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Ausgabe vom 06. August 2015



  • Pressespiegel: Athen im freien Fall? 



 


Pressespiegel: Athen im freien Fall?
 



   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Wird Athens Börse die große Comeback-Geschichte 2015?“, so titelte meine Kollege Cliff Michel in seiner gestrigen Ausgabe des Smart Money Investor. Fast in Vergessenheit waren sie geraten, die Hellenen, nachdem die Verhandlungen zum dritten Hilfspaket ernsthaft aufgenommen wurden und die vermeintliche Rettung des maroden griechischen Wirtschafts- und Finanzwesens versprachen.

Griechische Börsen öffnen mit gewaltigem Kurssturz

Erst mit der katastrophalen Börsenöffnung am Montag, nach der fünfwöchigen Zwangspause auf dem Athener Parkett, kam Griechenland wieder richtig auf den Schirm. Natürlich war es gekommen wie erwartet: Von Rückkehr zur Normalität keine Spur. Es gab den größten Kurssturz in der hellenischen Geschichte.

Dramatisch war insbesondere die Situation der Indizes mit Bankaktien, einige davon wurden sogar vom Handel ausgesetzt. Aktuell erwarten viele Analysten, dass die Athener Börse wegen der horrenden Abschläge zu den großen Favoriten des zweiten Börsenhalbjahres gehören wird.


Wirtschaftliche Situation der Hellenen weiterhin kritisch

Ich persönlich sehe das, genau wie mein Kollege Cliff Michel, etwas kritischer. Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass jüngsten Medienberichten zufolge die Stimmung in den griechischen Industrieunternehmen sich derzeit auf dem absoluten Tiefpunkt befindet. Damit Sie sich Ihre eigene Meinung bilden können, habe ich Ihnen hier interessante Expertenansichten aus einschlägigen Finanz- und Börsenmagazinen zusammengestellt.

Das meinen die Experten:

Platow-Börse
Vom 05. August 2015

Griechenland noch keineswegs über dem Berg

„Nach fünfwöchiger Zwangspause hat die Athener Börse am Montag ihre Pforten wieder geöffnet. Die Rückkehr zur Börsennormalität begann mit dem größten Kurssturz in der hellenischen Geschichte. So verlor der 60 Aktien umfassende Athex Composite, der letztmals am 26. Juni berechnet worden war, allein am Montag 16%, um am Dienstag bis Redaktionsschluss weiter nachzugeben. Noch übler erwischte es Indizes mit Bankaktien, beispielsweise brach der FTSE/Athex Sup/Banks von Montagmorgen bis Dienstagnachmittag um satte 51% ein. Die Kurse von Alpha Bank und Piraeus Bank haben sich gegenüber dem letzten Stand vor der Zwangspause halbiert. Selbst die National Bank of Greece ist nach 51% Kursverlust inzwischen ein Pennystock. Das Papier von Eurobank Ergasias wird derzeit zu 0,07 Euro gehandelt, sein Pendant von Attica Bank unter 0,04 Euro! Börsianer sehen offenbar schon den Pleitegeier kreisen. Dass Banktitel besonders betroffen sind, verwundert nicht: Viele Griechen räumten aus Furcht vor dem Grexit ihre Konten leer, die Institute mussten mit Nothilfen der Notenbank über Wasser gehalten werden. Inzwischen sind die Geldhäuser zwar wieder geöffnet, die berüchtigten Obergrenzen für Abhebungen und Kapitalverkehrskontrollen gelten aber weiter. Die Banken und die griechische Wirtschaft sind also noch lange nicht über den Berg. Viele Aktienkurse müssen nach der langen Zwangspause erst wieder ein Gleichgewicht finden, was durch Handelsaussetzungen und das allgemeine Leerverkaufsverbot erschwert wird. Nach diesem Anpassungsprozess wird auch der griechische Aktienmarkt wieder selektiv Chancen bieten. Momentan überwiegen unseres Erachtens allerdings klar die Risiken.“

Anleihen Compass
Vom 04. August 2015

Gigantischer Rettungsschirm und Luftschlösser in Athen

„In Anbetracht des dritten Rettungspakets sieht es ganz nach einer neuen Runde von Asset Quality Reviews und Stresstests aus. Der Rettungsschirm für das griechische Bankensystem dürfte wegen der fortschreitenden Rezession im Land mindestens 15 Mrd. Euro groß werden, die Einbeziehung der unbesicherten Anleihen und Nachrangpapiere in eine Rekapitalisierung der Institute scheint daher unvermeidlich. Nach bereits bekanntem Strickmuster würden dann notleidende Kredite der Banken in eine noch zu gründende Abwicklungsgesellschaft (sog. Bad Bank) ausgegliedert werden. Da die Banken das Eigenkapital für eine solche Gesellschaft nicht stemmen könnten, dürfte am Ende der ESM einspringen. JP Morgan schätzt die Unterdeckungen in den Bankbilanzen auf 2,5 Mrd. Euro bei der Alphabank und 3 Mrd. Euro bei der National Bank of Greece. Bei der Eurobank und der Piräus Bank wären es je 4,5 Mrd. Euro. Auf jeden Fall würde der ESM mit von der Partie sein müssen. Unter der Voraussetzung, dass die aktuellen Verhandlungen Griechenlands mit den EU-Institutionen und dem IWF nicht platzen, dürfte die Musik in den Kursen für die Bankenpapiere begrenzt bleiben. Träume von einer Rückzahlung zu 100% halten wir aus heutiger Sicht für Luftschlösser.“

WirtschaftsWoche
Vom 05. August 2015

Privatisierungen bringen weniger Geld als erhofft

„Die Troika ist sich einig. Der griechische Privatisierungsfonds wird viel weniger als die erhofften 50 Mrd. Euro umfassen. ,Die Größenordnung ist unrealistisch‘, sagt ein EU-Diplomat. Schon auf dem EU-Gipfel hätten Internationaler Währungsfonds (IWF), Kommission und Europäische Zentralbank hinter verschlossenen Türen einmütig darauf hingewiesen, dass 3 bis 5 Mrd. Euro in den kommenden drei Jahren realistisch wären. Der Fonds war eine Kernforderung der Bundesregierung, die damit den Widerstand in der Union gegen neue Hilfen brechen wollte. Besonders pessimistisch ist der IWF: Er rechnet nur mit 1,5 Mrd. Euro, wie aus Verhandlungsunterlagen hervorgeht, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Er kritisiert, dass die Europäer mit unrealistischen Zahlen hantierten. Fällt der Erlös geringer aus als erwartet, müssten die Kreditgeber Geld nachschießen.“


Zu viel Optimismus leider fehl am Platz

Ich denke, die drei Artikel zeigen recht deutlich, dass in Sachen Griechenland leider noch nicht allzu viel Optimismus angesagt ist, auch wenn einige spekulativer orientierte Beobachter das gerne so sehen würden. Außerdem ist zu befürchten, dass die wirklichen Kollateralschäden für die griechische Wirtschaft nach der langen Schließung der Banken erst im dritten Quartal richtig sichtbar werden.

Mit diesen Eindrücken und der Zusage, Sie auf dem Laufenden zu halten, wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Griechenlands Premier Alexis Tsipras sieht die Verhandlungen mit den Gläubigern für das dritte Hilfspaket auf der Zielgeraden. In Kürze rechnet er nach eigenen Angaben mit einer Einigung. In Berlin jedoch wurden erneut Zweifel laut.





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