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Ausgabe vom 22. Januar 2015


  • Pressespiegel - Währungsschock in den Alpen



 

Pressespiegel -
Währungsschock in den Alpen








von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

unsere eidgenössischen Nachbarn haben wieder einmal einen Alleingang hingelegt. Sie haben ihre Währung vom Euro abgekoppelt. Das kam zwar nicht unerwartet, aber irgendwie doch überraschend – weil ohne Vorankündigung. Nun, für uns Anleger kann man dazu nur sagen: Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wie gefährlich es für unser Vermögen ist, in Geldwerte auf Euro-Basis zu investieren, dann haben wir diesen in der letzten Woche eindrucksvoll erhalten.

Denn nachdem die Schweizer Notenbank (SNB) die Koppelung des Franken an den Euro „aufkündigte“, setzte ein regelrechtes Erdbeben an den Kapitalmärkten ein. Der Franken wertete innerhalb weniger Minuten um über 20% gegenüber dem Euro auf, was für uns Deutsche, Franzosen oder Italiener nicht nur bedeutet, dass unser Urlaub in dem Alpenland von nun an erheblich teurer wird, für manche sicher unerschwinglich.


Währungsschock schwächt nicht nur die Zahlungskraft der Urlauber

Die Preise steigen kräftig in St. Moritz oder Kandersteg, was sowohl die Superreichen als auch Otto-Normal-Skiurlauber zu spüren bekommen. Für einen Wochen-Skipass in Zermatt zahlt man umgerechnet nun plötzlich 380 statt vorher 322 Euro. Das bedeutet aber auch Einbußen für das blitzsaubere Urlaubsland selbst.

So rechnet Christoph Juen vom Schweizer Hotelverband Hotelleriesuisse vor: „Der ausländische Gast hat seine Ferien mit seiner Heimwährung kalkuliert. Wenn er damit nun 15 bis 20% weniger Schweizer Franken bekommt, dann hat er auch ein entsprechend kleineres Budget für seine Ferienausgaben. Die Stärkung des Schweizer Franken bringt eine massive Verteuerung des Ferienlandes Schweiz mit sich und trifft uns im Kern.“ Die Hotelbranche fürchtet deshalb um ihre deutschen Gäste, die in den letzten Jahren ohnehin schon stetig weniger wurden.

Ich habe für Sie einige interessante Expertenaussagen zu diesem Thema zusammengetragen:


Das meinen die Experten:

EURO am Sonntag
Vom 18. Januar 2015


Tsunami für Exportindustrie und Tourismus
„Standen am Donnerstag noch die Uhren- und Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont mit zweistelligen Verlusten an der Spitze der Verlierer, gerieten am Freitag vor allem Finanzwerte unter Druck: Zu den größten Verlierern zählten die Privatbank Julius Bär und die Großbanken Credit Suisse und UBS. Die massive Franken-Aufwertung bringt inzwischen auch Broker in Schieflage: Der britische Devisenhändler Alpari UK musste bereits Insolvenz anmelden. Auch Broker in den USA und Neuseeland sollen durch den Franken-Anstieg existenzielle Verluste erlitten haben. Die schlagartige Aufwertung bedroht aber vor allem die exportabhängige Schweizer Wirtschaft, deren Waren zu mehr als der Hälfte in die Länder der Eurozone gehen. Betroffen davon sind insbesondere Maschinenbauer wie Autoneum und Georg Fischer sowie Chemiefirmen wie Lonza und Ems-Chemie. ‚Die Schweizer Unternehmen verlieren stark an Wettbewerbsfähigkeit‘, heißt es in einer Analyse von Deutsche Asset & Wealth Management. Konzernchefs wie Nick Hayek, Chef des Uhrenmarktführers Swatch, äußerten ihren Unmut: ‚Was die SNB da veranstaltet, ist ein Tsunami. Sowohl für die Exportindustrie wie auch für den Tourismus und für die ganze Schweiz.‘“

Zürcher Finanzbrief
Vom 20. Januar 2015


SNB hat kleineres Übel gewählt
„Es sind Tage wie der vergangene Donnerstag, die Börse so spannend und aufregend machen. Für den Franken war es ein denkwürdiger Tag. Zwischen der Ankündigung, dass der Mindestkurs gegen den Euro aufgehoben wird, und der Abwertung des Euro gegen Franken um 30 % (!) vergingen nur 17 Minuten. So hoch war der Druck, gegen den sich die SNB stemmen musste. Natürlich gehören Extrema zu einer Preisfindung an der Börse, doch sie stellen nie den neuen Gleichgewichtspreis dar. So auch beim Franken, der sich nach dem ersten Schock dann knapp über Pari gegen Euro einpendelte. Wir nehmen die SNB ausdrücklich in Schutz. Nicht dafür, dass man Kurse um 1,25 Franken im Jahr 2013 nicht zum Abbau der Franken-Kappung genutzt hat, aber dafür, dass nun die Reißleine gezogen wurde. Wir gehen davon aus, dass die SNB am vergangenen Mittwoch einen eindeutigen Hinweis von der EZB bekommen hat und damit zum Handeln gezwungen wurde. Schießt Draghi am Donnerstag eine Bazooka ab, folgt die nächste Fluchtwelle in den Franken. Denn QE ist per se ein Instrument, um den Außenwert der Währung zu schwächen. In diesem Fall also den Wert des Euro gegen alle anderen. Außer gegen den Franken, denn die SNB hatte sich bekanntlich zu einem Mindestkurs von 1,20 Franken verpflichtet. Die Folge wäre gewesen, dass sich die Bilanz der SNB sprunghaft ausgeweitet hätte. Und das von einem Niveau aus, das bereits in der aktuellen Verfassung von der Bevölkerung und Politik auf immer stärker steigenden Widerstand stieß. Die SNB hat das kleinere Übel gewählt. Bitte den relativen Vergleich nicht übersehen, denn „klein“ ist dieses Übel auf keinen Fall. Die Buchverluste bei der SNB werden sich zwischen 20 und 30 Mrd. Franken einpendeln, eventuell werden temporär auch größere Summen bilanziert werden.“


Focus Money
Vom 21. Januar 2015


In Ost-Europa beginnt das große Bibbern
„Drei Jahre lang hatten die Schweizer brav den Euro verteidigt. Regelmäßig setzten Interventionen ein, wenn der Schweizer Franken unter 1,20 Euro zu fallen drohte. Die Interventionen halfen auch der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie. Umso lauter schreien die Industrieverbände der Eidgenossenschaft jetzt Zeter und Mordio. Von ‚düsteren Wolken‘ ist die Rede, die der Branchenverband Swissmem am Horizont aufziehen sieht. Im Osten Europas, etwa in Polen, beginnt das große Bibbern. Dort laufen viele Hypothekendarlehen wegen der niedrigen Zinsen in der Eidgenossenschaft in Schweizer Franken (37%). Die Aufwertung des Franken zum Zloty bringt dort so manchen Häuslebauer in Not. Aber die SNB nahm auf die Befindlichkeiten der heimischen Industrie und ausländischer Häuslebauer keine Rücksicht. Die Bilanz der SNB blähte sich wegen der Interventionen in den vergangenen Jahren immer weiter auf. Mit der Franken-Aufwertung zum Euro sitzt die Notenbank der Eidgenossen jetzt auf Verlusten bei ihren erworbenen Anlageklassen. Die kommenden Anleihen-Kaufprogramme der Europäischen Zentralbank hätten die SNB noch einmal gezwungen, den Euro zu stützen. Damit wäre ihr Schmerzpegel noch einmal gestiegen.“


Schweiz nimmt die EZB-Entscheidung vorweg

Die Schweizer Währungshüter selbst erklärten ihren Schritt damit, dass die Koppelung nicht länger gerechtfertigt sei: „Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert." Ausschlaggebend dürfte jedoch die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) gewesen sein.

Es wird erwartet, dass EZB-Chef Mario Draghi erneut seine Geldpolitik lockert und das „Go“ für den Ankauf von Staatsanleihen über die Banken gibt. Das würde den ohnehin schwachen Euro weiter unter Druck setzen und die SNB zum Handeln zwingen. Das kleine Alpenland hat Fremdwährungsreserven von umgerechnet 500 Mrd. Franken angesammelt, die Hälfte davon in Euro - ein „Klumpenrisiko“, das die Notenbank offenbar nicht länger tragen wollte. So hat man vorgebeugt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf


PS: Wie der heutige EZB-Entscheid konkret ausfällt und was er für uns als Verbraucher und Anleger bedeutet, lesen Sie morgen hier im BÖRSEN-SPIEGELdaily.





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