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Ausgabe vom 07. Juli 2015


  • Griechenland ist abgehakt – Schauen Sie auf China   




Griechenland ist abgehakt – Schauen Sie auf China   


von Cliff Michel
Chefredakteur Smart Money Investor
                                                                     
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als Chefredakteur und Finanzanalyst fällt es mir manchmal schwer, gegen die Massenmedien anzuschreiben. Haben Sie heute schon mal einen Blick auf Google News geworfen? Alles ist voll von Griechenland-Meldungen. Und es scheint so, dass meinen Journalisten-Kollegen selbst das winzigste Detail im Fall Griechenland nicht zu klein wäre, um darüber zu berichten.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Natürlich finde auch ich, dass die Entwicklungen, die sich gerade in Griechenland abspielen, eine menschliche Katastrophe sind. Wieder einmal sind es die ärmeren Leute, aber auch die breite Mittelschicht, die unter den Fehlentwicklungen der letzten Jahre leiden müssen.


Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung

Doch diese Entwicklung in Zusammenhang mit einem anstehenden Börsenbeben zu bringen und täglich zu melden, dass es jetzt zum DAX-Absturz kommen wird, geht mir etwas zu weit.

Dazu gibt es leider viel zu viele andere Baustellen, die einen wesentlich größeren Einfluss auf die Aktienmärkte haben. Doch jetzt ist anscheinend die Zeit, in der sich Griechenland prima verkauft. Ja, auch Medienhäuser leben von der einen Schlagzeile.


China legt Crash hin und niemanden interessiert es

Denn still und heimlich, ungeachtet wegen des Presserummels um das Griechenland-Dilemma, hat der chinesische Aktienmarkt einen veritablen Crash hingelegt. Ach, das haben Sie gar nicht gemerkt? Umso schlimmer.

Ich habe meine Leser schon häufiger in meiner Börsenpublikation Smart Money Investor davor gewarnt. Nun scheint die Blase geplatzt zu sein und die Kurse fallen ins Bodenlose. Aber es interessiert anscheinend niemanden.


30% Minus seit Mitte Juni und es hört nicht auf

30% Minus seit Mitte Juni ist die stolze Zahl, die die wichtigsten chinesischen Indizes bereits jetzt an Verlusten aufweisen. Bis vor Kurzem schien im Reich der Mitte noch alles in Ordnung. Satte 100% Plus haben Anleger seit November bis Juni 2015 gemacht. Jetzt könnten Sie sagen: Na ja, 20% Verlust bei Gewinnen von 100%. Das ist doch noch nicht so dramatisch. Da bleibt doch noch etwas übrig. Leider sieht die Lage etwas anders aus:

Der „kleine Mann" ist die Stütze von Chinas Börsenwunder

Denn viele Chinesen, gerade mit geringem Einkommen, haben an den stetigen Anstieg der Aktienkurse geglaubt und alles investiert, was sie hatten. Und leider noch viel mehr. Denn Sie müssen wissen, dass das Glücksspiel sozusagen Nationalsport in China ist. Wetten sind weit verbreitet.

Offensichtlich lebten 90 Mio. Kleinanleger ihre Spielsucht aber nicht mehr in den Casinos auf der Insel Macau aus, die Umsatzeinbußen von 40% hinnehmen mussten, sondern kauften lieber Aktien. Angeblich soll es ja ganze Bauerndörfer geben, die für ihr Erspartes Aktien gekauft haben. Das ging bis Mitte Juni ja auch gut.

Denn obwohl die Aktienkurse in keinem Fall die negativen Entwicklungen der Realwirtschaft wie ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum widerspiegelten, stiegen diese immer rasanter. Zwar hatten Marktexperten schon früher von einer Spekulationsblase gesprochen. Aber, wie das an den Finanzmärkten nun einmal häufig so ist: Die Anleger tanzen, solange die Musik spielt.


China-Crash hat Parallelen zum Platzen der Dotcom-Blase

Wissen Sie, woran mich dies erinnert? An den Aktienboom der New Economy im Jahr 1999. Als wir damals schon davor warnten, dass Dotcom-Aktien total überwertet seien, kauften einige unserer Leser leider immer noch.

Ich weiß noch, wie ich mir von einigen Lesern anhören musste, dass ich ja keine Ahnung hätte und diese Aktien eine total sichere Bank wären und sie deshalb schon einen Kredit aufgenommen hätten. Damals kam auch das Wort „Hausfrauen-Hausse“ auf, was ja nichts anderes bedeutet, als das unwissende Hausfrauen anfangen, Aktien zu kaufen.

Recht hatten leider wir: Schon ein Jahr später kam es, wie es kommen musste, die Blase platzte und viele, die sich schon als Millionäre, wenn auch nur auf dem Papier, sahen, verloren buchstäblich alles und in besonders gierigen Fällen noch viel mehr.


Chinas geplatzte „Hausfrauen-Hausse“ kann das ganze Land und damit die ganze Welt in den Abgrund stürzen

Jetzt können Sie eins und eins zusammenrechnen. Wenn die Chinesen nicht mehr so viel Geld haben, wirkt sich dies unmittelbar auf die ohnehin schon angeschlagene Realwirtschaft aus. Immerhin sind die offiziellen chinesischen Wirtschaftsdaten so schlecht wie seit Langem nicht mehr. Um etwa 7% wird die Volkswirtschaft dieses Jahr nach offizieller Lesart wachsen. Das ist der niedrigste Wert seit sechs Jahren. Darüber hinaus schlägt sich das Land mit einer zu hohen Verschuldung herum, mit versteckten faulen Krediten sowie einem aufgeblähten Immobiliensektor.

Denn früher investierten viele Chinesen ihr Geld wenigstens in Immobilien. Doch auch dieser Markt ist zusammengebrochen. Ein Signal für die Chinesen, ab sofort nur noch in Aktien zu investieren.


Fallende Kurse haben noch ganz andere Auswirkungen:

Kleinere Unternehmen, ein Pfeiler der chinesischen Wirtschaft, die sich bisher über die Börse finanziert haben, wird nun der Geldhahn abgedreht. Kredite erhalten sie nicht, da sie in den Augen der Banken nicht kreditwürdig sind.

All diese Entwicklungen hemmen das Wachstum und bedrohen die wirtschaftliche Stabilität der chinesischen Volkswirtschaft.

Da China aber nicht allein auf der Welt existiert, sondern mittlerweile die zweitgrößte Wirtschaftsnation ist, können Sie sich jetzt ausmalen, was noch passieren könnte. Ja richtig, auch unsere deutschen Exportunternehmen werden darunter leiden, mit bedrohlichen Folgen für die Weltkonjunktur.


China kann den Kursverfall nicht aufhalten

Bislang ist es nicht gelungen, die Talfahrt der Kurse zu stoppen. Erst letztes Wochenende senkte die chinesische Notenbank die Leitzinsen zum vierten Mal seit Oktober und sagte alle neuen Börsengänge ab. Auch die Idee, die Ordergebühren um 30% zu senken, bzw. die Aktienkurse durch Kapital der großen Fondsgesellschaften und Versicherer zu stützen, brachte bisher nichts. Sie sehen selbst, die Gefahren, die zurzeit von China ausgehen, sind wesentlich größer, als die von Griechenland. Hierauf sollten Sie Ihr Augenmerk richten.

Morgen erscheint übrigens eine neue Ausgabe meines Smart Money Investor. Im Smart Money Investor zeige ich Ihnen, wie Sie durch geschicktes Stockpicking den Gefahren der Welt aus dem Weg gehen und sogar noch davon profitieren. Verpassen Sie sie nicht.
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Herzliche Grüße

Ihr
Cliff Michel

Chefredakteur Smart Money Investor

PS: Interessant finde ich bei dem ganzen Griechenland-Debakel übrigens die Rolle des IWF. Viele Länder, insbesondere China, würden einen Rückzug des IWF begrüßen. Das wird spannend.





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