Börse, Wirtschaft, Lifestyle- Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 09. März 2016


  • Nachlese zum Weltfrauentag: 

    Harte Arbeit, hoher Preis und wenig Lohn...? - Wie Frauen den Börsenwert von Unternehmen steigern


  • Zitat der Woche




Nachlese zum Weltfrauentag: 

Harte Arbeit, hoher Preis und wenig Lohn...? - Wie Frauen den Börsenwert von Unternehmen steigern 


von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gestern jährte er sich zum 105. Mal, der Weltfrauentag. Falls manche von Ihnen nicht so recht wissen, was es damit auf sich hat, außer dass überall auf der Welt lila-bunt gekleidete Frauen durch die Städte tanzen, Flyer verteilen und Podiumsdiskussionen veranstalten, hier zunächst einmal die ganz nüchterne Definition vonWikipedia:

„Der Internationale Frauentag, Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag ist ein Welttag, der am 8. März begangen wird. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.“ 

Deutschland Land der ersten Stunde (Wer hätte das gedacht...)

Wir Deutsche waren übrigens von Anfang an mit dabei. Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Deutschland, Dänemark Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. So weit, so gut. Aber was hat das mit der Börse zu tun? Nun, neuesten Studien zufolge eine ganze Menge. Denn laut einer Untersuchung der TU München in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Hongkong wurden Unternehmen mit Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat an der Börse höher bewertet. 

„Frauen an der Spitze steigern den Börsenwert!“ 

Was für einige Leser vielleicht als irritierende Aussage empfunden wird, ist durchaus wissenschaftlich belegt. Dazu haben die Forscher zugegebenermaßen eine ungewöhnliche Methode gewählt: Sie beobachteten die Börsenwerte von Unternehmen nach dem Ausscheiden von Frauen. Nach den Beobachtungen der Ökonomen derTechnischen Universität München (TUM)und derUniversity of Hong Kong beurteilen Anleger die Leistungen der wenigen Frauen, die sich auf der Karriereleiter ohne Quote durchsetzen konnten, besser als die Arbeit der vielen männlichen Kollegen. 

Die Forscher untersuchten in rund 50 Ländern Aktienkurse von Unternehmen, aus denen Führungskräfte durch Tod oder Krankheit ausgeschieden waren. Dabei betrachteten sie rund 3.000 Fälle in 51 Ländern, in denen es im Untersuchungszeitraum von 1998 bis 2010 keine Frauenquote gab.„Unser Verfahren wirkt vielleicht ein wenig makaber, aber so konnten wir andere Einflussfaktoren minimieren“, erklärt ExperteDaniel Urban

Hoher Kursverlust durch Wegfall von Frauen

Es zeigte sich: Wenn Frauen durch Männer ersetzt werden, ist der Kursverlust am stärksten. Nach einem plötzlichen Ausscheiden von Managerinnen sank der Aktienkurs durchschnittlich um 2%. Wenn eine Frau durch einen Mann ersetzt wurde, war der Effekt noch einen Prozentpunkt stärker.

Schied dagegen ein Mann aus, hielten die Aktien ihren Wert.„Frauen, die nicht durch Quoten in die Führungsgremien gelangt sind, tragen also mehr zum Wert der Unternehmen bei als Männer“, erläutert Urban. Seine Erklärung: Die Anleger gehen offensichtlich davon aus, dass„nur die besten Frauen in Führungspositionen kommen, weil sie härter dafür arbeiten müssen.“ 





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BNP Paribaspräsentierte: Rendezvous mit Harry“

„Die Erholung ist klar Rohstoff getrieben“, so TraderHarald Weygandin der SendungRendezvous mit Harryvom 7. März. So konnten Aktien, die im Zusammenhang mit Rohstoffen zu sehen sind, outperformen. EtwaThyssen, die in der Sendung auch ausführlich besprochen wurde. Außerdem ging es in der Stunde auch um die Aktie vonVolkswagen, immerhin Top-Gewinner der Vorwoche. Die Volatilität war im Vorfeld der EZB-Sitzung ein großes Thema. Hier spielen Discount Zertifikate auf volatile Aktien ihre Stärken aus. 

Am BeispielWirecardkonnteGrégoire ToublancvonBNP Paribaszeigen, welche Seitwärtsrenditen in kurzer Zeit möglich sind. Am Ende der Sendung ging es um Gold und den Ölpreis. Für beide ist Harry optimistisch. Bei Gold scheint die Kursgrenze von 1.265 Dollar, die er zuvor in der Sendung als Kauflimit nannte, durchbrochen. Und WTI sieht Harry erstmals in Richtung 40 Dollar steigen. Moderiert wurde die Sendung wieder vonVolker Meinel.

Falls Sie die Sendung noch einmal sehen und hören möchten, dann einfach
hier klicken.„Rendezvous mit Harry“gibt es wieder amMontag 14. März, wie immer um19 Uhr.






Fleiß der Frauen wird von Aktionären anerkannt

Der zweite Teil der Analyse zeigt, dass Aktionäre Frauen aber nicht per se mehr zutrauen. Vielmehr beurteilen sie offenbar die konkreten Leistungen der Führungskräfte, beziehungsweise gehen davon aus, dass Frauen dann besonders gut sind, wenn sie es in einer besonders feindlichen Umgebung ganz nach oben geschafft haben. Dazu bezogen die Forscher den jeweiligen Frauenanteil der Vorstände und Aufsichtsräte in den untersuchten Ländern ein.

Dieser betrug beispielsweise nur 3% in Japan, 8% in den USA, aber 20% auf den Philippinen. Es zeigte sich: In Ländern, in denen es Frauen besonders schwer hatten, auf eine Führungsposition zu gelangen, waren die Kursverluste bei ihrem Ausscheiden größer.„Hier wirkt der harte Auswahlprozess: Die Frauen müssen deutlich bessere Leistungen zeigen als ihre männlichen Kollegen. Entsprechend groß ist die Wirkung, wenn sie ausfallen“,ist Daniel Urban überzeugt.

Was lernen wir daraus? Sicher müsste man jetzt der Korrektheit halber noch genau die Repräsentativität der Studie untersuchen. Fakt ist jedoch leider auch heute noch, dass Frauen in den Führungsetagen stark unterrepräsentiert sind und im Durchschnitt weniger verdienen als männliche Kollegen an gleicher Stelle. Da mag es durchaus Ausnahmen geben, aber en gros trifft das zu. 

Zeiten von Sahnehäubchen-Verdienerinnen und Frühstücksdirektorinnen sind vorbei 

In Anbetracht dessen, dass die Zeiten der „Sahnehäubchen-Verdienerinnen“ weitgehend vorbei sind, muss man diese Ungerechtigkeit schon anprangern. Ich kenne in meinem Umfeld kaum Frauen, die ausschließlich für den Friseur, schicke Klamotten oder den nächsten Familienurlaub arbeiten. Vorbei sind die Zeiten, da ein Durchschnittsverdiener allein eine Familie ernähren kann. Hier sind in der Regel die Frauen ebenso gefragt, wenn es darum geht, zwei oder drei Kinder großzuziehen, das Haus abzubezahlen und dann auch noch etwas für´s Alter anzulegen.

Oder nehmen wir die zunehmende Zahl alleinerziehender Mütter. Wie soll man einer Frau, die ihre Kinder ohne männliche Unterstützung gut ins Leben bringen muss, erklären, warum ihr männlicher Kollege – gern Familienvater genannt – bei gleicher Leistung mehr verdient als sie? Nicht zu vergessen, dass auch die Eheschließung keine finanzielle Absicherung mehr für junge Frauen ist. Jede dritte Ehe wird geschieden und dann muss in den meisten Fällen jeder selbst sehen, wie er/sie klarkommt.  

Die Zeiten haben sich geändert – Die Unternehmen haben noch viel zu lernen

Die Zeiten haben sich geändert. Dem sollten auch die Unternehmen Rechnung tragen. Zumal der Einsatz von Frauen, wie in der Studie beschrieben, nicht ihr Schaden ist. Ich hatte an dieser Stelle schon einmal erklärt, dass ich persönlich kein Fan der Frauenquote bin. Vielmehr setze ich darauf, dass sich die deutsche Unternehmenskultur weiter öffnet für den Wandel der Zeit und sich die Beschäftigung von qualifizierten Frauen als Bereicherung durchsetzt. Wofür sonst sind  unsere Mütter in den 1970ern auf die Straße gegangen?

Im Übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Männern und Frauen das ideale Modell der Zukunft ist. Denn gerade unterschiedliche Sichtweisen, die wir von Natur aus nun mal haben, und nicht zuletzt eine gewisse Streitkultur führen am Ende zu guten Ergebnissen. Mit einem Augenzwinkern an meine Kollegen: Das sieht man auch bei uns hier in der Redaktion, wo das Miteinander hervorragend klappt.  

Ich hoffe, ich habe Sie ein wenig zum Nachdenken angeregt und vielleicht auch für das eine oder andere fruchtbare Gespräch Zuhause oder in der Firma gesorgt.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre 
Martina Bisdorf

PS: Übrigens schneiden in Deutschland die Familienunternehmen im Bezug auf die Frauenquote deutlich schlechter ab, als die DAX-Unternehmen. In den beiden obersten Entscheidungsgremien der 250 größten deutschen Familienbetriebe arbeiten noch immer extrem wenige Frauen. Hier heißt es auch für den Mittelstand: Es gibt noch viel zu tun, hoffentlich packen sie es an!





Zitat der Woche

„Fähige Frauen sollten als Vorbilder im Unternehmen nach innen und außen gut sichtbar sein. Wenn sie aus der eigenen Familie stammen, umso besser. Bloß keine Frühstücksdirektorinnen!“ 

Marie-Claire Tietze, Senior Managerin bei KMPG und Expertin für Führungskultur und Vielfalt 





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