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Ausgabe vom 25. September 2015


  • Wem nützt der Abgas-Skandal um VW wirklich?   


 

Wem nützt der Abgas-Skandal um VW wirklich?  
   

von Cindy Ullmann

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

leider kann ich Ihnen das leidige VW-Thema auch heute nicht ersparen. Doch keine Angst, es geht nicht darum, wer Schuld an der ganzen Sache hat, welcher Topmanager bei VW noch seinen Platz räumen muss und ob Matthias Müller als Nachfolger von Winterkorn der Richtige ist.

Nein, heute will ich mit Ihnen mal hinter die Kulissen blicken. Denn, vergessen Sie bei dem ganzen Medienhype bitte nicht, die wahren Gründe zu hinterfragen. Mittlerweile kursieren im Hinblick auf VW schon einige Verschwörungstheorien, die es in sich haben. Was stimmen könnte und was nicht, lesen Sie gleich im Anschluss. Doch zunächst noch ein paar Fakten: 

Tatsache ist: VW hat die Abgaswerte manipuliert. Das ist nicht akzeptabel und gehört bestraft. Ganz ohne Frage. Hier die bisherige Schadensbilanz: Aktienkurs um 30% eingebrochen, 23 Mrd. Euro Marktkapitalisierung innerhalb von 3 Börsentagen vernichtet und drohende Strafen im zweistelligen Milliardenbereich weltweit. Das ist eine Dimension, die ein Unternehmen erst einmal verkraften muss. Und es ist wahrscheinlich noch nicht das Ende der Fahnenstange.


23 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung innerhalb von 3 Börsentagen vernichtet

Dabei geht hier nicht um kaputte Zündschlösser wie bei General Motors. Erinnern Sie sich, 124 Menschen mussten sterben, bis das Unternehmen nach zehn Jahren endlich eine Rückrufaktion startete. Es geht hier auch nicht um verklemmte Gaspedale wie bei Toyota. Erst  nach vierjährigen strafrechtlichen Ermittlungen gab das Unternehmen im vergangenen Jahr zu, dass sich die Gaspedale verklemmen können, rief 10 Mio. Fahrzeuge zurück und schloss einen Vergleich im Volumen von 1,2 Mrd. Dollar ab. Bei VW geht es „nur“ um geschönte Abgaswerte.

Tricksen gehört in der Automobilindustrie zum Handwerk

Ich höre Sie schon schreien: „Ja, aber das geht doch nicht!“ Ja, Sie haben vollkommen recht. Das geht nicht - und ist doch gang und gäbe. Auch bevor die VW-Bombe platzte, gab es reichlich Hinweise darauf, dass die Autohersteller nicht so eine weiße Weste haben.

Letztes Jahr erst zahlte der koreanische Autohersteller Hyundai 100 Mio. Dollar, verzichtete auf CO2-Zertifikate im Volumen von 200 Mio. Dollar und gab 50 Mio. Dollar für vorbeugende Maßnahmen aus, um Vorwürfe beizulegen, das Unternehmen habe die Angaben zu Treibstoffersparnis und Emissionen gegenüber der EPA (Environmental Protection Agency), der amerikanischen Umweltschutzbehörde geschönt.

Schon 2013 erschien ein Artikel von Steve Abrams für die Website Road and Track, in dem er erklärte, wie elektronische Steuerungssysteme so ausgerichtet werden können, das die EPA nichts merkt. Denn, machen wir uns nicht vor, Ingenieure wissen genau, wie ihre Fahrzeuge bewertet werden und wie man sie im Fall des Falles manipulieren kann.

Und auch der Abgas-Skandal rund um VW wurde vom ICCT (Organisation International Council on Clean Transportation) bereits im Mai 2014 aufgedeckt. Warum griff da niemand ein? Oder besser gesagt, warum wurde es erst jetzt bekannt?


Wer hat seine Finger im Spiel? Ferdinand Piëch?

Wie oben schon genannt, kursieren mittlerweile einige Verschwörungstheorien im Netz: Die erste betrifft den VW-Patriarchen Ferdinand Piëch. Ihm trauen viele zu, dass er nach seinem verlorenen Machtkampf gegen Martin Winterkorn vergangenen Sommer alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um Winterkorn endgültig vom Thron zu stoßen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass Piëch so kurzsichtig agiert. Warum sollte er sein Lebenswerk zerstören, nur um Winterkorn auszubooten? Das scheint mir nicht logisch.

Stecken andere Autofirmen dahinter?

VW ist ohne Frage einer der größten Autobauer. Weltweit fände die Konkurrenz Gefallen daran, wenn der Platzhirsch etwas im Nirwana verschwindet. Da aber die ganze Autoindustrie von dem Skandal mit hinabgerissen wird, kann ich auch das kaum glauben.

Greifen die USA die deutsche Autoindustrie an?

Bleiben zum Schluss noch die USA. Ja, Sie haben richtig gehört. Denn obwohl VW in den USA mit einem Marktanteil von gerade einmal 2% ein kleiner Fisch ist, besitzt das Unternehmen einen Vorteil, der sich in der Zukunft bezahlt machen könnte: Dieselfahrzeuge!

Und damit sind wir beim wirklich interessanten Thema. Denn da US-Präsident Barack Obama die CO2-Emissionen bei den Autos weiter senken will, ist VW mit seinen Dieselmotoren klar im Vorteil. Die amerikanischen Autohersteller hinken hier stark hinterher, da Dieselfahrzeuge in den USA lange Zeit als Dreckschleudern verschrien war. Diesel verband man in den USA mit Ruß, öligen Tanks und Gestank. Daher investierte kein US-Autobauer in diese ungeliebte Technik.

Doch genau in diese Marktlücke sprang VW. Immerhin gilt die deutsche Automobilindustrie in der Dieseltechnologie als führend. Mit „Clean-Diesel“ fuhr VW riesige Werbekampagnen und hatte zunehmend Erfolg. Mittlerweile beherrscht VW den US-Markt mit seinen Diesel-Modellen zu 96%.

Interessant finde ich, dass sich ausgerechnet die USA, das Land der großen SUVs und des Fracking, über deutsche Diesel-Autos beschwert, die die Luft verschmutzen.


Dieselgate - Befinden wir uns mitten im Wirtschaftskrieg?

Sie wissen, dass ich kein Freund von Verschwörungstheorien bin, aber die zuletzt genannte, erscheint mir am plausibelsten. Ist hier ein großer Angriff auf die deutsche Autoindustrie im Gange? In einigen Medien ist schon von „Dieselgate“ zu lesen. Wir befinden uns leider im Zeitalter der Wirtschaftskriege.

Interessanterweise schlagen die Franzosen, deren Automobilindustrie weit hinter der deutschen hinterherhinkt, ins gleiche Kontor. Schon wird der Qualitätsbegriff „Made in Germany“ in Frage gestellt. Doch die Franzosen selbst sind überzeugt, dass ihre Autoindustrie ebenfalls rumtrickst: Bei einer Online-Umfrage des Parisien antworteten 66,4% der Befragten auf die Frage, ob sie Vertrauen in die Autohersteller hätten, mit „Non“.


Ist VW ein Kauf?

Die wichtigste Frage zum Schluss: Ist VW ein Kauf? Mein Kollege Dieter Wendt, Chefredakteur vom 100%-DEPOT, hat diese Frage in seiner aktuellen Ausgabe natürlich ausführlich für Sie analysiert. Bestellen Sie das 100%-DEPOT  jetzt für 3 Monate zum günstigen Kennenlernpreis von 79 Euro (anstatt 199 Euro).

Seien Sie wachsam und bilden Sie sich ihre eigene Meinung.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzliche Grüße

Ihre

Cindy Ullmann

PS: Einer freut sich über den Abgas-Skandal rund um VW besonders: Elon Musk, Chef des kalifornischen Elektroauto-Herstellers Tesla Motors. Er nutzt seinen Besuch in Deutschland, um Werbung für umweltfreundliche Elektroautos zu machen. Deutschland habe „wunderbare Hersteller und hervorragende Ingenieure“, die nun im Bereich der Elektroautos den Sprung wagen müssten. Wir werden sehen, wer das Rennen macht.



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