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Ausgabe vom 12. Februar 2015


  • Pressespiegel – Scheitert mit dem Ukraine-Gipfel auch die europäische Wirtschaftspolitik?  

     

 

Pressespiegel – Scheitert mit dem Ukraine-Gipfel auch die europäische Wirtschaftspolitik?    




von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Krisen ohne Ende – und weder im Westen noch im Osten ist eine Lösung in Sicht. Im Schuldenstreit haben die neue griechische Regierung und die Euro-Finanzminister keine Lösung gefunden, was leider zu erwarten war. Allein dass die Griechen ohne schriftliche Entwürfe kamen, sorgte für Irritation. Die Zeit drängt. Besonders aber drängt sie in Minsk. In der weißrussischen Stadt tagen seit gestern Abend durchgängig die vier Staatschefs, die eine Lösung herbeiführen sollen.

Wladimir Putin, Petro Poroschenko, Angela Merkel und Francois Hollande haben die ganze Nacht mit ihren Delegationen über einen Ausweg aus der Ukraine-Krise verhandelt - aber noch immer gibt es keine Einigung. Der ukrainische Präsident spricht von „inakzeptablen Bedingungen". Er habe noch keine guten Nachrichten zu verkünden, ließ er gegenüber den Medien verlauten.


Die Lage ist weiterhin unklar

Es wurde auch während der Verhandlungen weiter geschossen. Wohin das ganze führt… Man mag nicht daran denken. Immerhin gehen die Verhandlungen weiter und die Ukraine bekommt derweil Milliardenhilfen zugesagt.

Was die Misere finanz- und wirtschaftspolitisch letztendlich für ganz Europa bedeutet, dazu habe ich einige Einschätzungen aus renommierten Finanzpublikationen und Börsenbriefen für Sie zusammengetragen.


Das meinen die Experten:

Fuchs-Briefe
Vom 09. Februar 2015


Der Ölpreis macht Moskau mürbe
„Der Ölpreis könnte den Kampf um die Ostukraine entscheiden. Denn Russland hat politisch und militärisch bisher immer sehr sensibel auf einen Ölpreisverfall reagiert. Schließlich hängen davon mehr als 50% der russischen Haushaltseinnahmen ab. Wenn die Ölpreise steigen, bringt Russland seine latenten Ressentiments aggressiver zum Ausdruck und setzt dabei häufig sein Militär ein‘, beobachtet Daniel Gros, Autor im Project Syndicate, einem internationalen Kommentardienst, der vom Milliardär George Soros finanziert wird. Tatsächlich schickt Russland sein Militär immer dann los, wenn das Staatskonto dank hohem Ölpreis gut gefüllt ist. Das war so beim Einmarsch in Afghanistan (1979/80), als sich der Ölpreis nach dem ersten Ölembargo 1973 vervierfacht hatte. Bei der Annexion der Krim (2014) stand der Ölpreis nahe an seinem Preisgipfel von 117 Dollar je Fass. Umgekehrt holt Moskau seine Truppen heim, wenn ein anhaltender Preisrückgang die Staatskasse leert. So zogen die Russen 1988 ihre Truppen aus Afghanistan zurück. Der Wert der russischen Ölproduktion hatte sich in den 1980er Jahren auf ein Drittel des Höchstwertes von 1981 verringert. Der Zusammenbruch der Sowjetunion (1991) ereignete sich in einer Phase niedriger Ölpreise. Die Russen hielten selbst im Kosovokrieg still, als es ihrem engen Verbündeten Serbien ans Leder ging. Das erneute Anziehen der Ölpreise im neuen Jahrtausend ging einher mit einem deutlich selbstbewussteren Auftritt Moskaus unter Präsident Putin. ,Russlands Haltung gegenüber seinem benachbarten Ausland ist eindeutig nicht ganz so  erratisch, wie es scheinen könnte‘, argumentiert Gros. In Russland wird längst spekuliert, dass die USA den Zusammenhang erkannt haben – und ausnutzen. Sie versuchten im Verein mit ihrem engen Verbündeten Saudi-Arabien, Moskau in die Knie zu zwingen. Verharrt der Ölpreis tatsächlich auf dem augenblicklichen Niveau, ist es eine Frage der Zeit, bis Moskau im Streit um die Ukraine einknickt. Umgekehrt gilt: Sollte der Ölpreis wirklich aus strategischen Gründen manipuliert werden (können), wird er noch eine Weile auf dem jetzigen Niveau verharren.“


Zürcher Trend
Vom 11. Februar 2015

Den Russen geht es um die NATO

„Den Russen geht es nicht um die Ukraine, sondern um die NATO. Jeder, der letzte Woche auf der Sicherheitskonferenz in München zugegen war, müsste nun verstanden haben, worum es geht. Die Ukraine ist nur einer von mehreren Schauplätzen, auf denen sich die Russen in Szene setzen, um ihre Interpretation durchzusetzen. Ziel ist keine kurzfristige diplomatische Lösung, um die Ukraine oder andere diplomatische Konflikte zu lösen, sondern es geht auch darum, die restlichen Staaten zu desorientieren und letztlich zu entzweien. Das ist eine perfide, wenn auch clevere Taktik, denn: Die Russen riechen förmlich, dass die NATO schwach ist. Nicht nur militärisch und ideologisch, sondern vor allem in Bezug auf die Fähigkeit, geschlossen aufzutreten. Die Diskussion um die Waffenlieferungen in die Ukraine ist ein treffendes Beispiel. Damit haben die Russen den Nagel auf den Kopf getroffen, denn: Kein NATO-Land ist bereit, die Bündnis-Pflicht gemäß Artikel 5 zu erfüllen. Das will und darf zwar niemand offen aussprechen, aber es liegt auf der Hand. Die Europäer können reden, verhandeln und am Ende zahlen, aber mit Sicherheit nicht kämpfen. Die NATO wurde ausschließlich gegründet, um sich gegen den Kommunismus und die Sowjetunion zu verteidigen. Beides ist nicht mehr vorhanden, womit sich die NATO auch überlebt hat. Schon vor 20 Jahren gab es hierzu Forderungen, die der Westen beiseite wischte. Nun erhält er die Quittung. Die Russen wollen die NATO nicht besiegen, sondern blamieren, genauso wie der Westen Anfang der 90er Jahre die Sowjetunion wegen ihrer vermeintlichen Stärke blamiert hat. Gelingt die Blamage, sind die Russen einen Schritt weiter. Die Tatsache, dass alle zu ihm rennen, um ,diplomatische Lösungen‘ zu finden, ist schon eine erste Genugtuung.“

Platow-Emerging-Markets
Vom 12. Februar 2015

Russland – Heißes Pflaster für Investoren

„Lange hatte sich Russlands Präsident Wladimir Putin bitten lassen. Erst wenige Stunden vor Beginn des Friedensgipfels in Minsk mit Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef François Hollande und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko bestätigte der Kreml die Teilnahme Putins. Die jüngste Eskalation des Ukraine-Konflikts, der zunehmend in einen offenen Krieg zwischen den von Moskau unterstützten pro-russischen Separatisten und der militärisch unterlegenen ukrainischen Armee zu kippen droht, hat vorerst  alle Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage und eine Lockerung der Russland-Sanktionen zunichte gemacht. Die Drohung der USA , das ukrainische Militär notfalls mit Waffenlieferungen aufzurüsten, hat die Situation zusätzlich verschärft und den Druck auf die Europäer erhöht, abermals an der Sanktionsschraube zu drehen, sollte der Gipfel in Minsk nicht zu einer dauerhaften Waffenruhe führen. Trotz der wirtschaftlichen Probleme im Gefolge der EU - Sanktionen sitzt Putin innenpolitisch weiterhin fest im Sattel. Wie uns deutsche Spitzenmanager, deren Unternehmen in Russland aktiv sind, berichten, stehen die russischen Wirtschaftsführer geschlossen hinter der Ukraine-Politik Putins. Einige russische Konzern-Manager halten Putin sogar für eher moderat. Einen Aufstand der Oligarchen muss der russische Präsident demnach kaum fürchten. Unbeeindruckt von der Eskalation in der Ukraine konnte sich der russische Aktienindex RTS zuletzt überraschend gut behaupten. Angetrieben wurde der Moskauer Aktienmarkt vor allem vom steigenden Ölpreis, von dem die rohstofflastige russische Wirtschaft stark abhängt, sowie von Spekulationen über eine mögliche Zinssenkung der Zentralbank.“


Was ist zu befürchten?

Nun, an diesen drei Auszügen sehen wir, wie unterschiedlich die Finanzexperten die Lage einschätzen. Ein gewichtiges Argument, das immer wieder ins Feld geführt wird, ist der Ölpreis. Von dessen Entwicklung ist Russland sehr stark abhängig.

Mindestens so stark wiegt aber auch die Frage, wie die eigenen Reihen hinter Wladimir Putin aufgestellt sind. Und die scheinen weitgehend hinter ihrem Präsidenten zu stehen. Wie Platow-Emerging-Markets berichtet, zeigen sich die Oligarchen des Landes, die von vielen als die eigentlichen Machthaber bezeichnet werden, solidarisch mit Putins Politik. Das dürfte Putin Rückenwind bei den sich weiter ziehenden Verhandlungen geben.

Da sich aber auch der Westen auf Linie zeigt, wird es am Ende entweder Kompromisse auf beiden Seiten geben – oder die Fronten werden sich weiter verhärten, was zurzeit leider die wahrscheinlichere Variante ist.

Mit diesen Eindrücken aus der Medienwelt der Finanzpublikationen wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Soeben wird im Handelsblatt über den „Glücksmoment am Ende einer langen Nacht“ berichtet: Die ganze Nacht über sei ins Minsk verhandelt worden. Ein Ende sei lange nicht in Sicht gewesen. Nachdem einige Verhandlungspartner erste Ermüdungserscheinungen gezeigt hätten, habe man am Morgen gelöste Gesichter gesehen. Was auch immer das bedeutet… Wir halten Sie auf dem Laufenden.
 
  



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