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Ausgabe vom 21. Oktober 2015


  • Die Landschaft des klassischen Autobaus wird sich verändern - Nicht zuletzt „dank“ VW 

  • Zitat der Woche
     

 

Die Landschaft des klassischen Autobaus wird sich verändern -
Nicht zuletzt „dank“ VW  



von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Toyota ruft Millionen Fahrzeuge zurück“, diese Meldung lief heute Früh über die Ticker der Online-Wirtschaftsmagazine. Sofort wurden Erinnerungen an den „ungebremsten Fahrspaß“ wach. Eine Rekordstrafe von 16,4 Mio. Dollar hatte der von Rückrufaktionen erschütterte japanische Autobauer Toyota 2010 gezahlt, um in den USA das Verfahren gegen sich zu beenden und so auch ein formales Schuldeingeständnis zu vermeiden. Defekte Bremsen an Modellen des derzeit größten Autobauers der Welt hatten damals für einen Riesenskandal gesorgt und bedauerlicherweise einige Menschenleben gekostet.

Toyota und Tesla werden in die Mangel genommen

Nun geht es zwar „nur“ um möglicherweise defekte Fensterheber, wodurch eventuelle die Gefahr von Überhitzung und Rauchentwicklung bestünde, wie der Konzern heute mitteilte. Vorsorgehalber werden weltweit 6,5 Mio. Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen. Man will einen neuerlichen Skandal vermeiden. In den vergangenen Monaten hatte Toyota wegen defekter Airbags bereits 10 Mio. Autos zurückrufen müssen.

Die Aktien des Elektroautobauers Tesla Motors sind nach kritischen Testergebnissen des US-Verbrauchermagazins Consumer Reports stark unter Druck geraten. Der Kurs fiel gestern zeitweise um über 10%, nachdem das Fachblatt eine Empfehlung für Teslas Model S wegen schlechter Umfragewerte zurückgezogen hatte. Bislang hatte das für den kalifornischen Hersteller wichtigste Modell eine Spitzenbewertung im Ranking.


Autobauer geraten zunehmend unter Druck

Auch andere Autobauer waren von dem Problem defekter Airbags betroffen. Weltweit werden mehrere Todesfälle und mehr als 100 Verletzte mit defekten Airbags in Verbindung gebracht. Die Autobranche macht in letzter Zeit immer mehr durch Negativschlagzeilen von sich reden. Die Krone hat all dem zweifelsohne VW aufgesetzt.

Der VW-Abgasskandal, inzwischen als Diesel-Gate bekannt, hat, so möchte man meinen, den Weg für den Negativsog der gebeutelten Branche bereitet. Viele Experten sprechen hier von einem „Schwarzen Schwan“. Denn auch wenn die Problematik der manipulierten Abgaswerte schon längere Zeit bekannt war, entfaltete sie ihre zerstörerische Kraft quasi über Nacht.

So hat Diesel-Gate den gesamten Automobilsektor weltweit in Aufruhr versetzt. Ein Vorzeigekonzern des Gütesiegels „Made in Germany“ leistet sich das für viele Unvorstellbare! Deutsche Autounternehmen wurden in Sippenhaft genommen, deren Aktien auf breiter Front in den Keller geschickt. Und dennoch sind die „alten Börsenhasen“ davon überzeugt, dass der Autosektor auch weiterhin ein langfristiger Wachstumssektor bleibt.


Die Autobranche wird langfristig eine Wachstumsbranche bleiben…

Oder wer redet heute noch vom Zündschloss-Skandal der Opel-Mutter General Motors? Im Skandal um den verspäteten Rückruf von Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern hat der US-Autohersteller immerhin fast 100 Todesfälle eingeräumt! Nun hat man sich mit einer Strafzahlung von 900 Mio. Dollar freigekauft - Peanuts im Vergleich zu den Forderungen an Volkswagen.

Viele Jahre erlebte man an der Börse die Automobilaktien als zyklische Investments, die mal gute und mal schlechte Zeiten hatten. Doch die Globalisierung und das deutlich erhöhte Tempo in der Modellentwicklung haben in den letzten Jahren eher zu einer langfristig dynamischen Tendenz im Fahrzeugbereich geführt. Hier liegt das Augenmerk vor allem auf den Schwellenländern, auch wenn diese gerade mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.


… und mit neuen Technologien punkten

Auch wenn Chinas prognostiziertes Wirtschaftswachstum unter die 7-%-Marke gerutscht ist, sind das immer noch beachtliche Aussichten – von denen wir nur träumen können… So wird China auch weiterhin der starke Absatzmarkt für Autos sein. Denn das Reich der Mitte ist noch weit von einer Sättigung – übrigens nicht nur im Automobilsektor – entfernt. Bedenken Sie: Während hierzulande auf 100 Menschen etwa 50 Autos kommen, liegen die Chinesen noch unter 10 Autos pro 100 Personen! 

Ein ganz wichtiger Faktor, der uns in Zukunft beschäftigen wird, ist die technische Weiterentwicklung. Nicht zuletzt durch die politischen Zeichen, die weltweit deutlich für den Klimaschutz sprechen, steht eine Revolution für den Autobau ins Haus. Es wird wohl nichts so bleiben, wie es war. Der Übergang von klassischen Verbrennungsmotoren hin zu alternativen Antrieben ist nicht aufzuhalten.


Auch die Zulieferer werden von der Revolution im Autobau profitieren

Und das setzt wieder neue Fantasien frei. Nicht nur bei den Autoherstellern, sondern gerade auch im Bereich der Zulieferer. Das wird dann nicht nur die bekannten Größen wie Continental oder Grammer betreffen, sondern auch neue Chancen für die Elektronik-Konzerne eröffnen. Denn nach dem VW-Diesel-Skandal wird das Zukunftsthema Elektroauto noch dynamischer an Bedeutung gewinnen.

Ein heißer Kandidat ist hier zum Beispiel der deutsche Chiphersteller Infineon. Die Zukunft der Chipbranche liegt nämlich laut einer Studie des US-Marktforschungsinstituts Gartner vor allem im Bereich Autoelektronik. Nach Schätzungen von Gartner dürften hier in den kommenden Jahren im Schnitt Wachstumsraten von 6% erzielt werden. Denn in den Fahrzeugen der Zukunft wird immer mehr Elektronik verbaut.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Welche Auswirkungen der Umbruch auf die einzelnen Aktien der betroffenen Sektoren hat und wo sich jetzt ein Einstieg lohnen könnte, das erfahren Sie im
BÖRSEN-SPIEGEL. Dort erfolgte zum Beispiel gerade jüngst der Kauf von BMW ins konservative Musterdepot Wie der bayerische Autohersteller vergangene Woche mitteilte, bliebe er bei den Diesel-Verkäufen bislang von einem möglichen Abwärtssog durch den VW-Abgas-Skandal verschont.




Zitat der Woche


„Wenn es keinen Spaß macht, ist es kein Auto.“

Akio Toyoda (CEO von Toyota)




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