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Ausgabe vom 18. Juni 2015



  • Pressespiegel: Was, wenn der Grexit kommt? –
    Oder: Am Ende wird alles weichgespült… 




 


Pressespiegel: Was, wenn der Grexit kommt? –
Oder: Am Ende wird alles weichgespült…
 



   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Griechenland-Krise drückt DAX zum Handelsstart ins Minus“, die heutige Schlagzeile des Online-Magazins Focus hört sich schon so „vertraut“ an, dass man fast geneigt ist, sie zu überlesen. Nun ist „vertraut“ ja ein positiv besetztes Wort. In diesem Fall ziehen sich die Negativschlagzeilen um das Griechenland-Drama allerdings schon seit Wochen durch die Medienlandschaft. Aber Achtung: Sie sind für die meisten Leser offenbar doch noch nicht so gewohnt, dass sie einfach unberührt darüber hinweggehen.

Verunsicherung greift weiter um sich

Nein, Angst und Unsicherheit brechen sich rund um das Grexit-Szenario immer mehr Bahn. Die Anleger sind immer stärker der Verunsicherung ausgeliefert. Was wird werden? So sehr sich wohl die meisten Analysten und Börsenexperten eine harte Haltung der Euro-Geberländer wünschen, so sehr haben sie doch Zweifel daran, dass Merkel & Co. wirklich unnachgiebig bleiben und somit die Staatspleite Griechenlands auslösen werden.

Löst das Spiel mit dem Feuer einen Flächenbrand aus?

Mein Kollege Jürgen Schmitt, Chefredakteur des BÖRSEN-SPIEGEL, drückte in einem Gespräch so treffend aus, was viele Menschen denken: „Die Griechen spielen nicht nur mit dem Feuer, es hat fast schon den Anschein, als provozieren sie sogar den Grexit. Die amtierende Regierung ist nicht im Entferntesten bereit, auch nur kleinste Schritte auf die absolut richtigen und nachvollziehbaren Forderungen der Geberländer zuzugehen.“

Schließlich beendete EU-Kommissions-Chef Jean Claude Juncker irgendwann einfach die Gespräche ergebnislos, weil er am Ende seiner Geduld war, was durchaus nachvollziehbar ist. Und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hatte ebenfalls „die Faxen dicke“, wie er es so menschlich u. a. bei Günther Jauch formulierte. Was soll man auch tun mit einem Verhandlungspartner, der keinerlei Einsichten zeigt?


Das meinen die Experten:

Es gibt brennende Fragen. Lesen Sie hier, was die Experten aus renommierten Finanz- und Börsenpublikationen zum Grexit-Szenario zu sagen haben.

Fuchs-Briefe
Vom 15. Juni 2015

Kompromisslinie zeichnet sich ab

„Der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigt die Kompromisslinie für die Gespräche zwischen Griechenland und seinen Gläubigern auf. In einem auf der IWF-Homepage veröffentlichten Blog-Beitrag schreibt Olivier Blanchard: ,(…) Die europäischen Gläubiger (…) müssten einem Schuldenerlass zustimmen, der ausreichend ist, um die Schuldentragfähigkeit [Griechenlands] zu erhalten.‘ Ein solcher Schuldenerlass könne erreicht werden, indem die Rückzahlungsfristen verlängert und die Zinszahlungen reduziert würden, so Blanchard. Eine weitere Absenkung des angestrebten Primärüberschusses würde zudem einen direkten Schuldenschnitt erfordern. Im Gegenzug definiert der IWF-Chefökonom die Bedingungen, die Griechenland für eine Einigung erfüllen müsste. Die Staatsausgaben für Renten müssten um 1% des griechischen Bruttoinlandprodukts gesenkt werden – eine Forderung, die Ministerpräsident Alexis Tsipras bisher als ,absurd‘ zurückgewiesen hat. Ein solcher Kompromiss ließe sich wohl für alle Parteien halbwegs gesichtswahrend verkaufen.  Bei den umstrittenen Punkten Renten und Mehrwertsteuer könnte man sich auf die grundsätzliche Reform einigen.  Ob sich alle Seiten auf die aufgezeigte Kompromisslinie einigen können, steht weiter in den Sternen. Wir bleiben jedenfalls bei unserer Meinung, dass es am Ende zu einer Einigung und nicht zu einem Grexit kommen wird.“

WirtschaftsWoche
Vom 15. Juni 2015

Finales Stadium eines respektlosen Katz- und Maus-Spiels

„Entweder die EU-Staaten schieben immer mehr Hilfsmittel nach Griechenland; damit bessern sie schlicht immer nur wieder neue Macken im europäischen Integrationsfirnis aus, unter dem eine Staatspleite Griechenlands längst unübersehbar durchscheint. Oder sie lassen Griechenland pleitegehen. In diesem nervtötenden Spiel haben wir nun das finale Stadium erreicht.  Nach fünf Jahren Verhandlung sind wir also jetzt an dem Punkt angekommen, an dem es wirklich schlimm ist - für beide Seiten. In einem beispiellosen Gezerre schieben IWP, EU-Kommission und EU-Mitgliedstaaten mit immer neuen Zeitschienen, Drohungen und Beschwichtigungen, je nach Stimmungslage, die Entscheidung vor sich her. Griechenland wird teuer, ob innerhalb oder außerhalb der Währungsunion. Niemand in der EU wird zusehen wollen, wie das Land, das zur EU gehört, zum Armenhaus Europas wird. Wir werden zahlen müssen, so oder so. Die griechische Regierung will nicht reformieren. Sie geht den Kampf gegen Steuerflucht und Korruption sowie die Reform der Sozialsysteme schlicht nicht an. Stattdessen produziert sie immer neue Listen und spielt mit der EU ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Maus die Katze jagt. Das kann sie tun, aber bitte außerhalb des Regelwerks der Währungsunion, das schon großen Schaden genommen hat. Die EU wird nicht implodieren, wenn die Griechen aus der Währungsunion ausscheiden. Aber einen Rest an Respekt vor den ökonomischen und politischen Spielregeln der Europäischen Union, den könnte man noch bewahren.“

BÖRSE ONLINE
Vom 18. Juni 2015

Sonderfall auf Messers Schneide

„Das bereits zweimal verlängerte Hilfspaket für Griechenland läuft Ende Juni aus. Dann droht dem Land die Staatspleite. Zurzeit drehen sich die Verhandlungen um die letzte Tranche des noch laufenden Programms in Höhe von 7,2 Mrd. Euro. Athen benötigt das Geld, um Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzuzahlen. Am Donnerstag, dem Erscheinungstag dieser BÖRSE ONLINE, suchen die Euro-Finanzminister erneut nach einem Kompromiss. Die letzte Chance für Verhandlungen dürfte dann ein EU-Gipfel am letzten Juni-Wochenende (27./28.) sein. Es sei ,nicht unwahrscheinlich, dass ein Kompromiss erst in allerletzter Sekunde gefunden wird‘, erklärte M. M. Warburg-Chefvolkswirt Carsten Klude. ,Es steht auf Messers Schneide‘, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. ,Bei einem Austritt Griechenlands käme bei den Anlegern natürlich zunächst viel Unsicherheit hoch, die Kurse würden wohl fallen. Aber die Anleger dürften schnell erkennen, dass ein Grexit die Stabilität der übrigen Währungsunion nicht gefährden würde. Griechenland ist sowohl ökonomisch als auch politisch ein Sonderfall.‘"


Am Ende steht wohl der Kompromiss…

Ob nun der Grexit kommt oder nicht – es bleibt spannend. Dennoch kann man damit rechnen, dass – egal wie das Spiel ausgeht - die Märkte rasch zur Tagesordnung übergehen und sich wieder auf die wirtschaftlichen Fakten konzentrieren werden. Und hier hat sich in letzter Zeit nicht viel getan. Die Zinsen verharren weiter auf niedrigem Niveau.

Ich persönlich bin, wie auch der allgemeine Tenor der Experten, der Meinung, dass es nicht zu einem Grexit kommen wird, weil man sich – trotz aller Drohgebärden auf beiden Seiten – doch in letzter Minute noch auf einen fahlen Kompromiss einigen wird, den sowohl Griechenlands Regierung als auch die europäischen Verhandlungspartner als Erfolg verkaufen werden. Sicher ist, dass wir Sie auf dem Laufenden halten.

Mit diesen Eindrücken zur Grexit-Frage wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Die Anleger reagierten Verhalten auf den gestrigen Zinsentscheid der amerikanischen Zentralbank Fed, die Zinsen vorerst weiter auf historisch niedrigem Niveau zu belassen. Nun, die Entscheidung kam ja auch nicht überraschend und keiner hätte erwartet, dass sie bei der momentanen Lage Euphorie auslöst.





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