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Ausgabe vom 19. Mai 2015


  • Für die Deutsche Bank wird es ungemütlich



 

Für die Deutsche Bank wird es ungemütlich

   

   

von Cindy Ullmann

Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kurz vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank, die am Donnerstag dieser Woche (21.05.2015) in Frankfurt/Main stattfindet, knirscht es ganz gewaltig im Gebälk des größten Geldinstituts Deutschlands.

Während die Dt. Bank wegen der Libor-Manipulationen eine Rekordbuße von 2,5 Mrd. zahlen muss, stehen zwei ihrer ehemaligen Chefs, mehrere Vorstandsmitglieder und auch der amtierende Co-Chef Fitschen zurzeit in München vor Gericht. Die Anklage lautet auf versuchten Prozessbetrug.

Die anstehende Hauptversammlung dürfte also alles andere als harmonisch verlaufen. In der Tat wollen viele Anleger den Vorstand erstmals nicht entlasten.


„Strategie 2020“ ist bei den Anlegern noch nicht angekommen

Jedenfalls befindet sich die Aktie seit Verkündung der „Strategie 2020" Ende April auf Talfahrt. Hier wurde festgelegt, die Postbank abzuspalten. Darüber hinaus möchte sich die Dt. Bank aus verschiedenen Regionen zurückziehen. Im Investmentbanking, im Zahlungsverkehr, im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung bleibt alles wie gehabt.

Chef des Privatkundenbereichs verlässt das Haus

Neues Ungemach wurde heute über die Medien verkündet: Offenbar will der Chef des Privatkundenbereichs, Rainer Neske, die Dt. Bank verlassen. Grund sollen Streitigkeiten zwischen ihm und den beiden Co-Chefs wegen der neuen Strategieausrichtung und der zahlreichen Skandale gewesen sein. Neben dem Postbankverkauf soll auch bei den eigenen Filialen der Rotstift angesetzt werden. Damit wäre Neskes Aufgabengebiet stark eingeschränkt.

Um die Hauptversammlung wenigstens teilweise mit erhobenen Kopf verlassen zu können, soll es laut der beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen Dividendenregen geben: „Deswegen möchten wir künftig mehr als 50% des Gewinns ausschütten. Darauf können die Aktionäre bauen", erklärte Jain in einem Interview.


Kaufen Sie, wenn die Kanonen donnern

Hört sich alles sehr dramatisch an, aber Sie wissen ja, wenn die Kanonen donnern, sollten Sie kaufen. Ob vielleicht gerade jetzt ein günstiger Kaufzeitpunkt ist, lesen sie im 100%-DEPOT von Chefredakteur Dieter Wendt, der diesen Wert schon lange verfolgt. Bestellen Sie jetzt das 100%-DEPOT für drei Monate zum günstigen Kennenlernpreis in Höhe von 79 Euro (anstatt 199 Euro).

Niedrigzinsen, Regularien und die Digitalisierung machen den Banken zu schaffen

Doch nicht nur die Dt. Bank muss sich neuen Herausforderungen stellen. Auch andere Bankhäuser müssen sich auf stark veränderte Anforderungen einstellen. Grund sind die niedrigen Zinsen, aber auch die strengere Regulierung seitens der Regierung. Doch auch die fortschreitende Digitalisierung macht den Banken zu schaffen.

„Wir werden von allen drei Seiten eingekesselt, sowohl von den Niedrigzinsphasen als auch von der Regulatorik, und dann haben wir noch nicht über die Bedrohung der Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung gesprochen."

So fasst Gunter Dunkel, Präsident des Verbands Öffentlicher Banken, die größten Herausforderungen zusammen.





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BNP Paribas präsentiert: „Rendezvous mit Harry“: Sendung vom 18.05.2015

Der DAX in Wechsellaune und noch keine Sicht auf einen Richtungshinweis. In der ersten Sendung von
„Rendezvous mit Harry“ nach dem Jubiläum zur 100. Sendung stellte wie in den 100 Sendungen vorher der DAX den Start der Chartanalyse dar. Wo beim DAX kein Trend zu erkennen ist, da ist dies bei Aktien wie SAP, Fresenius, Fresenius Medical Care schon klarer.

„Bullisch", so das Signal von Harry. Über dem Teich in den USA ist das Thema „baldige Zinsanhebung" beherrschend. Dazu gab es auch während der Sendung eine Kurzumfrage. Dabei erwartet die Mehrzahl eine Erhebung noch in diesem Jahr. Von den US-Aktien war Apple im charttechnischen Fokus. Am Ende der von
Volker Meinel moderierten und auch von Grégoire Toublanc begleiteten Sendung gab es noch einen Blick auf den Goldpreis und auf Wunsch einzelner Teilnehmer auf den HangSeng Index.

Vormerken: Die nächste Sendung von
„Rendezvous mit Harry“ findet am Pfingstmontag, 25. Mai 2015 um 19 Uhr statt.






Deutsche Bankenlandschaft befindet sich mitten im Umbruch

Eins ist klar: Alles zusammen wird gravierende Auswirkungen auf die Bankenlandschaft in Deutschland haben. Um die kommenden Herausforderungen zu bestehen, müssen sich die Banken schlanker aufstellen.

Gerade der letzten Herausforderung, der Digitalisierung, stellen sich die Geldhäuser erst nach und nach. Diese wurde einfach vernachlässigt. So müssen Systeme jetzt zu enormen Kosten technisch aufgerüstet werden. Da heißt es Kosten einsparen. Was liegt da näher - wie im Fall Deutsche Bank - als ein paar kostenintensive Filialen zu schließen. 


Banken haben das digitale Geschäft schlichtweg verschlafen

Doch verpasst ist verpasst. Amerikanische Wettbewerber, sogenannten Fintechs, wie etwa PayPal übernehmen den Zahlungsverkehr.

Fintech ist die Abkürzung für Financial Services Technology und bezieht sich damit auf die Kernausrichtung von Unternehmen (Fintechs) dieser Branche: Finanzdienstleistungen sollen durch den Einsatz modernster Technologien kundenfreundlicher angeboten werden.


Fintechs übernehmen das Geschäft und machen es den Banken schwer

Dadurch greifen die Unternehmen zum einen die Geschäftsmodelle der klassischen Banken an. Zum anderen bieten Fintechs mit ihren Produkten und Dienstleistungen der etablierten Geldhäuser aber auch neue Wege der Kundenakquise und Kundenkommunikation.

Wie sich Fintechs von traditionellen Finanzunternehmen unterscheiden

In der Regel bieten die jungen Unternehmen keine vollkommen neuen Dienstleistungen und Produkte an, sondern grenzen sich von klassischen Banken und Finanzdienstleistern dadurch ab, dass sie ihre Angebote und Leistungen mit einer deutlich höheren Kundenorientierung sowie über neue technische Lösungen (Webseiten und Smartphone-Apps) bereitstellen. Zu den wesentlichen Geschäftsbereichen von Fintechs gehören Online-Banking, Payment, Versicherungsdienstleistungen, Kreditwesen sowie Trading.

Noch versuchen die klassischen Bankhäuser aufzuholen. So haben sich die deutschen Banken auf ein eigenes Bezahlsystem geeinigt. Pay Direkt heißt es und soll Ende des Jahres starten. Das ist auch höchste Zeit, denn angesichts des stark wachsenden Internethandels wären die deutschen Kreditinstitute sonst abgehängt worden. Schnell, einfach und sicher wird das Bezahlsystem sein, versprechen die Geldhäuser – ein wichtiger Punkt. Denn das Misstrauen der Kunden gegenüber amerikanischen Wettbewerbern steigt – gerade in Bezug auf die Datensicherheit.


Apple, Google und Co. sind ebenfalls auf der Jagd nach Kunden (-daten)

Mit Schrecken blicken die Banken in die USA, wo Konzerne in den Zahlungsverkehr einsteigen. Apple bietet dort Apple Pay an, ein Dienst zum bargeldlosen Bezahlen per Smartphone. Er könnte bald nach Europa kommen. Dass die mobilen Zahlungen über Konten einer Bank abgewickelt werden, könnte im Bewusstsein der Kunden dann keine Rolle mehr spielen.

Im Internethandel hat sich auch PayPal, eine Tochter von Ebay, breitgemacht. Der Dienst ermöglicht das Zahlen ohne die Eingabe von Kontonummern. Und mit Google Wallet, einer elektronischen Geldbörse fürs Onlineshopping, steht der nächste Angreifer in den Startlöchern.

Bei diesen Firmen steht vor allem das Interesse an den Daten der Kunden im Vordergrund.
Fakt ist, diese Fintechs sind nicht reguliert und müssen daher auch keine Regulierungskosten einplanen. Ein großer Vorteil gegenüber klassischen Bankhäusern. 

Wie viele Unternehmen im aufstrebenden Fintech-Universum hierzulande aktiv sind, lässt sich nicht konkret in Zahlen ausdrücken. Kenner der Branche sprechen vage von mehreren Hundert Start-up-Unternehmen; in London, New York oder San Francisco sind es jeweils wohl mehrere Tausend.


Berlin ist das „Silicon Valley“ Deutschlands

In Deutschland konzentriert sich die Branche fast ausschließlich auf die fünf Großstädte Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf. Unbestrittenes Zentrum der heimischen Fintech-Szene ist aber eindeutig Berlin, wo aktuell über 50 junge Unternehmen den Finanzmarkt aufmischen. Selbstbewusst bewirbt sich die Hauptstadt zuweilen dann auch als das „Silicon Valley Deutschlands”.

Längst herrscht in der Szene Goldgräberstimmung. Und Investoren pumpen Geld in die Branche: Laut der Beratungsfirma Fintech Forum flossen 2014 5 Mrd. Dollar Wagniskapital in Fintechs. 2018 könnten es 8 Mrd. werden.

Hört sich alles spannend an, sagen Sie. Und wo sind die Empfehlungen? Gemach, gemach, kann ich da nur sagen. Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau für Sie und irgendwann werden dann sicherlich auch Empfehlungen folgen. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine schöne Woche.

Herzliche Grüße

Ihre

Cindy Ullmann

PS: Ab Juni startet die neue Plattform „Deutsche Börse Venture Network“. Hier erhalten Start-ups einen Zugang zu Investoren. Die Plattform beginnt mit einer Reihe von jungen Firmen, die überwiegend aus dem Bereich Online-Handel oder der „Fintech"-Szene stammen.





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