Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 02. September 2015



  • Schluss mit den alten Zöpfen -
    Neue Chancen für den Arbeitsmarkt erkennen und nutzen


  • Zitat der Woche



 


Schluss mit den alten Zöpfen -
Neue Chancen für den Arbeitsmarkt erkennen und nutzen
 

   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Baby-Alarm bei Yahoo“, mit dieser positiven Nachricht haben heute viele Wirtschaftsmedien den Tag begonnen. Die anhaltende Talfahrt der chinesischen Börse und die damit verbundene Nervosität der Anleger weltweit wollte man so einmal kurz in den Hintergrund stellen.

Da schließe ich mich doch gerne an. Also, Yahoo-Chefin Marissa Mayer bekommt Zwillinge und das Silicon Valley ist aus dem Häuschen. Doch beginnt mit der Schwangerschaftsnachricht für Millionen Frauen in den USA oft der soziale Abstieg, denn Mutterschutz ist dort ein Fremdwort.


Größte Volkswirtschaft der Welt beim Mutterschutz auf niedrigstem Level

Laut Vereinten Nationen sind die USA und Papua Neuguina die einzigen Staaten der Welt, die Müttern keinen einzigen Tag bezahlten Mutterschaftsurlaub garantieren! Das muss man sich mal klar machen: Die größte Volkswirtschaft der Welt steht hier auf einem Level mit einem Inselstaat, wo der Großteil der Bevölkerung noch traditionell in Stammesverbänden im unwegsamen Bergland lebt.

Gut, dass sich wenigsten Marissa Mayer ungetrübt freuen kann, denn auf ihrer Etage dürfte es zumindest keine finanziellen Sorgen geben. Es sei ihr von Herzen gegönnt und wir freuen uns für sie.


Deutsche Familienpolitik hat aufgeholt

Das ganze Aufsehen hat mich aber dazu veranlasst, einmal inne zu halten und zu schauen, wie es im eigenen Land um den Nachwuchs und die Karriereaussichten junger Mütter bestellt ist. Sicher ist, dass im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten in punkto Familienpolitik einiges aufgeholt wurde. Es gibt das Elterngeld, es gibt Betreuungsangebote und – es gibt auch wieder mehr Kinder!

Dieses Jahr ist die Geburtenrate so hoch wie lange nicht. Das ist erfreulich. Und dennoch kann laut jüngsten Studien der Bevölkerungsrückgang hierzulande nicht gänzlich aus den eigenen Reihen aufgefangen werden. Jetzt schon zeigt sich, dass überall Fachkräfte fehlen. Gestern hat das neue Lehrjahr begonnen. Und die Betriebe aus Handwerk, Gastronomie, Einzelhandel etc. beklagen tausende unbesetzte Lehrstellen.


Unternehmen sind der Politik wieder einmal voraus

Genau dazu passt kurioserweise die augenblickliche Flüchtlingsdebatte hervorragend. Schon mehrfach habe ich an dieser Stelle dafür plädiert, in dem derzeitigen Flüchtlingsansturm auch die positiven Seiten zu sehen. Denn hier wandern arbeitswillige und –fähige Menschen zu uns ein, die uns dabei unterstützen können, unsere Wirtschaft auch im demografischen Wandel am Laufen zu halten.

Viele Unternehmen suchen händeringend Mitarbeiter. Derzeit sind in Deutschland rund 1 Mio. Stellen zu besetzen. So wollten beispielsweise in Rheinland-Pfalz Hoteliers 300 Flüchtlinge ausbilden. Bisher ist es gerade einmal gelungen, rund 50 junge Asylsuchende unterzubringen. Denn die bürokratischen Hürden sind hoch: Es gibt keine Sprachkurse für Flüchtlinge und sie müssen Monate auf die Entscheidung warten, ob sie bleiben dürfen.


Betriebe gehen voran: Erfassung der Kompetenzen von Asylbewerbern dringend erforderlich

Die größte Schwierigkeit sei zunächst gewesen, an die Flüchtlinge ranzukommen, dann den Sprachkurs zu organisieren, zu finanzieren und die behördlichen Auflagen zu erfüllen, berichtet Gereon Haumann, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz. Er hat, wie viele seiner Unternehmer-Kollegen, die Initiative selbst ergriffen.

In einem Modellversuch werden nun erstmals auch die Fähigkeiten von Asylbewerbern erfasst, denn viele Berufe sind auch hierzulande gesucht.


Es geht nicht ohne einen Sinneswandel in den Köpfen aller

Ich denke, das ist ein Schritt in die richtige Richtung und die Politik wird – wie gewöhnlich – in langsamen Schritten hinterher ziehen müssen. Ein Umdenken muss in allen Köpfen stattfinden. Hier kommen keine Feinde ins Land, sondern Menschen, die uns unterstützen können.

Um unseren Arbeitsmarkt in Schwung zu halten, sind aber generell einige alte Zöpfe abzuschneiden. Ich behaupte, es kann nur gelingen, möglichst viele gut ausgebildete junge Menschen hier dauerhaft zu halten, wenn auf den Chefetagen umgedacht wird. So müssen unbedingt flexiblere Arbeitszeit- und Präsenzmodelle her, damit gerade junge Eltern den Unternehmen nicht verloren gehen.




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Präsenzkultur überdenken – Die große Falle der Anwesenheitspflicht

Als ich vor rund 20 Jahren wegen der Geburt meiner Kinder auf das Home Office umgestiegen bin, war das damals gerade im Kommen. Meine Erfahrungen waren gut und ich persönlich habe die reinen Arbeitszeiten dann auch effektiv genutzt.

Nur hat sich leider in den Köpfen vieler Chefs die so genannte Präsenzkultur breit gemacht. Studien zeigen: Flexible Arbeitszeiten und Home Office können der Karriere schaden. Ausgerechnet die werdende Mutter Marissa Mayer machte sich bei vielen Mitarbeitern unbeliebt, als sie vor drei Jahren den Chefposten bei Yahoo übernahm: Weil sie angeblich verwaiste Parkplätze und staubige Schreibtische vorfand und die Arbeitsergebnisse weniger zufriedenstellend waren, schaffte sie das Home Office ab.

Die hitzige Diskussion zeigte schon damals den Kern des Konflikts: Es ist die Angst. Denn wer den Angestellten Freiraum lässt, gibt zwangsläufig Kontrolle ab. Die einen Chefs fürchten insgeheim, dass die Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten ausnutzen. Die anderen unterstellen, dass freiheitsliebende Kollegen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten weniger leisten als jene, die jeden Tag von acht Uhr morgens bis fünf Uhr abends am Schreibtisch sitzen.


Nur wer Klischees überwindet, kann neue Perspektiven schaffen

Aber diese verbreiteten Klischees sind unberechtigt. Denn die Vorzüge des Home Office sind wissenschaftlich belegt, wie z.B. von Ökonomieprofessor Nicholas Bloom von der Universität Stanford.

Wir lernen: Noch viele Klischees müssen über Bord geworfen werden, damit unsere heimische Wirtschaft in Schwung bleibt. Alte Gedankenmuster dürfen uns jetzt nicht bremsen. Das wäre fatal - für Arbeitnehmer, Unternehmer, Anleger und Verbraucher gleichermaßen. Ideen und Potenzial sind da, hoffen wir, dass sie nun auch genutzt werden.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Wie immer interessiert mich Ihre Meinung zum Thema unter
Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.






Zitat der Woche

„Nur gute Arbeitsmarktpolitik ist auch gute Sozialpolitik.“

Mit diesem berühmten Zitat brachte es der „Vater der deutschen Marktwirtschaft“, Ludwig Erhard (Bundeswirtschaftsminister 1949 – 1963, Bundeskanzler 1963 - 1966), auf den Punkt.







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