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Ausgabe vom 12. März 2015


  • Pressespiegel - Weichwährung Euro  


 


Pressespiegel - Weichwährung Euro

 





von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die EZB-Geldschwemme und die damit verbundene andauernde Schwächung der europäischen Gemeinschaftswährung beschäftigt die Börsen sowie die Medien permanent. Kein Wunder, denn während sich die Europäische Zentralbank nicht ohne Stolz hinstellt und verkündet, dass ihr Anleiheaufkaufprogramm wie geplant verlaufe, können wir zusehen, wie der Euro in atemberaubendem Tempo in die Tiefe stürzt. Immerhin hat er innerhalb kürzester Zeit annähernd die Parität zum Dollar erreicht.

Und die Talfahrt hält an: Der Euro notierte heute Morgen zeitweise unter 1,05 Dollar – und damit so tief wie seit 12 Jahren nicht mehr. Wenn es so weiter geht, könnte bereits Anfang kommender Woche ein Euro einen Dollar kosten. Unsere europäische Gemeinschaftswährung befindet sich schon knapp ein Jahr lang auf Talfahrt, allerdings hat sich der Sinkflug in den vergangenen Wochen rasant beschleunigt. Seit Ende Februar betragen die Verluste zum Dollar in der Spitze 9 Cent.


Börsenparty geht weiter

Nichtsdestotrotz geht die Rally an der Börse weiter. Der DAX scheint wie entfesselt. Gestern sprang er über 11.800 Punkte. Marktteilnehmer und Analysten sehen den deutschen Leitindex schon bald bei weit über 12.000 Punkten. Seit heute Morgen kratzt er deutlich an dieser Marke, nicht zuletzt gestützt durch den schwachen Euro, der die deutschen Exportgeschäfte begünstigt.

Ich habe für Sie zusammengetragen, wie die Experten aus renommierten Finanzpublikationen die EZB-Geldschwemme sowie die Auswirkungen unserer „Weichwährung“ sehen.


Das sagen die Experten:

Zürcher Trend
Vom 10. März 2015

Euro wird zur Carry-Trade-Währung

„Nicht überraschend und auch übereinstimmend mit den Zinsdifferenzen zugunsten des Dollar ist die große Abwertung des Euro in die nächste Phase getreten. Das ist ein Teil des Plans, aber für jeden deutschen Zentralbanker nur mühsam zu akzeptieren, denn: Ein abwertender Euro soll die Konjunktur im Export stützen. Kurzfristig klappt dies auch, aber mehr als eine Initialzündung ist es nicht. Jedenfalls wird die Toleranz der EZB gegenüber einem schwachen Euro zunächst sehr hoch sein. Intervenieren will und kann sie nicht. Die einzigen Stützen für den Euro sind der deutsche Export und die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland, die auf eine Eurostory spekulieren. Mehr als eine Bremse ist es aber nicht, denn den Trend wird es nicht ändern, weil: Aus dem Euro wird eine Carry-Trade-Währung. Niedrige Zinsen bei gleichzeitiger Abwertung macht den Euro zum idealen Vehikel, um Eurokredite aufzunehmen und zu höheren Zinsen in Asset-Klassen aller Art zu investieren. Das galt früher für den japanischen Yen und wird die Rolledes Euro in den nächsten Jahren definieren. Auch das wird den Deutschen, aber auch Österreichern und Niederländern erhebliche Bauchschmerzen bereiten. Welche politischen Spannungen sich daraus ergeben, bleibt abzuwarten. Kurzfristiger: Die Parität zum Dollar ist das erste Ziel. Bis zum 1:1 fehlen noch 0,1 Dollar, was schnell erreicht werden dürfte. In Zürich wischt man sich jedenfalls den Schweiß von der Stirn, denn hätte man die Kopplung im Januar nicht aufgegeben, würde der Franken jetzt mit hinutergerissen. Zürich sieht das richtig: Lieber den Schmerz einer harten Währung als die Schmach einer weichen.“

EURO am Sonntag
Vom 08. März 2015

Keine Gefahr eines Aktien-Crashs

„Dank der erwarteten Geldschwemme der EZB war der DAX am Donnerstag auf ein Allzeithoch von 11.532 Zählern gesprungen. Die Analysten der Commerzbank haben am Freitag ihre Jahresprognose für den Leitindex um 1.000 Punkte auf 11.800 Zähler angehoben. Damit käme der deutsche Leitindex Ende 2015 auf ein Plus von rund 20%. Dagegen geriet der Euro weiter unter Druck und rutschte unter die Marke von 1,10 Dollar. Mit 1,0964 Dollar markierte die Gemeinschaftswährung am Freitag den tiefsten Stand seit September 2003. Laut Analysten könnte dem Euro eine längere Schwächephase bevorstehen. Insbesondere, wenn Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den USA neue Nahrung bekämen. Skeptiker bezweifelten nach der EZB-Sitzung, dass die Zentralbank genügend geeignete Papiere findet, um auf das Volumen von 60 Mrd. Euro monatlich zu kommen. Auch wiederholten sie ihre Kritik, dass das Programm insbesondere den Krisenländern weitere Verschuldung erleichtere und den Reform- und Sparwillen untergrabe. Nichtsdestotrotz setzen andere darauf, dass die Konjunktureffekte greifen. Fiduka-Börsenexperte Gottfried Heller geht zwar mit EZB-Chef Draghi hart ins Gericht. ,Der einzige Sinn des Programms ist es, den Euro so weit zu schwächen, dass die Südländer und insbesondere Italien ohne eigene Anstrengungen aus ihrer Misere kommen.‘ Gleichwohl glaubt der Börsenexperte, dass die Geldschwemme die Märkte weiter antreiben wird und die Gefahr eines Aktiencrashs gering sei. ,Mittelfristig werden die Börsen trotz zu erwartender Korrekturen weiterhin auf Hausse gerichtet sein, denn die Liquidität wird in Europa massiv gesteigert.‘ Auch die Konjunktur werde durch das Programm stimuliert, wodurch die Unternehmensgewinne stiegen und auch der Konsum angeschoben werde.“

Focus Money
Vom 11. März 2015

Kurssteigerungen schlagen in Euro-Land nicht so auf Vermögensbildung durch wie in USA

„Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre im Januar angekündigten Wertpapieraufkäufe im großen Stil begonnen. Das Ziel: die Inflationserwartungen wieder nach oben zu bringen. Der grundlegende Mechanismus: Kauft die EZB eine Anleihe von einer Bank oder einem Privatanleger, erhält der dafür Geld, das neue Verwendung sucht. Im Idealfall fließt es in mehr Kredite oder Investitionen. Die Wertpapierkäufe drücken die Zinsen, das hat die Ankündigung bewiesen. In den USA wirkt das sofort bei denen, die einen Immobilienkredit laufen haben. Die Amerikaner können ihn ohne Probleme vor Laufzeitende ablösen, sparen Zinsen und konsumieren gern mit dem frei werdenden Geld. US-Unternehmen holen sich Geld vor allem über den Kapitalmarkt, weniger bei den Banken. Auch ihre Finanzierung wird durch niedrigere Zinsen sofort spürbar billiger. Anders in der Euro-Zone: Will etwa ein Deutscher seinen Baukredit auflösen, ist eine Vorfälligkeitsentschädigung für die Bank zu zahlen. Unternehmen in Europa hängen bei der Finanzierung zu 80% von den Kreditinstituten ab. Wie sieht es beim Vermögenseffekt aus? ,Finanzvermögen macht in den USA 70% des Gesamtvermögens aus und ist viel stärker in Aktien investiert; in Deutschland hat das Geldvermögen dagegen nur einen Anteil von 44% und konzentriert sich auf festverzinsliche Anlagen‘, bringen es Frank Hübner und Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim auf den Punkt. ,Kurssteigerungen an den Kapitalmärkten schlagen damit nicht so kräftig auf das Vermögen durch wie in den USA.‘ Im Gegenteil, die Enteignung durch Minizinsen entzieht sogar Einkommen – so wird der Konsum in Euro-Land durch Wertpapierkäufe nicht so angeregt wie in den USA. Immerhin: Die Sal.-Oppenheim-Fachleute konzedieren, dass der Signaleffekt leicht positive Auswirkungen haben könne. Er besteht darin, dass die Wertpapierkäufe eine sehr lockere Geldpolitik für längere Zeit anzeigen und klarmachen, dass Finanzierungen günstig bleiben – gut für Stimmung und Ausgabebereitschaft von Privatleuten wie von Betrieben. Und eine Folge der Wertpapierkäufe spürt wirklich jeder: Der Euro ist schwach, das wirkt wie ein Turbo auf den Export und das Wachstum. Die Kehrseite ist beim Urlaub in der Schweiz, in England oder eben in den Staaten zu spüren. Jedenfalls wird die Wirkung der Wertpapierkäufe in Europa geringer ausfallen.“


Schwacher Euro beflügelt Exporte – Geldschwemme nur Initialzündung

Wie im Zürcher Trend beschrieben, ertragen die Schweizer lieber den „Schmerz einer harten Währung als die Schmach einer weichen.“ Die Eidgenossen zeigen sich erleichtert über ihre Abkoppelung des Franken vom Euro. Ein abwertender Euro werde die Konjunktur im Export stützen. Dies sei aber nur ein kurzfristiger Ansatz, kaum mehr als eine Initialzündung  für die europäische Konjunktur, so die Meinung, die in dem Schweizer Börsenbrief vertreten wird.

Das sehen die Experten von EURO am Sonntag deutlich positiver. Sie gehen davon aus, dass die Börsen mittelfristig trotz zu erwartender Korrekturen auf Hausse gerichtet sein werden, da durch die Flutung des Geldmarkes die Liquidität in Europa massiv gesteigert werde. Auch die Konjunktur werde durch das Programm stimuliert, wodurch die Unternehmensgewinne stiegen und auch der Konsum angeschoben werde.


De facto haben wir eine Weichwährung

Wir müssen jedenfalls feststellen, dass wir eine Weichwährung haben, so wie es früher in den europäischen Südstaaten Italien, Frankreich oder Spanien der Fall war. Auch wenn jetzt viele jubeln werden, dass Deutschland und andere durch deutlich höhere Exporte erheblich vom schwachen Euro profitieren, werden hier auch extreme Nachteile übersehen bzw. ignoriert. Tatsache ist: Die EZB finanziert mit ihren Aufkäufen von Staatsanleihen eine Geldpolitik auf Pump – in dem Wissen, dass Kredite nicht zurückbezahlt werden.

Wir werden die Entwicklung weiter für Sie im Auge behalten. Mit diesen Einschätzungen wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Richtigstellung in eigener Sache: Sicher ist einigen von Ihnen aufgefallen, dass ich das gestrige „Zitat der Woche“ der „Bundesarbeitsministerin“ Ursula von der Leyen zugeordnet habe. Natürlich ist die Dame inzwischen Bundesverteidigungsministerin. Sorry für diesen Fehler. Passend zum Zitat ist inzwischen eben alles „anders“ geworden.





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