Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 07. Mai 2015


  • Pressespiegel: David gegen Ed - Wer wohnt künftig in der Downing Street?


 


Pressespiegel: David gegen Ed -
Wer wohnt künftig in der Downing Street?




   

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein Thema beschäftigt heute wohl ganz Europa: Die britischen Parlamentswahlen. Die Wahllokale sind geöffnet und man darf durchaus gespannt sein. Das Duell der Konservativen gegen die Labours dürfte knapp ausgehen. Denn laut Umfragen liegen der von vielen als Reformer gefeierte David Cameron von den Tories und Oppositionsführer Ed Miliband gleich auf. Es wird in jedem Fall ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem der Kampf um die Mehrheit nach der Wahl erst richtig losgeht.

Ein Sieg Camerons, wenn auch nur ein knapper, ist also keinesfalls besiegelt. Zwar hat das Land unter ihm einen kräftigen Wirtschaftsschub hingelegt. Davon haben aber noch lange nicht alle Briten profitiert. Denn die Lebenshaltungskosten der Inselbewohner sind stark gestiegen.

Allen voran schnellten die Immobilienpreise im letzten Jahr explosionsartig nach oben. Besonders in London können sich Normalbürger kaum noch die Mieten leisten. Das schafft Unzufriedenheit. Unterdessen sind außerdem nicht wenige konservative Wähler vom rechten Rand zu der europafeindlichen UKIP übergesprungen.


Stabile Mehrheiten mehr als unwahrscheinlich

Stabile Mehrheiten wird es wohl nicht geben, so viel lässt sich jetzt schon sagen. Einige Beobachter befürchten sogar, dass der Insel das Chaos droht – oder gar eine zweite Wahl im Herbst. Das lange vorherrschende Zwei-Parteien-System in Großbritannien dürfte somit ausgedient haben.

Die Regierungsbildung bzw. die Suche nach dem richtigen Koalitionspartner wird aller Voraussicht nach richtig kompliziert. Eine neue Erfahrung für britische Politiker, die in der Koalitionsbildung nicht sehr geübt sind. 2010 gab es im Vereinigten Königreich die erste Koalition seit Ende des Zweiten Weltkrieges, während dessen eine Große Koalition herrschte.

Welche Szenarien denkbar sind, ob ein Austritt Großbritanniens aus der EU möglich wird und was das für das europäische Wirtschafts- und Finanzwesen bedeutet, darüber haben sich die Experten aus renommierten Finanzmagazinen und Börsenbriefen vorab ihre Gedanken gemacht.


Hier einige Auszüge für Sie:

Focus Money
Vom 08. April 2015

Brexit größer Grexit

„Der britische Aktienmarkt erreichte kürzlich, gemessen am Leitindex FTSE-100, ein Allzeithoch. Die Wirtschaft wächst mit einer der höchsten Raten unter den Industrieländern. Und doch ist oft der Rat zu hören, man solle als Anleger der Insel vorerst lieber fernbleiben. Der einfache Grund: die Wahlen in knapp einem Monat, am 7. Mai. Die haben es in sich. Wegen der simplen Formel: Brexit größer Grexit. Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hätte gravierendere Folgen als ein Abgang Griechenlands aus der Euro-Zone. Wie könnte es dazu kommen? Dazu bräuchten nur die Konservativen einen Wahlsieg. Der wäre gleichzusetzen mit dem Mandat, spätestens 2017 ein Referendum über den Verbleib der Briten in der EU abzuhalten. Dazu würde es vielleicht noch früher kommen, täten sich die Torys mit der United Kingdom Independence Party (UKIP) zusammen, deren Name Programm ist – obwohl die allenfalls eine Hand voll Abgeordnete stellen wird. Und wenn das Referendum contra EU ausginge? Was wäre das für eine amputierte EU? Ohne ihre ab 2015 zweitgrößte Volkswirtschaft? Zudem ohne den besonderen Draht, den London nach wie vor nach Washington hat? Noch dazu soll die britische Wirtschaft in einer Prognose der Société Générale in den nächsten zehn Jahren mit rund 2% doppelt so schnell wachsen wie die gesamte EU mit ihren 28 Mitgliedsstaaten – die könnten solch einen expandierenden Markt für den Absatz ihrer Güter gut gebrauchen. Achten Sie mehr auf London, weniger auf Athen.“

Handelsblatt
Vom 07. Mai 2015

Schotten spielen eine entscheidende Rolle

„Eigentlich sind britische Regierungswechsel schnell und brutal. Als Tony Blair 1997 nach einer euphorischen Wahlnacht durch ein Spalier von jubelnden Parteifreunden in die Downing Street Nummer 10 einzog, stand hinten der Möbelwagen und packte den Hausrat von Wahlverlierer John Major ein. Diesmal wird alles anders. Das Land stellt sich auf tage-, vielleicht wochenlanges Tauziehen ein. Nie waren die Prognosen so unklar, nie die Spekulationen über eine Regierungsbildung so heiß, nie das verfassungstechnische Prozedere so verwirrend, nie die Wahlarithmetik so komplex. Nach jetzigem Stand der Dinge wird es nicht nur keine Partei geben, die allein regieren kann. Auch die meisten Dreierkonstellationen könnten das Mehrheitsziel verfehlen. Alles deutet darauf hin, dass ohne die Quertreiber der schottischen Separatistenpartei SNP nichts läuft. Aber mit ihnen erst recht nicht. Debattiert wird, was nicht nur legal, sondern in Augen der Wähler auch legitim ist. Tories sprechen seit Tagen einer von der SNP gestützten Labour Minderheitsregierung die Legitimität in den Augen der Wähler ab – auch wenn die Zahlenmehrheit stimmen würde . ,Wir brauchen eine Regierung, die jeden Teil des Landes erreichen kann. Und Labour tut das nicht‘, schrieb der ehemalige Tory Premier John Major im ,Daily Telegraph‘. Aber wie könnte eine Tory Regierung Schottland ,erreichen‘, wenn die Tories dort keinen einzigen Sitz haben? Schottlands SNP Chefin Nicola Sturgeon kann sogar einen Totalerfolg in allen 59 Wahlkreisen Schottlands ins Auge fassen. Jede Regierung, die nicht wenigstens die Sympathie der SNP hätte, wäre so gesehen nicht ,legitim‘. Schon 2010 war bei der Regierungsbildung alles anders, als Labour die Wahl verloren, aber die Tories in einem ,hung parliament‘ keine Mehrheit hatten. Als Gordon Brown drei Tage nach dem Patt immer noch als Premier in der Downing Street logierte, wurden Hetzrufe gegen den ,illegalen Besetzer‘ laut.“

EURO am Sonntag
Vom 03. Mai 2015

Unterhauswahl steuert auf "Hung Parliament" zu

„Briten sind nicht gerade dafür bekannt, schnell die Nerven zu verlieren. Doch was derzeit an den Finanzmärkten auf der Insel zu beobachten ist, grenzt doch an beängstigende Ruhe: Das Britische Pfund hat seit Jahresbeginn zum Euro ordentlich an Wert gewonnen und ist zum Dollar weitgehend stabil, der Leitindex FTSE100 hält sich wacker nah am Allzeithoch von knapp über 7.000 Punkten. Und das, obwohl in wenigen Tagen in Großbritannien eine Wahl stattfindet, die den politischen und wirtschaftlichen Kurs der Insel nachhaltig verändern und gar zu einem ,Brexit‘ führen könnte - dem EU-Austritt Großbritanniens. Am 7. Mai wählen die Briten ein neues Parlament. Dann wird in Großbritannien der gleiche politische Trend zu beobachten sein wie in allen europäischen Ländern: Viele Wähler kehren den großen Volksparteien den Rücken und suchen ihr Heil in der politischen Nische. Auf der Rechten ist das in Großbritannien die Unabhängigkeitspartei UKIP von Nigel Farage, der mit Anti-EU-Rhetorik Wähler bei den Konservativen (Tories) abfischt. Auf der Linken könnte die Schottische Nationalpartei SNP der Labour-Partei fast alle schottischen Wahlkreise abjagen. Denn die SNP setzt sich für eine Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich ein. Die politische Gemengelage auf der Insel ist also problematisch. Und obwohl sich klare Trends abzeichnen, ist der Ausgang der Wahl so schwer vorherzusagen wie selten. Das liegt nicht nur an einer Besonderheit des britischen Wahlsystems, sondern auch an den seit Monaten relativ konstanten Umfrageergebnissen. Demnach liegen die Tories des amtierenden Premierministers David Cameron mit rund 275 von 650 Unterhaussitzen gleichauf mit der Labour-Partei von Ed Miliband. So steuert Großbritannien auf das zu, was dort als ,Hung Parliament‘ verschrien ist: eine Wahl ohne klaren Sieger. Auf der Insel ist das selten und unbeliebt. 1974 mündete die Konstellation nach monatelangen Koalitionsverhandlungen in Neuwahlen. 2010 wurden sich Camerons Tories und Nick Cleggs Liberaldemokraten zwar einig, doch die Hängepartie sorgte für fallende Aktiennotierungen und Pfundkurse. Dass es diesmal ähnlich sein könnte, legen Zahlen des Datendiensts Bloomberg nahe. Demnach haben sich trotz der demonstrativen Ruhe an Londoner Börse mehr Händler gegen Pfund Verluste abgesichert als vor den schottischen Unabhängigkeitsreferendum im September 2014. Die knappen Umfragen lassen die Briten kräftig über mögliche Konstellationen spekulieren. Eine Große Koalition? Gab es zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Minderheitsregierungen? Zu instabil. Neuwahlen? Mal sehen Ein Bündnis aus Labour und SNP? Rechnerisch denkbar, doch Miliband lehnt das bisher ab, außerdem würde es wohl die Frage nach einem neuen Schottland-Referendum aufwerfen. Eine Neuauflage der amtierenden Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten? Als Königsmacher für Tory oder Labour könnten die LibDems zu schwach sein. Eine Erweiterung der Koalition nach rechts durch die UKIP? Schwierig.“


Das Zünglein an der Waage sind dieses Mal die Kleinen

Dieses Mal dürften neben den Liberalen auch die Schotten eine große Rolle spielen. Denn seit dem Referendum letztes Jahr, das mit dem Verbleib im Königreich ausging, macht die schottische Nationalistenpartei SNP stark von sich reden. Das Zünglein an der Waage werden also die Kleinen sein.

Spannend wird es auf jeden Fall und morgen wissen wir mehr. Über die Auswirkungen der britischen Parlamentswahlen auf die Börsen- und Finanzwelt halten wir Sie auf dem Laufenden.

Mit diesen Eindrücken wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Wenn Sie wichtige Informationen und Tipps für Privatanleger haben wollen, nicht vergessen: Melden Sie sich zum „Börsentag-Kompakt“ am kommenden Samstag in Leipzig unter:
http://www.boersentag-kompakt.de/leipzig/programm.php an und treffen Sie dort meine Kollegen Cliff Michel (Smart Money Investor) und Jürgen Schmitt (BÖRSEN-SPIEGEL), die Ihnen dort zu wichtigen Finanzthemen Rede und Antwort stehen. (Ich berichtete im gestrigen BÖRSEN-SPIEGELdaily.)




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