Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 27. Januar 2016


  • Börse und Ethik – Widerspruch oder gelungenes Zusammenspiel? 

  • Der smarte Buchtipp für den Anleger 
     

 


Börse und Ethik – Widerspruch oder gelungenes Zusammenspiel?
 



von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Börse und Ethik – wie geht das zusammen? Das werde ich tatsächlich ab und an gefragt, wenn Menschen erfahren, wo und was ich arbeite. Für uns, die wir uns – ob nun als Anleger oder Redakteure – tagtäglich mit dem Thema Börse und Aktienmarkt beschäftigen, scheint die Frage zunächst absurd.

Wir haben schon lange für uns geklärt, dass sich ethisches Verhalten und die Kapitalanlage am Aktienmarkt keinesfalls ausschließen. Sonst würden wir uns kaum über Jahre hinweg mit großer Leidenschaft diesem Thema widmen. Deshalb muss ich in solchen Momenten dann erst einmal überlegen, was ich den Leuten antworten kann. Denn die Frage ist ja nicht ganz unberechtigt.


Gewinnbringende Kapitalanlage und Moral schließen sich nicht aus, im Gegenteil…

Wie gut, dass mir da renommierte Ethiker und Christen zur Hilfe kommen, die sich sehr differenzierte Gedanken zum Thema gemacht haben. Ein Beispiel ist der von mir hoch geschätzte Pater Anselm Grün, seit Jahren Cellerar in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Durch seine Aufgabe als Zahlmeister uns Seelsorger ist er geradezu prädestiniert, dazu kompetente Aussagen zu treffen. Denn er steht offen dazu, dass er Kapital in Aktien anlegt.

Deshalb möchte ich ihn an dieser Stelle zitieren. In einem Interview, das 2012 im Handelsblatt veröffentlicht wurde, anwortete Anselm Grün auf die Frage, „Muss man heute spekulieren, wenn man überhaupt noch Rendite erzielen will?“:

„Zwangsläufig. 2% Zinsen wie bei Bundesanleihen sind mir ehrlich gesagt zu wenig.“


Eine ordentliche Rendite ist erstrebenswert und alles andere als verwerflich

Die nächste Frage lautete: „Ist das mit christlichen Grundsätzen vereinbar?“ Darauf Anselm Grün:

„Deswegen rede ich ungern über Geld, sondern arbeite damit. Nach dem Interview werde ich wieder viele böse Briefe bekommen. Aber Jesus sagt ja auch: Wenn du dein Talent auf die Bank gebracht hättest, hättest du Zinsen bekommen. Wer heute noch meint, Zinsen sind des Teufels, der hat ein mangelndes Verständnis von Wirtschaft. Erstens dient Geld den Menschen, nicht der Habsucht. Wir haben eine Schule, die kann man auch zu Tode sparen. Das wollen wir nicht. Zweitens braucht man das richtige Maß. Man darf nicht alles, was man kann. Und drittens ist es die innere Freiheit, dass ich mich nicht über Geld definiere.“

Auf dem Online-Portal faz.net bekannte der Mönch und Vermögensverwalter 2010 auf die Frage nach seinen Anlagezielen: „10% Rendite sollten schon rausspringen." Damals setzte er bei der Vermögensanlage seiner Abtei nach eigenen Aussagen unter anderem auf deutsche Einzelwerte. Es ist also durchaus kein Widerspruch, sich als Christ und tief spiritueller Mensch mit einer der sinnvollsten Kapitalanlagemöglichkeiten, die es heute gibt - nämlich der Aktienanlage - zu beschäftigen.


Wahrhaft gewinnbringende Lektüre-Tipps

Ein wahrhaft interessantes Buch dazu, ebenfalls von einem Geistlichen geschrieben, stellt Ihnen jetzt meine Kollegin Cindy Ullmann vor. Ich bin selbst schon gespannt darauf, es zu lesen. Es steht ganz oben auf meiner Lektüre-Liste.

Doch vorher noch ein gewinnbringender Lektüre-Tipp in eigener Sache für Sie: Am kommenden Freitag erscheint unser neuer
MS Global One-Newsletter. Darin wird Ihnen Jürgen Schmitt (Chefredakteur BÖRSEN-SPIEGEL) erläutern, wie gut die Absicherungsstrategie in unserem aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds in der Korrekturphase gegriffen hat und welche Maßnahmen weiterhin geplant sind, die Einlagen sicher durch die Berg- und Talfahrt an den Finanzmärkten zu bringen.

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Der smarte Buchtipp für den Anleger:

„Reich werden auf die gute Art“ von Gregor Henckel-Donnersmarck

Von Cindy Ullmann

Ist es nicht ein Widerspruch an sich, wenn sich ein Mönch mit dem „Reich werden“ beschäftigt? Und ich meine auch wirklich den finanziellen, nicht den spirituellen oder geistlichen Reichtum. Hat ein Mönch sein Leben nicht ohne irdische Reichtümer zu führen? Wie also kommt es, dass gerade ein Mönch ein Buch mit Vermögenstipps verfasst? Genau diese Fragen schossen mir durch den Kopf, als mir das Buch, mit dem Titel „Reich werden auf die gute Art“ von dem deutsch-österreichischen Priestermönch Gregor Henckel-Donnersmarck in die Hände fiel. Der Klappentext brachte den Widerspruch, der sich mir angesichts der Thematik und ihrem Verfasser auftat, auch gleich auf den Punkt. „Ein guter Christ muss nicht arm sein, und Geldverdienen ist keine Sünde“, so sieht es zumindest Gregor Henckel-Donnersmarck.

Um das alles besser zu verstehen, muss ich wahrscheinlich etwas weiter ausholen. Der Autor ist Zisterzienser-Abt, geboren in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs in Breslau als Spross der aus gräflicher Linie stammenden schlesischen Familie Henckel von Donnersmarck. Der Name dürfte vielen von Ihnen vor allem durch Florian Henckel von Donnersmarck, einem bekannten deutschen Filmregisseur, ein Begriff sein. Einen Zusammenhang gibt es in der Tat. Florian Henckel von Donnersmarck ist der Neffe des Autors. Gregor Henckel-Donnersmark heißt mit „bürgerlichem“ Namen Ulrich Maria Karl Graf Henckel von Donnersmarck. Seine Eltern flüchteten mit ihm und seinem Bruder vor der Roten Armee Mitte der 1940er Jahre nach Bayern und gingen von dort später nach Österreich. Dort beschritt er zunächst den „normalen“ Bildungsweg: Matura, Militärdienst, Hochschule für Welthandel und anschließend Mitarbeiter und Manager der Speditionsfirma Schenker & Co. Doch die Karriere brachte ihm nicht die erhoffte Erfüllung, vielmehr nahm sie ihm immer mehr seiner Zeit für den ihn wichtigen Glauben. Schließlich traf er eine drastische Entscheidung und trat in den 1970er Jahren als Novize ins Stift Heiligenkreuz ein und nahm den Ordensnamen Gregor an. Auch als Mönch machte er Karriere, wurde Prior und sogar Abt.


Ein Vermögensratgeber mit spirituellem Fundament

Ein Manager wird Mönch. Eine Geschichte, die in der heutigen Zeit nicht unnormal, aber doch besonders ist. Schon der Lebenslauf von Gregor Henckel-Donnersmark machte mich neugierig auf dieses Buch? Was kann ein Mensch uns Anlegern für Tipps geben, der den größeren Teil seines Lebens Mönch war? Kann er uns neue Blickwinkel eröffnen? Kann er das Bild vom sündigen Spekulanten etwas gerade rücken? Ich verrate Ihnen das jetzt nicht. Dann wäre es für Sie völlig uninteressant dieses Buch zu lesen. Ich sage Ihnen nur so viel: Das Buch „Reich werden auf die gute Art“ liefert jede Menge wertvolles Wissen und vor allem bestärkt es den Leser, auf sich und seine Entscheidungen als Anleger zu vertrauen. Es ist in gewisser Weise ein Vermögensratgeber mit spirituellem Fundament. Wenn man es gelesen hat, versteht man die These des Autors, dass Reichtum nicht zwangsläufig Sünde ist, und dass man als Anleger mit dem richtigen Maß an Demut vor dem Vermögen viel mehr erreichen kann.

Gregor Henckel-Donnersmarck formuliert es so: „Ich habe in diesem Buch versucht, ein paar Hinweise für jene zu geben, die wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und Reichtum auf dem Pfad des ,Vorranges des Menschen‘ verwirklichen wollen, und nicht auf dem Pfad der Ausschließung und Unterdrückung anderer.“ Und ich sage, es ist ihm gelungen.

BÖRSEN-SPIEGELdaily-Bewertung:
*****  (5/5 Sterne)    

Gregor Henckel-Donnersmark
Reich werden auf die gute Art
Vermögenstipps eines Geistlichen
HERDER Verlag
Taschenbuch
ISBN: 978-3-451-06799-0

Übersicht über die BÖRSEN-SPIEGELdaily-Bewertung:


*****   Besonders lesenswert
****     Lesenswert
***       Kann für einige Lesergruppen interessant sein
**        Wir hätten uns mehr erwartet
*          Nicht zu empfehlen

Wir grüßen Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre

Martina Bisdorf und Cindy Ullmann

PS: Apple glänzte und enttäuschte zugleich bei der Vorlage seiner Bilanzzahlen gestern Abend. Obwohl der Smartphone-Pionier aus dem amerikanischen Cupertino mit einem Quartalsgewinn von 18,4 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) den historischen Bestwert erreicht hat, büßt das iPhone offenbar an Strahlkraft ein. Vergangenes Quartal verkaufte die Firma mit insgesamt 74,8 Mio. Stück weniger Modelle als mit 75,46 Mio. erwartet worden waren. Für das kommende Quartal rechnet Apple mit dem ersten Umsatzrückgang seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Prognose liegt erheblich unter dem Vorjahreswert. Die Aktie verlor nachbörslich 2,5%. Investoren zweifeln nun daran, dass Apple sein Tempo in Sachen Innovation halten kann. Wir halten Sie auf dem Laufenden.




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