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Ausgabe vom 24. Juni 2015



  • Kampf am Rande der Pleite - Wie sieht es an der griechischen Front aus?
     
  • Zitat der Woche
     



 


Kampf am Rande der Pleite - Wie sieht es an der griechischen Front aus?

 



   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich mein Kollege Dieter Wendt hat Ihnen ja gestern eindrücklich geschildert, wie er zur griechischen Zitterpartie steht. Inzwischen gibt es wohl kaum noch jemanden, der am Verbleib Griechenlands im Euro und in der Euro-Zone zweifelt. Der Weg dorthin scheint immer „geschmeidiger“ zu werden. Wenn man Alexis Tsipras auch nicht den roten Teppich ausrollt, so scheinen doch nach und nach einige Stolpersteine ausgeräumt zu werden – koste es, was es wolle.

Ob das gut ist, mag dahingestellt sein. Aber es bleibt wohl kaum eine andere Wahl, als sich doch noch – kurz vor Knapp - irgendwie zu einigen. So wie wir es hier in der Redaktion schon lange vorausgesagt haben. Aber dazu brauchte es wirklich keine Glaskugel. Die Fakten sprachen für sich.


DAX-Höhenflug richtungsweisend

Wie wir alle wissen, hat der DAX auf die sich herauskristallisierende Einigung im hellenischen Schuldenstreit mit einem Höhenflug reagiert. Dieser könnte – trotz der heutigen nervösen Stimmung - richtungsweisend sein.

Jedenfalls treffen sich heute die Euro-Finanzminister und Tsipras wird dabei sein. Was mich jetzt interessiert ist aber vielmehr die Stimmung an der Front – nämlich in dem betroffenen Land selbst.


Wie ist die Stimmung an der Front?

Politisch sieht es da gerade wenig harmonisch aus: Der kleinere, rechte Koalitionspartner der linksradikalen griechischen Regierungspartei Syriza besteht auf einer Lösung, die den Schuldenberg Griechenlands reduziert. „Voraussetzung für jegliche Vereinbarung ist, dass sie mit einer klaren Verpflichtung auf eine Schuldenerleichterung verbunden ist“, betonte die Abgeordnete Marina Chrissoveloni von den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen.

Aber wie sieht das Volk die Lage? Dass etliche Menschen durch die desaströse Misswirtschaft Athens über Jahrzehnte hinweg geradewegs in die Armutszone gerutscht sind, wissen wir. Wie die Menschen ihre wirtschaftliche und politische Lage jetzt beurteilen, das sollte doch zumindest kurz unser Gehör finden. Denn - bei aller Sorge um die Börsen und Märkte - können wir nicht ausblenden, dass das „einfache Volk“ nichts für die aktuelle Situation kann.


Stimmen aus dem Volk

Deshalb habe ich einfach einmal einige sehr persönliche Stellungnahmen, die das Handelsblatt in seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht hat, für Sie zusammengestellt:

Katerina Kakoliri (39), Angestellte in einem Café:
„Ich finde es gut, dass Tsipras seit Monaten hartnäckig verhandelt. Das zeigt, dass er das Beste für das Land will. Es muss wohl einige Änderungen in Griechenland geben. Aber die Geldgeber sollten andererseits auch mehr Flexibilität zeigen.“

Charilaos (50), Gärtner:
„Ich habe - wie viele andere auch - Alexis Tsipras gewählt, damit es in Griechenland einen Wandel gibt. Nach fünf Monaten Verhandlungen schlägt aber auch er jetzt den Weg der Vorgängerregierungen ein. Wir steuern wieder auf ein Memorandum zu. Damit bin ich nicht zufrieden. Griechenland sollte aus dem Euro ausscheiden, damit dies endlich ein Ende hat.“

Christos (66), arbeitslos:
„Seit fünf Monaten herrscht Stillstand. Ich weiß nicht, ob die Regierung die neuen milliardenschweren Sparvorschläge tatsächlich hierzulande durchsetzen kann. Es gibt bereits einigen Widerstand. Aber ich glaube, dass am Ende eine Art von Kompromiss mit den Gläubigern für alle Seiten am besten ist.“

Chrisoula Ypsilandi (56), Restaurantbesitzerin:
„Bei den Wahlen hat unsere jetzige Regierung viel versprochen, um zu gewinnen. Jetzt wird klar, dass sie dies nicht halten kann. Seit es Spekulationen gibt, dass die Banken schließen könnten, geht auch unser Geschäft schlechter, die Touristen werden abgeschreckt.“

Die Unzufriedenheit ist groß. Allerdings wirken die Menschen durch die Bank weg auch ein wenig ratlos. Wen wundert´s? Die Menschen wollen – verständlicherweise – endlich wissen, wie es weitergeht, auf was sie sich einstellen können.




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BNP Paribas präsentiert: „Rocco statt Harry“

Top Trader Rocco Gräfe ersetzte in der Sendung „Rendezvous mit Harry“ vom 22. Juni den in Urlaub weilenden Harry Weygand. Dabei ging es sehr lebendig zu. Kein Wunder, servierte doch die fulminante DAX-Vorgabe eine Steilvorlage und sorgte für viel Gesprächsstoff. Nach einer ausführlichen DAX-Besprechung ging es um die Aktie von Bayer, das Schwergewicht im DAX. Natürlich musste es nach Roccos vergangener Prognose zur Deutschen Telekom auch um die Entwicklung der T-Aktie gehen. Weitere Themen waren NASDAQ 100 und Gilead Siences sowie natürlich die Apple-Aktie.

Viel gesprochen wurde auch über die Volatilität. Deren Einfluss auf Derivate kann enorm sein.
Grégoire Toublanc erklärte den Zusammenhang. Die Sendung wurde wie immer moderiert von Volker Meinel. Nächster „Rendezvous mit Harry“-Termin: 29. Juni, wie gewohnt um 19 Uhr.





Griechen räumen ihre Konten leer

Derweil plündern die Griechen ihre Konten. Bereits seit vergangenen Dezember Neuwahlen angesetzt wurden, haben die Menschen aus Sorge um die Stabilität der Banken und aus Angst vor einem Grexit in großem Stil Bargeld abgehoben. Inzwischen haben die Einlagen bei den Banken der griechischen Notenbank zufolge ihr niedrigstes Niveau seit 2004 erreicht.

Finanziert wird der Aderlass immerhin durch Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB)! Seit Februar dieses Jahres hat die Zentralbank das Volumen dieser sogenannten ELA-Kredite um 23 Mrd. Euro auf insgesamt 83 Mrd. Euro erhöht. Analysten halten angesichts eines solchen Ansturms auf die Konten Kapitalverkehrskontrollen für immer wahrscheinlicher. Sinnvoll wären sie allemal, um die europäischen Steuerzahler zu schützen. Denn die stützen aktuell indirekt die griechischen Banken!


Europäische Steuerzahler stützen griechische Banken

So hakt eins ins andere. Jedenfalls wäre eine schnelle Lösung – welcher Art und mit welchen Kompromissen auch immer – wünschenswert, damit die Menschen hier und dort wenigstens wieder Perspektiven aufbauen können. Denn nichts ist schlimmer und lähmender als die quälende Ungewissheit.

In seiner Zeit als Studentenführer hat Alexis Tsipras gelernt, wie Fundamentalopposition funktioniert: Gebäude stürmen, Sitzstreik organisieren, Vertreter von Institutionen missachten… Hoffen wir nun, dass er bei den heutigen Gesprächen mit seinen Kollegen aus der EU den richtigen Ton trifft.


Dann werden sich wohl die Wogen wieder glätten. So ist auch damit zu rechnen, dass die Märkte nach der Beilegung des Griechenland-Streits wieder ganz normal zur Tagesordnung übergehen. Denn, wie heißt es so schön bei den Börsianern: „Politische Börsen haben kurze Beine.“

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Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Licht am Horizont des Streikhimmels? Jedenfalls gibt es gute Nachrichten für die Urlauber: Bei der Dt. Lufthansa gibt es noch Hoffnung, den für die kommende Woche angekündigten Streik der Flugbegleiter abzuwenden. Bei einem Sondierungsgespräch am heutigen Mittwoch habe man über mögliche Themen und Teilnehmer einer erneuten Verhandlungsrunde gesprochen, berichtete der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Man habe sich „ergebnisoffen“ getrennt und zunächst keinen Termin vereinbart.






Zitat der Woche

„Ein schlechtes Abkommen ist immer noch besser als überhaupt keines.“

Miranda Xafa, griechische Wirtschaftswissenschaftlerin, bringt die vorherrschende Stimmung auf den Punkt.





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