Börse, Wirtschaft, Lifestyle- Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 09. Juni 2016


  • Pressespiegel: 
    Trendsetter für die Wende an den Weltbörsen gesucht 




Pressespiegel: Trendsetter für die Wende an den Weltbörsen gesucht 




von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

jetzt wird’s ernst: Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen betrat gestern ein Käufer mit tiefen Taschen die Bühne, namentlich dieEuropäische Zentralbank (EZB). Wie die NachrichtenagenturBloombergheute unter Berufung auf Händler berichtet, hat die EZB Bonds der spanischenTelefónica, von Versorgern und des italienischen VersicherersGeneraligekauft. Und das ist erst der Anfang. Im März hatte EZB-ChefMario Draghischließlich angekündigt, künftig regelmäßig auch Anleihen von Unternehmen zu kaufen. 

Beim Umfang halten sich unsere Währungshüter sämtliche Türen offen. Nicht wenige Investoren rechnen mit monatlichen Käufen von 3 bis 5 oder sogar von 5 bis 10 Mrd. Euro. Gerade zu Beginn könnten es jedoch auch deutlich weniger sein. Kaufen kann die EZB bis zu 70% der ausstehenden Anleihen von Unternehmen, denen mindestens eine Ratingagentur das Gütesiegel Investment-Grade für solide Bonität gibt. Unter den zehn europäischen Unternehmen mit den meisten ausstehenden Anleihen sind dabei aus DeutschlandVolkswagen,BMW,Daimlersowie dieDeutsche Telekom. Auch Anleihen von Versicherern kommen für die EZB in Frage.

Können die EZB-„Verzweiflungstaten“ die Märkte in Gang bringen?

Mit dem im März 2015 gestarteten Anleihekaufprogramm, das vor allem auf Staatsanleihen abzielt und um 20 Mrd. auf 80 Mrd. Euro im Monat erhöht wurde, wollen die europäischen Notenbanker die Kreditvergabe ankurbeln und Unternehmen so zu mehr Investitionen verleiten. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die Inflationsrate erhöhen, die zuletzt um 0,1% gegenüber dem Vormonat gesunken ist. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2% an. So weit, so gut? Oder doch nicht?

Die Frage, wie die Börsen, die nun schon seit Wochen mehr oder weniger auf der Stelle treten, in Gang gebracht werden können, scheinen sich derzeit viele Experten zu stellen. Fakt ist, dass der Starre-Modus, der bisweilen auch einem Flucht-Modus gleicht, wie man ihn aus der Verhaltensforschung kennt – Sie erinnern sich an das „Kaninchen vor der Schlange“ - noch eine Weile anhalten dürfte. Zu viele Unbekannte blockieren derzeit die Lösung der Gleichung. 

Anleger verharren wie das Kaninchen vor der Schlange

Die Weltbörsen suchen augenscheinlich nach dem „erlösenden“ Auslöser für eine Trend-Entscheidung. Hier bietet der laufende Monat Juni reichlich Gelegenheiten. So hat dieEZBneben dem Einleiten oben genannter Maßnahmen den Leitzins erwartungsgemäß unverändert belassen, ohne weitere Lockerungsmaßnahmen konkret in Aussicht zu stellen.  DieOPECwird dieser Tage die Märkte beeinflussen. Seit gestern tagt die Organisation Erdöl exportierender Länder in Wien und versucht nach dem Scheitern der letzten Verhandlungen erneut, ihre unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

Und genau heute in zwei Wochen werden wir wissen, wie das Referendum über den allseits gefürchteten potenziellenBrexitausgeht. Nicht zuletzt steht am 15. Juni wieder eineFed-Entscheidung an. All diese Unsicherheitsfaktoren lähmen die Börsen nun schon seit geraumer Zeit. Wie Sie als Anleger mit dieser Wartestellung umgehen sollten und welche Einflüsse tatsächlich zählen, dazu haben viele Experten mehr oder weniger gute Tipps. Drei aus meiner Sicht bodenständige Einschätzungen zur Lage habe ich Ihnen für den heutigen Pressespiegel herausgesucht.

Das meinen die Experten: 

Fuchs-Kapitalanlagen
Vom 03. Juni 2016

Rund um die Entscheidungstermine ist mit hoher Volatilität zu rechnen 
„Die OPEC wird dieser Tage die Märkte beeinflussen. Dass sich die 13 Staaten, die noch immer gut 30% des weltweiten Öls fördern, auf eine Förderbegrenzung einigen, erwarten wir nicht. Darum gehen wir davon aus, dass die Aufwärtsdynamik beim Ölpreis nachlässt. Schließlich warten die Marktteilnehmer auf die Fed-Entscheidung (15.6.) und das Brexit-Votum (23.6.). Beiden Ereignissen wird von Händlern das Potenzial zugemessen, Auslöser für eine Trendentscheidung sein zu können. Ob es danach aber rauf oder runter geht, das mag am Markt niemand prognostizieren. Angesichts dieser Lage warten die meisten Händler in Hab-Acht-Stellung an der Seitenlinie. Sie werden erst loslaufen, wenn die großen Entscheidungen getroffen sind, sich der Zug der Investoren in Bewegung setzt. Dann ist sehr wahrscheinlich, dass es einen kräftigen Schub in die eine oder andere Richtung gibt. Doch Vorsicht: Rund um die Termine wird es hohe Volatilität geben. Muster sind die Kursbewegungen um Zinsentscheidungen. In solchen Situationen ist es durchaus üblich, dass der DAX schnell um 150 Punkte steigt, um in den nächsten Stunden prompt um 250 Zähler zu fallen. Anleger ignorieren diese kurzfristigen Ausschläge möglichst. So lange die Leitplanken im DAX bei 9.800 und 10.500 Punkten halten, gibt es keinen neuen Trend. Erst darunter oder darüber entsteht ein neues Bild – mit jeweils reichlich Handlungsspielraum. Auch wenn es vielleicht schwerfällt – warten Sie mit neuen Aktienkäufen ab, bis die Trendentscheidung gefallen ist. Das kann aber gut und gerne noch vier Wochen dauern.“

Der BÖRSEN-SPIEGEL
(von Chefredakteur Jürgen Schmitt) 
Vom 06. Juni 2016

Die Schaukelbörse dauert weiter an 
„Fast täglich erleben wir derzeit Schwankungen, die früher für einen ganzen Börsenmonat gut waren. Mal klettert der DAX um 100 Punkte nach oben, um am Nachmittag um 150 Punkte abzutauchen und umgekehrt. Manchmal erleben wir sogar einzelne Tage, in denen sich diese Bewegungen zwei- bis dreimal so einstellen. Doch nicht nur die Aktienmärkte sorgen derzeit für reichlich Adrenalin unter den Investoren, sondern auch die Währungs- und Edelmetallentwicklungen. Am Freitag sorgten eher ernüchternde Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt für fallende Aktienmärkte, einen zum Dollar deutlich anziehenden Euro und kräftige Pluszeichen bei Gold und Silber. In dieser Woche könnte es wieder anders herum sein. All dies sorgt natürlich dafür, dass gerade große Investoren und Kapitalsammelstellen weiterhin Cash auf Rekordniveau an der Seitenlinie parken, bis mehr Klarheit darüber besteht, wohin die Reise tendenziell geht. Dass sich die Mehrheit der Profis inzwischen sicher ist, dass die Aktienmärkte perspektivisch weiter nach oben streben, zeigt der geringe Verkaufsdruck. Selbst Negativmeldungen werden derzeit nur noch ,dezent´ verkauft. Hingegen treten sofort Schnäppchenjäger auf den Plan, wenn es zu Übertreibungen nach unten kommt. Allerdings fehlt derzeit noch der entscheidende Befreiungsschlag. Vor der Brexit-Entscheidung am 23. Juni ist ein solcher allerdings sehr unwahrscheinlich. Auch wenn ich die Folgen/Auswirkungen für sehr gering erachte, bleibt die Unsicherheit über den Ausgang dieses Referendums der ,Deckel auf dem Börsen-Topf´. Bis dahin werden sich die Märkte wohl weiterhin so wechselhaft zeigen wie das Frühsommerwetter in Deutschland. Mal ziehen schwarze Wolken auf, die wieder verschwinden, dann kracht es, der nächste Dauerregen setzt ein, dem wieder-um herrlicher Sonnenschein folgt.“

BÖRSE ONLINE 
Vom 08. Juni 2016

Vorsichtig positive Stimmung macht sich breit
Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Sowohl die europäischen wie auch die amerikanischen Börsen sind gestiegen - Dow Jones und S&P 500 sind sogar nicht mehr weit von ihren Rekordhochs entfernt. Technisch gesehen läuft der Laden also. Und auch fundamental gibt es gute Gründe, investiert zu bleiben. Fast scheint es so, als ob die Brexit-Ängste zumindest bei den Anlegern nachließen - obwohl der Ausgang der Abstimmung weiterhin höchst ungewiss ist. Hinzu kamen in den zurückliegenden Wochen erfreulich robuste Konjunkturdaten. Die Kurserholung könnte also weiterhin dauern. Denn teuer ist der Markt nicht - egal ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite herangezogen wird. DAX-Aktien etwa sind im langfristigen Vergleich durchschnittlich bewertet. Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass viele Anleger immer noch eher vorsichtig investiert sind, der Aktienmarkt also alles andere als überkauft ist, sind weitere Umschichtungen aus schlecht verzinsten Anleihen in Dividendenpapiere recht wahrscheinlich. Vergleicht man die mehr als 20-%ige Korrektur des DAX seit Mitte 2015 - ohne dass es zu einer Rezession gekommen ist! - mit ähnlichen Kursmustern aus der Vergangenheit, dann stimmt das weiter positiv. Vorsichtig positiv. Denn klar ist auch, dass das deutsche Wirtschaftswachstum im ersten Quartal, das mit 0,7% Plus sehr gut ausgefallen ist, vor allem auf das nach wie vor günstige Zinsumfeld zurückzuführen ist. Das gilt übrigens auch für die Wachstumsprognosen. Was könnte die bessere Stimmung nun trüben? Eine immer wahrscheinlichere US-Zinsanhebung im Juni eher nicht. Und wie geht es weiter? Der DAX scheint eine gute Unterstützung bei 9700/9800 Punkten zu haben. Auch die langfristigen Durchschnittslinien - etwa die 55- und 200-Tage-Linie - wurden zuletzt überwunden. Das ist alles recht positiv."

Mit diesen Einschätzungen wünsche ich Ihnen eine angenehme Wartezeit" und für heute einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf

PS: In der nächsten Woche wollen die europäischen Notenbanker das Volumen der Firmenbonds angeben, bei denen sie zugeschlagen haben. Offizielle Angaben dazu, welche Unternehmensanleihen gekauft wurden, macht dieEZBerst am 18. Juli. Wir halten Sie auf dem Laufenden. 



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