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Ausgabe vom 28. Mai 2015


  • Pressespiegel: Der Erdball dreht sich überall weiter



 


Pressespiegel:
Der Erdball dreht sich überall weiter






   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute ist es mir etwas schwer gefallen, mich für ein Thema zum Pressespiegel entscheiden. Denn brisante Schlagzeilen und somit reichlich Material fliegen uns ja derzeit geradezu um die Ohren.

An der Börse, die jetzt richtig unter dem Griechenland-Einfluss steht, geht es ängstlich bis turbulent zu. Das G7-Treffen der Finanzminister im Dresdner Barockschloss wird heute argwöhnisch beäugt. Haben die Hellenen noch eine Chance oder nicht? Dazu der Fifa-Skandal, der gestern die Medien völlig in Beschlag genommen hat. Und der stetige Schwelbrand in der Ukraine, verbunden mit den negativen Auswirkungen der Sanktionen auf die russische Wirtschaft, die sich allmählich bemerkbar machen.

Auch die Briten machen seit der unerwartet eindeutigen Wahl ihres Premier Cameron wieder stark von sich reden. Werden sie der EU erhalten bleiben oder nicht? Diese Frage wird uns und damit auch die Börsen noch mindestens bis 2016 begleiten. Dann könnte bereits das entsprechende Referendum stattfinden.


Der Erdball dreht sich auch außerhalb der europäischen Dauerthemen weiter

Bleibt da überhaupt noch Raum für den Blick auf andere Länder und Märkte dieser Welt? Nun, ich habe ein wenig für Sie in den einschlägigen Wirtschaftsmagazinen und Finanzpublikationen gestöbert und einige interessante Berichte über den aktuellen Medienfokus hinaus gefunden.

Da gab es nämlich, fast unbemerkt, Neuwahlen in unserem Nachbarland Polen. Japan ist dabei, heiße Wirtschaftsexperimente durchzuführen. Und das größte südamerikanische Land – Brasilien -, das durch den Korruptionsskandal um den Ölkonzern Petrobas tief erschüttert worden war, scheint allmählich wieder auf die Beine zu kommen.

Wie die Finanzexperten und Wirtschaftsjournalisten die Lage an all diesen spannenden Schauplätzen einschätzen, lesen Sie hier:


Das meinen die Experten:

Platow Emerging Markets
Vom 28. Mai 2015

Noch ist Polen nicht verloren

„Mit dem Wahlsieg Andrzej Dudas von der national-konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit steht Polen vor einer politischen Wende. Scheint damit doch der Weg geebnet für einen Durchmarsch der Partei von Jaroslaw Kaczynski auch bei der Parlamentswahl im Oktober. Der Ex-Premier, der zusammen mit seinem bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückten Zwillingsbruder Lech Kaczynski Polen mit nationalen und anti-deutschen Parolen in die außenpolitische Isolation trieb, gilt nun als Favorit für den Posten des Regierungschefs. Duda selbst hatte sich im Präsidentschaftswahlkampf mit schrillen Tönen indes weitgehend zurückgehalten und nach seinem Triumph versprochen, Präsident aller Polen sein zu wollen. Unter der Regentschaft Tusks hat sich Polen wieder stark an Deutschland und die EU angenähert. Eine Politik, die Polen ein stetiges Wirtschaftswachstum und einen Modernisierungsschub bescherte, aber in weiten Teilen der Bevölkerung auch Ängste vor einem sozialen Abstieg produzierte. Dieses Wählerpotenzial hat Duda mit seinen teuren Versprechen, das Renteneintrittsalter und die Steuern zu senken, geschickt für sich mobilisiert. Einen abermaligen Rückfall in die außenpolitische Isolation wird sich Polen auch unter Duda und dem mutmaßlichen Rückkehrer Kaczynski aber kaum leisten können. Dafür werden ausgerechnet die verschärften Spannungen zwischen Russland und der EU sorgen.“

Focus Money
Vom 20. Mai 2015

Zentrallabor Japan

„Was machen Volkswirte, wenn sie bei einer Tagung abends noch spät zusammenstehen? Nun, sie sprechen nicht über die Champions League, sondern über Japan. Wenn man wissen will, wie das langfristige Endspiel der Verschuldung der Industriestaaten aussehen könnte, findet man auf der Welt kein besseres Beispiel als Japan. Das Land ist mit rund 240% seiner jährlichen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) verschuldet. Die Zentralbank kauft Staatsanleihen im Wert der doppelten jährlichen Neuverschuldung des Landes. Daher ist der Zinssatz so niedrig, dass der Staat diesen riesigen Schuldenberg locker tragen kann. Schon ein Viertel aller Staatsanleihen Nippons ist in den Besitz der Zentralbank gewandert, 2017 wird dort die Hälfte der Staatsbonds gelandet sein. Staatliche und private Pensionsfonds ebenso wie Banken reichen die Papiere an die Zentralbank weiter. Sie sind dann bei einem plötzlichen Zinsanstieg weniger verwundbar. Das ist umso wichtiger, als Ausländer inzwischen rund ein Zehntel der Staatsanleihen halten sollen und sich in einer Krise schnell verabschieden könnten. ,Einige Beobachter sehen darin eine Vorbereitung für eine kreative Lösung des Schuldenproblems, etwa die Umwandlung der Anleihen in zinslose Papiere mit endloser Laufzeit.‘ Der Staat zahlt keine Zinsen mehr, und die Sparer bekommen keine mehr. Dazu kommt der Verfall des Yen in den letzten Jahren. Mit einem interessanten Effekt: Die Japaner halten Vermögen im Ausland wie kaum ein anderes Land, im Wert von 73% des BIP. Fällt der Yen weiter, nimmt der Wert dieses Auslandsvermögens, in heimischen Yen gerechnet, weiter zu. Die Japaner fühlen sich reicher – und sind dann vielleicht mit der großen Schuldenlösung einverstanden. Es ist schon ein geflügeltes Wort, dass wir das größte Wirtschaftsexperiment aller Zeiten erleben und durchleben – das Zentrallabor steht in Tokio.“

EURO am Sonntag
Vom 24. Mai 2015

Brasilien - Demos gegen Dilma

„Hunderte Menschen warten vor der Zweigstelle des brasilianischen Arbeitsministeriums in Rio de Janeiro. Viele Jahre hatten die Angestellten dort einen geregelten Büroalltag. Doch mit dem ist es seit Jahresanfang vorbei. Seitdem regiert die Krise in Brasilien, ganz besonders in Rio, dem Zentrum von Brasiliens Erdölindustrie. Die krankt am Verfall der Weltmarktpreise und am größten Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes. In dessen Zentrum steht der staatliche Ölgigant Petrobras, der in den vergangenen, fünf Jahren vom hochgepriesenen Hoffnungsträger zum höchstverschuldeten Öl-Major der Welt wurde. Der ,petroläo‘ wie die brasilianischen Medien den Schmiergeldskandal nennen, droht Brasilien ins vorige Jahrhundert zurückzuwerfen. Die Arbeitslosenziffer ist von 4,8% Ende 2014 binnen dreier Monate auf 7,4% emporgeschnellt - fast so hoch wie im Welt-Krisenjahr 2009. Rousseff zog die Reißleine und machte Eduardo Levy zum Finanzminister und Sanierungschef. Und so begann dessen Weg holprig, doch trotz Widerstands setzte er erste Spargesetze durch. Die Zentralbank, die den Leitzins in diesem Jahr in jedem Monat erhöhte - auf inzwischen 13,25% - registrierte Anfang Mai, dass die Inflation langsamer zunimmt. Der Real kehrte zwischenzeitlich unter die Drei-Dollar-Marke zurück. Analysten der amerikanischen Citibank kalkulieren zum Jahresende mit einem Kurs von 3,38 - so tief lag der Real zuletzt 2003. Außerdem teilen sie den Aktienmarkt in Papiere der international gut aufgestellten, liquiden Konzerne wie Brasil Foods, Renner, Ultra-par, Ambev, CCR, Cielo und TIM und die massiv entwerteten Titel der Konzerne mit erheblichen Krisenschäden - allen voran Riesen wie Petrobras und Vale. In der Hoffnung, dass die Notsituation neue Bereiche für fremdes Kapital öffnet, haben sich private Beteiligungsgesellschaften in Brasilien eingerichtet: Sie spekulieren auf Lizenzen für Flughäfen, Fernstraßen und Ölfelder. Optimistische Schätzungen deuten für 2016 auf ein minimales Wachstum hin.“

Mit diesen Eindrücken aus dem internationalen Umfeld wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Und noch ein Blick über den Tellerrand: In Fuchs-Briefe habe ich gelesen, dass die EU auf Brautschau ist. Offensichtlich wirbt sie um Asia-Pazifik: „Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hat den ASEAN-Staaten (Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam) Ideen zur politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit vorgelegt. Der Staatenbund arbeitet selbst an einer Wirtschaftsunion ähnlich der EU. Die AEC (ASEAN Economic Community) ist schon jetzt die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Bis 2050 wird sie auf Platz 4 vorrücken. Verhandlungen zum Freihandelsabkommen von ASEAN und EU wurden vor Jahren auf Eis gelegt. Nun will die EU das ursprüngliche Vorhaben voranbringen.“





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