche unter sein Zeichen zu stellen. Die Medienberichte zum Leave-Votum haben sich in den Finanzpublikationen geradezu überschlagen. Doch keine Sorge, in der heutigen Auswahl der Expertenstimmen geht es nicht um das Aufwärmen der viel diskutierten Ungläubigkeit über das britische Referendum. 

British Exit bietet dem „Rest der Welt“ Chancen

Ganz im Gegenteil: Die Börsen- und Wirtschaftsexperten sind schon längst einen Schritt weiter. Es geht um die Folgen, respektive die Chancen, die das britische Austrittsszenario am Aktienmarkt bietet. So beurteilen unsere Schweizer Kollegen vomZürcher Trenddie Sachlage mit eidgenössischer Gelassenheit. Sie sehen uns Deutsche sogar als Gewinner der Situation. 

Der Spezialbörsenbrief zu Schwellenländern,Platow-Emerging-Markets, sieht im Brexit die große Chance für die Erholung der schuldengeplagten Schwellenländer. Und der bekannte Fondsmanager, Vermögensverwalter und Herausgeber der FINANZWOCHE,Jens Erhardt, sieht gar die gesamte Weltkonjunktur langfristig positiv beeinflusst. 

Ich weiß noch nicht so recht, ob ich diesen ganzen Optimismus angesichts des nächsten Schwarzen Schwans, den ich im Schlepptau des vermeintlichen Brexit (noch ist er nicht vollzogen – und es bleibt fraglich, ob er das jemals wird…) auftauchen sehe, teilen kann. Aber lesen Sie selbst und bilden Sie sich – wie immer – Ihr eigenes Urteil.

Das meinen die Experten:

Zürcher Trend
Vom 05 Juli 2016

Deutsche Besonnenheit und britische Routine 
„Ein einfaches Ausscheren der Engländer aus der politischen Europa-Welt ist unmöglich. England bleibt ein Teil Europas, möchte aber seine Rolle verändern. Deshalb gilt England für viele als Vorbild, obwohl der gewählte Weg wohl nicht der politisch ideale ist. Eine Neuordnung der Europa-Verträge - sowohl EU als auch Euro-Zone - verspricht mehr Vor- und weniger Nachteile. Das gehört wiederum zu jeder Verbesserung von Verträgen nach 16 Jahren praktischer Erfahrung bzw. nach über 60 Jahren Erfahrung von Anfang an (1956). Damals unterzeichnet im Quirinalspalast in Rom. Die Rolle Deutschlands steht vor einer Aufwertung. Der ökonomisch Größte war bislang der politisch eher Kleinere. Jetzt hat Berlin die Chance, seine politische Rolle der ökonomischen anzugleichen. Dafür spricht die ruhige Art, die in Deutschland in den vergangenen Tagen seit dem Brexit von der Bundeskanzlerin vorgetragen wurde. Sehr im Gegensatz zu allen anderen. Dass die Märkte auf die Brexit-Entscheidung ungewöhnlich nervös reagierten, ist nachvollziehbar. In vier Wochen wird sich dies bereits als Theaterdonner herausstellen, wenn die entsprechenden Parteien am Verhandlungstisch sitzen. Dafür spricht wiederum die englische Routine mit der größten Erfahrung als weltpolitische Größe und die zitierte deutsche Haltung, wie von der Bundeskanzlerin in einer Regierungserklärung schon vorgetragen.“ 

Platow-Emerging-Markets
Vom 30. Juni 2016

Brexit bringt Schwellenländern eine Atempause
„Die Emerging Markets sind von London weit genug entfernt, um mit den Folgen des Brexit besser fertig zu werden als die Industriestaaten Kontinentaleuropas. Als Schutzschild dienen ihnen zudem die engen Beziehungen untereinander sowie die traditionell starke Binnennachfrage. Die Wirtschaftsbeziehungen innerhalb der privilegierten EU-Ländergruppe werden zwar nachhaltig erschwert, aber der globale Handel kaum. Zudem sind die EM das Rückgrat des Commonwealth, eines Bundes von 54 Staaten, darunter die ehemalige Kronkolonie Indien, die etwa 30% der Weltbevölkerung umfassen und an deren besonderen Beziehungen zu Großbritannien nicht gerüttelt wird. Auch die Volksrepublik China, die den Status Schwellenland längst hinter sich gelassen hat, wird den Brexit wenig zu spüren bekommen. Chinas Ministerpräsident Li Keqianghatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Exit-Votums der Briten versucht, die Sorgen über gedämpftes Wachstum und hohe Schuldenlast seines Landes zu entkräften. Die chinesische Wirtschaft werde nicht überaus hart landen, sagte der Premier auf dem so genannten ,Sommer-Davos‘, einem Wirtschaftskongress nahe Peking. Li Keqiang untermauerte diese Zuversicht mit Zahlen. Die Weltwirtschaft insgesamt werde sich aber durch den Brexit nicht so schnell erholen und die Unsicherheiten verstärken. Die US-Fed hatte bereits aus Rücksicht auf mögliche Marktturbulenzen nach einem Brexit die nächste Zinserhöhung verschoben. Es ist zu vermuten, dass die Notenbank das Geld nun nicht schon im Juli, sondern erst im Herbst mit einer weiteren Zinserhöhung verknappt. Das bedeutet Entspannung für die Schwellenländer.“

Focus Money 
Vom 06. Juli 2016

Positive Beeinflussung der Weltkonjunktur
„Welche Folgen hat ein Brexit eigentlich für die Börse in London? Wäre das wirklich die ,Brapocalypse‘? ,Wirtschaftlich ist der Brexit vorläufig ein Non-Event‘, erklärt Jens Ehrhardt. ,Die Panikmache mit Billionenverlusten stimmte nur kurzzeitig‘, meint der erfolgreiche Vermögensverwalter und Fondsmanager. ,Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden minimal sein‘, prognostiziert der Fachmann. Die zur Verfügung gestellten Liquiditätshilfen – beispielsweise 345 Mrd. Pfund in Großbritannien – und die jetzt endgültig unwahrscheinlich gewordene US-Zinserhöhung dürften die Weltkonjunktur eher positiv beeinflussen, erwartet Ehrhardt. Auffällig ist, dass sich die Anleger in Briten-Aktien weniger um den Brexit scheren als ihre kontinentaleuropäischen Pendants. Der FTSE-100-Index, der die wichtigsten auf der Insel notierten Standardwerte abbildet, schneidet sowohl seit Jahresanfang als auch seit Bekanntgabe der Referendumsergebnisse besser ab als der DAX. Und steht heute 7% höher als noch Mitte Juni. Dass es zu einem Massenexodus aus London kommt, damit rechnet Börsenexperte Ehrhardt nicht – nicht einmal für den Finanzsektor. ,Der FTSE-100 profitiert von einem großen Engagement in Schwellenländern, es handelt sich um einen defensiven Markt mit hohen Renditen, und das sich abschwächende Pfund hilft den Umsätzen im Ausland‘, urteilen die Experten von JP Morgan. Und sind überzeugt: ,Großbritannien wird ein relativer Outperformer bleiben.‘ Das ist Börsianerdeutsch für: Die Londoner Börse wird sich in den nächsten Monaten besser entwickeln als andere Weltbörsen.“

Nächster Schwarzer Schwan in Europa gesichtet

Damit Ihnen bei diesen Aussichten nicht „zu wohl“ wird: Da war doch noch die Rede vom nächsten Schwarzen Schwan. Gemeint habe ich die Wiederauflage der italienischen Bankenkrise. Wie sie die europäischen Börsen erschüttert, das wird das unvermeidliche Thema der nächsten Tage oder gar Wochen sein. 

Böse Zungen behaupten, der Süden nutze die Gunst der Stunde, um an frisches Geld zu kommen. Egal wie, Hauptsache, es komme. Allzu weit hergeholt ist das nicht. Die Problematik: Darin stecken vielfältige Fallen für Zusagen, die gut gemeint sind, aber sehr viel Geld kosten. Das wird die europäische Finanzszene mit größter Sorgfalt zu analysieren haben. DieEZBspielt dabei die Rolle einer Art Drehscheibe. So ist es mehr als wahrscheinlich, dass sie es wieder bei den überschuldeten italienischen Banken richten wird – mit unseren Steuergeldern... 

Darin liegt das nächste Europa-Risiko. Wieder bleibt uns nur übrig, in Ruhe auf die Beobachterseite zu gehen und ganz genau zuzuschauen, wie sich die Figuren auf dem Schachbrett unseres Kontinents in den nächsten Wochen positionieren und die Kapitalmärkte dies einordnen. Seien Sie sicher, wir machen das für Sie.

Mit diesen Eindrücken wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre 

Martina Bisdorf

PS: Unter der Headline:„Die Immobilienflucht ist in vollem Gange“berichtet dasHandelsblattheute:„Das Brexit-Votum der Briten hat die Sorge vor fallenden Gebäudepreisen und Mieten ausgelöst, Herabwertungen für Immobilienportfolios drohen. Auch deutsche offene Immobilienfonds sind teilweise mit bis zu 25% in Großbritannien engagiert.“Lesen Sie mehr zu den Hintergründen imDaily Postvom 06.07.2016 auf unserer Homepagewww.boersenspiegel.com



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