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Ausgabe vom 31. Mai 2016


  • VW-Quartalszahlen: Weder Grund zum Jubeln, noch zum Trauern


VW-Quartalszahlen:
Weder Grund zum Jubeln, noch zum Trauern
             


von Cindy Ullmann   

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

darauf haben viele gewartet, Anleger, VW-Aktionäre und –Mitarbeiter und schließlich auch die Analysten: Volkswagen hat heute Früh seine Zahlen für das erste Geschäftsquartal 2016 veröffentlicht. Offenbar scheiden sich hier die Geister in der Bewertung der vorgelegten Bilanz. Die Schlagzeilen reichen von „VW streicht Dieselgate aus der Bilanz“ (Handelsblatt online) bis „Diesel-Skandal hinterlässt erneut tiefe Spuren in VW-Konzernbilanz“ (Nachrichtenagentur dpa AFX).

Fakt ist, dass sich die VW-Aktie (Vz.) seit einigen Wochen äußerst stark präsentiert hat. Schließlich legte das Papier seit Anfang April um rund 30% zu. Und die Zahlen zeigen auch, dass im ersten Quartal die Geschäfte des derzeit größten Autobauers der Welt wieder etwas besser gelaufen sind. Es gibt keine Rückstellungen mehr für die Diesel-Affäre. Schon allein deswegen konnten schwarze Zahlen geschrieben werden. Dennoch ist das noch lange kein Grund zur Euphorie, aber auch nicht zum Jammern, denn der Gewinneinbruch kam ja nicht unerwartet.


Volkswagen bemüht sich um Rückkehr zur Normalität

In Wolfsburg geht es zunächst um nichts weniger als die Rückkehr zur Normalität nach der Diesel-Affäre aus dem Herbst vergangenen Jahres. Und dies scheint dem Autokonzern im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres zumindest ansatzweise gelungen. Hier zunächst einmal die Zahlen, damit Sie einen Überblick bekommen:

Der Umsatz des skandalgeplagten Unternehmens, das „nebenbei“ auch noch mit einem herben Image-Verlust zu kämpfen hat, liegt für die Monate von Januar bis März dieses Jahres bei knapp 51 Mrd. Euro, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 3,4% bedeutet. Nach Steuern lag der Konzerngewinn in den ersten drei Monaten bei 2,4 Mrd. Euro, im Vorjahr waren es noch 2,9 Mrd. Euro. Beim Gewinn bremst die Abgas-Affäre die Wolfsburger daher sichtbar aus.

VW war bemüht, mit hohen Rabatten, die Verkäufe trotz des Diesel-Skandals stabil zu halten. Die Vertriebskosten stiegen zu Jahresbeginn aber bei Weitem nicht mehr so stark wie direkt nach Bekanntwerden der Manipulationen. Ursprünglich hatte man sogar noch mit rund 100 Mio. Euro mehr Anreizen kalkuliert, schöpfte diesen Puffer aber nicht komplett aus.


Positive Einflüsse von außen helfen mit

Positiv in die Bilanz eingeflossen ist sicherlich, dass es im ersten Quartal keine Sonderbelastungen in Milliardenhöhe wie zu Ende vergangenen Jahres gab. Im dritten und im vierten Quartal 2015 hatte VW wegen der Kosten der Diesel-Affäre mehr als 16 Mrd. Euro zurückgestellt und war dadurch tief in die Verlustzone gerutscht. Für Marktbeobachter war damit schon im Vorfeld klar, dass der Wolfsburger Konzern im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen schreiben würde.

Auch die Währungskurse spielten den Niedersachsen ganz gut in die Karten: Die milliardenschweren Rückstellungen für die Folgen der Abgas-Krise gewannen bei der Währungsumrechnung an Wert, weswegen Volkswagen dieses Polster verkleinerte. Das brachte 500 Mio. Euro und sorgte dafür, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sogar leicht um 112 Mio. auf 3,4 Mrd. Euro kletterte. Andererseits zeigt ein weiterer Posten, wie präsent die Abgas-Affäre in den Büchern bleibt: Für künftige Anwaltskosten legte der Konzern im ersten Quartal 200 Mio. Euro mehr zurück. Die Sache ist noch nicht ausgestanden.


Vorsichtiger Optimismus dank hübscher Töchter 

„Wir haben unter schwierigen Bedingungen respektable Ergebnisse erwirtschaftet“, kommentierte VW-Chef Matthias Müller heute Morgen das vorgelegte Quartalsergebnis. Dem Unternehmen sei es gelungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Diesel-Affäre in Grenzen zu halten.

Dennoch leidet die Marke VW noch immer am stärksten unter dem Skandal mit manipulierter Software in den Dieselmotoren. Das operative Ergebnis der Marke ist im Vergleich zum Vorjahresquartal von 514 auf 73 Mio. Euro gefallen. Die operative Rendite liegt bei mageren 0,3%. Man darf nicht außer Acht lassen, dass das vergleichsweise gute Gesamtergebnis vorrangig an den unverändert guten Verkaufszahlen der Premiumtöchter liegt: Porsche und Audi verdienen ordentlich und können so die Probleme bei der Marke VW mindestens ausgleichen. Übrigens glänzte auch die tschechische Tochter Skoda.


Geduld und Teamgeist sollen’s richten

Der Ausblick auf das Gesamtjahr wurde jedenfalls bestätigt. Demnach erwartet das Management einen Umsatzrückgang um bis zu 5% und eine operative Rendite von 5 bis 6%. Experten werten diese Prognose als „vorsichtig“. Dass sich die Konzernführung verhalten äußert, ist aber nicht nur mit der Dieselaffäre zu begründen, sondern auch mit dem bereits vor dem Abgasskandal gestarteten Konzernumbau. Dieser soll die Gewinnmarge nachhaltig steigern. In der jüngst veröffentlichten VW-Mitarbeiterzeitung warb die Unternehmensspitze deshalb einmal mehr um Geduld und Teamgeist.

Für etliche Anleger war es allerdings heute mit der Geduld vorbei, sie verkauften ihre VW-Aktien, wobei einige Investoren jedoch vor allem die ordentlichen Gewinne mitgenommen haben dürften. Die Analysten stufen die Aktie nach Angaben von Thomson Reuters derzeit mehrheitlich weiterhin als haltenswert ein. Allerdings könnten schwache Absatzzahlen aus China und/oder den USA sowie neue Hiobsbotschaften zum Abgasskandal den Titel zeitweise unter Druck setzen.

Halten wir fest: Wo Schatten ist, muss auch Licht sein und umgekehrt. Wie Jürgen Schmitt und sein Team die neuen VW-Zahlen einschätzen und was sie dazu zu sagen haben, das erfahren Sie in der nächsten Ausgabe unseres
BÖRSEN-SPIEGEL smart money am kommenden Montag.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Cindy Ullmann

PS: Auch wenn die Zahlen für das erste Quartal nicht gerade berauschend sind, so hat es VW immerhin geschafft, den Erzrivalen Toyota beim Absatz wieder zu überholen. Die Wolfsburger waren im ersten Quartal 2016 wieder der weltgrößte Fahrzeughersteller. Bei Toyota ging der Absatz in den ersten drei Monaten unter anderem wegen einer Explosion und damit verbundenen Produktionsstopps um 2,3% auf 2,46 Mio Fahrzeuge zurück. VW hingegen hatte bereits Mitte April mitgeteilt, dass der Absatz konzernweit um 0,8% auf 2,51 Mio. Stück geklettert war.


 



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