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Ausgabe vom 20. August 2015



  • Pressespiegel: Globale Auswirkungen der Yuan-Abwertung



 


Pressespiegel: Globale Auswirkungen der Yuan-Abwertung 



   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

zu der Erkenntnis, dass China weit entfernt ist von einer freien Marktwirtschaft, muss man zwangsläuftig gelangen, wenn man die Ereignisse der letzten Wochen im Reich der Mitte beobachtet hat. Wir erinnern uns: Der Shanghai Composite hat sich in den letzten sechs Monaten mehr als verdoppelt. Wie bei uns zur Jahrtausendwende gab es eine wahre Milchmädchen-Hausse, in der nahezu alle auch noch so finanzschwachen „Anleger“ ihre große Stunde am Aktienmarkt sahen. Neuemissionen waren vielfach überzeichnet, und das trotz teilweise unseriöser und wenig nachvollziehbarer Geschäftsmodelle.

Chinesischer Staatsapparat unterstützt künstlichen Aktien-Boom

Dass so etwas selten gut gehen kann, wissen wir. So war das Platzen der Blase auch in China nur eine Frage der Zeit. Nun ist es geschehen: Innerhalb weniger Wochen verlor der Index 30% an Wert, was an sich noch nichts Dramatisches darstellt. Lediglich die überhasteten staatlichen Interventionen sorgen für Schockwellen, denn solche Eingriffe haben mit freien Märkten nichts mehr zu tun.

China und USA – Zwei Wirtschafts-Giganten mit völlig unterschiedlichen Ansätzen

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass sich durch ein solches Eingreifen des Staates in den Markt ein Crash höchstens verschieben, aber nicht verhindern lässt. Wie die Börsen- und Finanzexperten die Situation und ihre Auswirkung für die Weltmärkte genau sehen, dazu habe ich Ihnen heute einen Pressespiegel aus renommierten Börsenbriefen zusammengestellt, der die Sachlage vor allem auch mit Chinas „Gegenspieler“, den USA, in Kontext setzt.

Dabei kommen die Experten zu interessanten Ergebnissen, immerhin handelt es sich um die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Lesen Sie hier, welche globalen Auswirkungen die Yuan-Abwertung wirklich hat.


Das meinen die Experten:

Der Parseval
Vom 14. August 2015

US-Markt ist der Fels in der Brandung

„Bereits zu Wochenbeginn gerieten die wichtigen Aktienmärkte vor allem in Europa spürbar unter Druck. Auslöser des Rückgangs war eine Neubewertung des chinesischen Yuan Renminbi gegenüber dem US-Dollar. Mittlerweile hat die chinesische Währung über 3% gegen den US-Dollar abgewertet. Indirekt wirkte die Maßnahme der chinesischen Notenbank auch auf den Euro, der ebenfalls zur Stärke tendierte. In der Folge verloren besonders exportorientierte Unternehmen – wie etwa die deutschen Autobauer – mit hohem Marktanteil im Reich der Mitte. Durch die Abwertung des Yuan verringern sich automatisch die Gewinnmargen der westlichen Exportunternehmen im China-Geschäft. Per saldo verlor der DAX knapp 4 %, während sich der EuroStoxx 50 um über 3% ermäßigte. Die US-Volkswirtschaft wird eher von der Binnennachfrage getrieben. Hier kann also die Yuan-Abwertung durchaus produktiv wirken, da sie die Preise für Importe aus China für den US-Markt dämpft. Im günstigsten Fall kann die Neubewertung des Yuan sogar zu einer Verschiebung der bevorstehenden Leitzinserhöhung in den USA führen.“

Focus Money
Vom 19. August 2015

Zweifel an chinesischen Statistiken

„Li Keqiang ist der chinesische Premierminister. Er traut seinen eigenen Landsleuten nicht. Am Mittwoch, dem 15. Juli, veröffentlichte die chinesische Statistikbehörde, das National Bureau of Statistics of China, die Angaben zum Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. 7% Wachstum! Wow! Genauso viel wie im ersten Quartal! Und exakt so viel wie die parteioberen als Wachstumsziel ausgerufen hatten! Von so viel Treffgenauigkeit können wir Deutschen nur träumen. Doch warum stürzt dann die Börse ab? Scheint doch alles in Butter zu sein im Reisland China. Niemand glaubt mehr an die offiziellen Statistikzahlen aus China! Wahrscheinlich ist, dass die lokalen Kommunisten-Kader einfach die Zahlen nach Peking melden, die die Oberen hören wollen – mit fatalen Folgen. Selbst Li Keqiang, damals noch nicht in Amt und Würden, vertraute bereits 2007 amerikanischen Diplomaten an, er habe sich seinen eigenen Index für die Beurteilung der Wirschaftslage gebaut. Er blicke lieber auf den Energieverbrauch, die Kreditvergaben und die Eisenbahnfrachttonnen. Die wirtschaftliche Dynamik ist weit schwächer als von offizieller Stelle gemeldet. Statt wie die Wirtschaftleistung um 7% stieg der Stromverbrauch nur um gut 1%. Die Börse hasst nichts so sehr wie Unsicherheit! Und die Unsicherheit über Chinas Wirtschaft wird uns – das wage ich zu prognostizieren – auch in den kommenden Monaten weiter beschäftigen. Die Exporte nach China sind für viele deutsche Unternehmen von weit größerer Bedeutung als die Ausfuhren in die USA. Welche Auswirkung nun noch die Abwertung der chinesischen Währung im Detail hat, ist schwer einzuschätzen. Besser wird es kaum werden.“

Platow Emerging Markets
Vom 13. August 2015

QE auf Chinesisch – Yuan als Leitwährung neben Dollar?

„Eine Art QE auf Chinesisch – nichts anderes verbirgt sich hinter der schrittweisen Abwertung des Yuan, mit der Peking die Welt und die Märkte derzeit so schockt. Seit langem ist Chinas Währung fest an den Dollar gekoppelt. Als die Fed Ende 2013 mit dem Tapering, dem langsamen Zurückfahren der Anleihen-Käufe begann, um eine Wende bei den ultraniedrigen Zinsen vorzubereiten, führte dies zu enormen Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern und einer massiven Abwertung deren Währungen gegenüber dem Dollar. Brasiliens Real etwa büßte besonders stark ein. Allein China, in der üblichen Definition trotz seiner Erfolge immer noch ein Schwellenland, konnte und wollte es sich leisten, die eigene Währung gegenüber dem Dollar zu verteidigen. Je näher eine US -Zinserhöhung rückt und je mehr die heimische Wirtschaft zu schwächeln begann, desto unwilliger wurde Peking, den Yuan-Kurs zum US-Dollar unverändert zu belassen. Brachten die USA ihre Wirtschaft mit Anleihekäufen und niedrigen Zinsen auf Trab, versucht es Peking jetzt mit Abwertung. Die Volksrepublik holt mit der schrittweisen Yuan-Schwächung nur das nach, was Japan, der Erzrivale im Osten, und Europa mit ihren QE-Programmen schon länger praktizieren. Peking tritt damit in den internationalen Abwertungswettlauf ein. Den Konkurrenten auf den Weltmärkten, neben den USA und Japan auch Europa, schmeckt das Manöver der Chinesen wenig. Ihre Produkte, die sie in China weiterhin reichlich absetzen wollen, werden für die chinesischen Käufer teurer, worunter die deutschen Autobauer besonders leiden. Die heftigen Reaktionen an den Märkten sind verständlich, aber übertrieben. China schwächelt zwar, aber die Wirtschaft in den USA brummt und auch Europa fast Tritt. Zudem versucht Peking, den Abwertungsschock zu mildern. Sicher nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern um dem IWF zu gefallen. Peking gibt den Yuan etwas den Marktkräften frei, auch, um schneller in den Währungskorb zu gelangen und den Yuan als weitere Leitwährung neben dem Dollar zu etablieren.“

Mit diesen Eindrücken zur globalen Auswirkung der chinesischen Notenbankpolitik wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Auch in Europa tut sich was: Griechenland hat die ersten 13 Mrd. Euro aus dem neuen Hilfsprogramm der Euro-Partner erhalten. Nach der ersten Sofortzahlung aus dem neuen Hilfspaket hat Griechenland fällige Schulden bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beglichen. Athen habe der EZB 3,4 Mrd. Euro zurückgezahlt, verlautete aus Regierungskreisen in Athen. Die Rückzahlung von 3,2 Mrd. Euro Schulden und 200 Mio. Euro Zinsen wurde damit fristgerecht geleistet.




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