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Ausgabe vom 11. Februar 2016


  • Pressespiegel: 
    Schein-Tod - Bargeldverbot kommt schneller als gedacht




Pressespiegel:
Schein-Tod - Bargeldverbot kommt schneller als gedacht 


von Martina Bisdorf

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie Sie sicher alle im Laufe der letzten Woche gehört haben, kommt es nun aller Wahrscheinlichkeit nach auf uns zu – und das früher als gedacht: Das Bargeldverbot. Zumindest plant die Bundesregierung eine Bargeld-Begrenzung auf 5.000 Euro. Man könnte jetzt einfach sagen, dass das einige unserer europäischen Nachbarn schon lange haben, ohne dass nennenswerte Auswirkungen auf die Bevölkerung dabei laut wurden. 

Aber man muss ganz klar einräumen, dass das Vorhaben der Bundesregierung, das sie übrigens notfalls auch im Alleingang durchziehen will, erst einmal eine Vorstufe dessen ist, was noch kommen wird. Zunächst einmal will man angeblich den „internationalen Terrorismus“ damit bekämpfen, dass man Bargeldzahlungen begrenzt. 

Absurdität sondergleichen – Bargeldverbot als „Anti-Terror-Maßnahme“

In meinen Augen ist das eine äußerst fragwürdige Erklärung für den Zwang zur Kartenzahlung. Ob da nicht der allgemeine Populismus bedient wird, ist eine Frage, die sich mir förmlich aufdrängt. Man trifft mit derartigen Begründungen ja durchaus den Nerv der Zeit. So mancher wird sich dankbar über eine solche „Sicherheitsmaßnahme“ zeigen und es dem „Feind aus dem Ausland“ gerne zeigen.

Welche Gründe auch tatsächlich dahinter stecken, eines steht fest: Nach dem rechtlichen Vollzug dieser Maßnahme ist der Weg nicht mehr weit, Bargeldauszahlungen auch an der Bank zu begrenzen. Und genau das ist es, was uns wirklich Sorgen bereitet. Der Staat stellt langsam die Weichen dafür, dass der Sparer dazu getrieben wird, seine oft hart erarbeitete Altersvorsorge zu investieren oder über Umwege dem Staat dafür eine Gebühr zu bezahlen, dass er auf das Geld aufpasst – oder besser gesagt, sich Stück für Stück daran bedient. 

Bargeldverbot gleicht einer Entmündigung der Bürger

Jede künftige Regierung oder auch die amtierende – sollte sie wiedergewählt werden – wird natürlich die drohenden „Repressalien“ des Sparers auch mit der Notwendigkeit begründen, dass der Staat ja kräftig investieren müsse: Wir brauchen Flüchtlingsunterkünfte, mehr Polizisten und sicherlich auch mehr Gefängnisse etc. Und in diesem Zusammenhang lässt sich gleich auch noch eine  durchschlagendere Datenerfassung viel einfacher erklären. 

„Wir müssen doch über alles Bescheid wissen, um die Bürger zu schützen.“ Spätestens wenn wir diesen Satz von staatlicher Seite her hören, wissen wir, dass der Weg zum „gläsernen Menschen“ lange beschritten ist. Ehrlich gesagt, beunruhigt mich dieser weitere Verlust an Freiheit. Und nicht nur mich. Ich höre noch deutlich die Worte meines KollegenJürgen Schmitt(ChefredakteurBÖRSEN-SPIEGEL) nachklingen,  als wir letzte  Woche hier in der Redaktion  über das Thema diskutiert haben: 

„Freiheit sieht anders aus“ (Jürgen Schmitt)

„Für mich sieht Freiheit jedenfalls anders aus, auch wenn wir inzwischen wohl leider tatsächlich schon an einem Punkt angelangt sind, wo man viele Einschnitte in die Privatsphäre akzeptieren muss. Und es hilft auch nichts, wenn man weiß, dass die Politik daran die Hauptschuld trägt. Wir müssen schlicht und ergreifend das Beste aus diesem Dilemma machen. Für die Kapitalanlage bedeutet das: Die beste Lösung ist und bleibt die Beteiligung an erstklassigen Unternehmen über Aktien. Denn da wird der Staat als Letztes ansetzen, da selbst politische ,Vollpfosten' wissen, dass man die Industrie wettbewerbsfähig halten muss, was wiederum bedingt, dass man sie als Arbeitgeber und damit insgesamt auch als Hauptsteuereinnahme-Quelle einfach nicht allzu sehr beschneiden darf.“

Lesen Sie nun, wie andere Wirtschaftsredakteure und Analysten das drohende Bargeld-Aus beurteilen. 

Das meinen die Experten:

Fuchs-Briefe
Vom 04. Februar 2016 

Mit Salamitaktik zur völligen Abschaffung des Bargeldes
„Der Fiskus will die letzten Steuerschätze heben. Dafür hat sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) jetzt den Höchstbetrag von 5.000 Euro bei Bargeldzahlungen ausgedacht. Um der Öffentlichkeit den Schachzug schmackhaft zu machen, schiebt er die Bekämpfung der Geldwäsche vor. Dass es sich bei der Geldwäschebekämpfung nur um einen Vorwand handelt, machen mehrere Fakten deutlich. Zunächst geht es um ein vergleichsweise kleines Phänomen. Laut Schätzung des Bundes deutscher Kriminalbeamter beträgt das Volumen in Deutschland etwa 30 Mrd. Euro im Jahr. Für Abhebungen und Einzahlungen – je 15.000 Euro, bei Devisen sogar nur 2.500 Euro – gibt es ohnehin eine Meldepflicht. Bei Immobilienkäufen gegen Cash muss der Makler/die Bank akribisch festhalten, um was für einen Kunden es sich handelt. Kunst- oder Briefmarkenauktionatoren müssen stets detailliert Auskunft über ihre Kunden geben. Das zehnfache Volumen wird bei der Schwarzarbeit umgesetzt. Die Deutsche Bundesbank schätzt es auf 339 Mrd. Euro (2015). Darum geht es wirklich. Allein an Mehrwertsteuer sind das über 60 Mrd. Euro, die dem Fiskus entgehen. Unter dem Rubrum Geldwäsche- und Terrorismusbekämpfung lässt sich die Freiheit der Bürger am einfachsten einschränken. Und der Staat benötigt jeden Cent, da auch seine Rekordeinnahmen für die vielen Volksbeglückungsmaßnahmen nicht ausreichen. Mit dieser Salami-Taktik nähert man sich zugleich der völligen Abschaffung des Bargelds.“

EURO am Sonntag
Vom 07. Februar 2016

Das Ende des Bargeldzeitalters naht 
„Bald sollen Verbraucher große Summen nicht mehr bar bezahlen können. Das Ende von Scheinen und Münzen naht. Das war selbst der ,Tagesschau' zu viel: Am Donnerstag musste die Kommentarfunktion der Internetseite von Deutschlands Nachrichtenflaggschiff geschlossen werden. Zu viele Bürger hatten wütende Proteste zu einem Thema hinterlassen, das die Menschen offenbar noch mehr erregt als Eurorettungspakete und virtuelle Hilfsmilliarden. Der Tenor des Volkszorns: Finger weg von unserem Bargeld! Flankiert werden die Bürgerproteste von etlichen Experten und Politikern. Was in anderen Ländern relativ geräuschlos Gesetz wurde, verursacht hierzulande einen Aufschrei. Denn die Deutschen lieben ihr Bargeld, das zeigen zahlreiche Umfragen. Außerdem scheint es, als ob die Politik das Ende des Bargeldzeitalters vorbereitet. Seit Monaten fordern Politiker wie Norbert Walter-Borjans, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. EZB-Chef Mario Draghi ist auch kein Freund des 500ers, ihm geht es aber weniger um Steuerstraftäter als darum, aktiver Geldpolitik machen zu können. Da die Konjunktur im Euroraum in vielen Ländern nur schleppend vorankommt, will er die Zinsen weiter senken, notfalls auch negative Zinsen einführen. Bargeld, das im Umlauf, sprich in den Portemonnaies der Bürger ist, behindert ihn dabei. Die Europäische Zentralbank kann Münzen und Scheine zwar drucken, hat aber kaum Einfluss darauf, wer sie nutzt und was mit ihnen geschieht. Liegt das Geld auf Konten, ist es leichter zu kontrollieren. Dennoch steht die Tür zur bargeldlosen Welt offen. Die technischen Voraussetzungen sind da, und je schneller sich Neuerungen wie kontaktloses Zahlen per Geldkarte oder Smartphone durchsetzen, desto mehr nimmt der Nutzen von Bargeld ab. Noch interessanter war ein Satz John Cryans, den man durchaus als Menetekel nehmen kann: ,Es ist wahrscheinlich, dass es in zehn Jahren kein Bargeld mehr geben wird.'“

Das 100%-DEPOT
(von Chefredakteur Dieter Wendt)
Vom 26. Januar 2016 

Bargeldverbot ist die Blaupause für die Enteignung  
„Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos wurden wieder die Rufe nach einer Bargeldabschaffung laut. Renommierte Experten blasen schon seit Jahren immer wieder in dieses Horn. Als Argumente werden immer wieder die kriminellen Machenschaften und die horrenden Kosten des Bargelds herangeführt. Der Grund dürfte allerdings eher in einer geplanten Enteignung der Bürger zu sehen sein, denn Bürger wären dann nicht mehr in der Lage, ihre Ersparnisse vor der Finanzrepression in Sicherheit zu bringen. Die meisten Volkswirtschaften sind derart hoch verschuldet, dass schon bald der Tag X kommen wird, an dem das System kollabiert. Zu vermeiden ist dies nur noch mit radikalen Maßnahmen. Zum einen wäre eine Zwangsabgabe denkbar, zum anderen negative Zinsen. Genau für diese Fälle wäre eine Bargeldabschaffung sinnvoll, denn dann kann man sein Geld nicht mehr unter dem Kopfkissen verstecken. Bringen Sie Ihr Geld in Sicherheit! Wer George Orwells 1984 als Spinnerei abgetan hat, dürfte schon bald eines Besseren belehrt werden. Denn wir marschieren immer schneller auf einen totalitären Überwachungsstaat zu, der den Bürgern nahezu jede Freiheit nimmt. Bislang gibt es noch kein Land, in dem Bargeld offiziell verboten ist. Selbst in Skandinavien, wo Politiker die Abschaffung mit besonders viel Druck als moralische Pflicht propagieren, akzeptiert man weiterhin Münzen und Scheine. In Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal, Italien, Kroatien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Polen und der Slowakei hat man aber bereits gesetzliche Obergrenzen für Bargeldzahlungen eingeführt. Fakt ist: Sparer werden über kurz oder lang enteignet. Genau aus diesem Grund müssen Sie Ihre Vorsorge treffen und vor allem auf Aktien setzen. Daran führt kein Weg vorbei!“ 

Schrittweise Abschaffung des Bargeldes in vollem Gange 

Diese drei Artikel, die durchaus repräsentativ für den allgemeinen Tenor der Börsenwelt sind, sprechen für sich. Es herrscht Einigkeit darüber, dass die schrittweise Abschaffung des Bargeldes in vollem Gange ist. Über die Gefahren, die dadurch für uns Anleger entstehen, sind sich die Analysten ebenfalls im Klaren. 

Fakt ist, wie es mein KollegeDieter Wendtvom100%-DEPOTso treffend ausdrückt:„Sparer werden über kurz oder lang enteignet.“An dieser Entwicklung ist nichts schönzureden, aber man muss darüber nachdenken. 

Mit diesen Eindrücken wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre 
Martina Bisdorf

PS: Was denken Sie über das Bargeldverbot und welche Vorkehrungen haben Sie bezüglich Ihrer Kapitalanlage getroffen? Wie immer interessiert mich Ihre Meinung zum Thema. Ich freue mich über Ihre E-Mail an: Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com



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