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Ausgabe vom 15. Januar 2015


  • Internationaler Pressespiegel –
    Gegen Gewalt Für Meinungs- und Pressefreiheit




 

Internationaler Pressespiegel – Gegen Gewalt Für Meinungs- und Pressefreiheit







von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wenn man dieser Tage auf der Suche nach einem übergeordneten Thema in den Medien, auch den Wirtschafts- und Finanzmagazinen ist, so gibt es nur eine Antwort - und die lautet: „Freiheit“. Dieser Begriff geht um die Welt und beinhaltet eigentlich alles, was für uns Menschen, die in einer demokratischen Gesellschaft leben, damit verbunden ist: Meinungs- und Pressefreiheit, Sicherheit, damit man sich jederzeit frei äußern kann, aber auch die dazugehörige Toleranz und der nötige Respekt gegenüber anders Denkenden und Fühlenden.

Durch den schrecklichen Terroranschlag letzten Mittwoch auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo wurde uns allen wieder ins Bewusstsein gerufen, wie wichtig dieses Gut für uns und unser tägliches Leben ist. Und hier meine ich das Bewusstsein aller, vom amerikanischen Fabrikarbeiter bis zum türkischen Manager, von der deutschen Hausfrau bis zur französischen Politikerin.

Es geht uns alle an, sich für die Freiheit stark zu machen. Das taten in der vergangenen Woche auch insbesondere zahlreiche Journalisten durch ihre Solidaritätserklärungen mit Charlie Hebdo. „Je suis Charlie“ ist zum Inbegriff der trotzigen und mutigen Auflehnung gegen Gewalt und den Versuch, Menschen mundtot zu machen, geworden.

Nicht mutig ist es dagegen, sich mit Parolen wie „Lügenpresse“ gegen Freiheit und Toleranz zu stellen. Nicht umsonst wurde dieser Begriff, der aus dem Vokabular der dunklen Zeit unserer Geschichte stammt, zum „Unwort des Jahres 2014“ gewählt. Eine gute Wahl!

Lesen Sie hier, was die Experten von renommierten Finanzmagazinen rund um den Globus zu diesem Thema zu sagen haben.


Das meinen die Experten rund um den Globus:

WirtschaftsWoche
Vom 12. Januar 2015


Freiheit
„Es stockt einem der Atem und das Denken bei den Bildern und Tönen aus Paris. Der Anschlag, bei dem zwölf Menschen sterben mussten, ist grausam und radikal. Und er trifft ins Herz der demokratischen Gesellschaft. Die gesamte Führungsriege eines Satiremagazins wird durch mutmaßlich islamistische Attentäter niedergemäht. Die Polizisten, die Journalisten schützen sollen, ebenso. Al-Qaida gegen ‚Charlie Hebdo‘? Die feige vermummte, diktatorische Doktrin gegen das offene Visier der Freiheit von Meinung und Kritik. Wo auch immer sich die mutmaßlichen islamistischen Angreifer verorten, bei al-Qaida oder beim sogenannten ‚Islamischen Staat‘ (‚IS‘), ihr Ziel ist identisch: Sie wollen die freiheitliche demokratische Gesellschaft zerstören zugunsten eines vermeintlichen Tugendstaats, der sich an einer fehlgeleiteten Interpretation des Koran ausrichtet. Dass dies ausgerechnet in Frankreich geschieht, ist auch symbolisch, denn dort hat es schon einmal den Versuch gegeben, einen Tugendstaat zu errichten. Einsicht in den Wert der Freiheit ist Voraussetzung dafür, sie mit aller Kraft zu verteidigen. Die Meinungsfreiheit ist eine grundlegende Freiheit, auf der viele weitere Freiheiten aufsetzen, die wir heute genießen. Die Islamisten gewinnen nicht durch schreckliche Anschläge wie dem in Paris. Sie gewinnen, indem sie uns verführen, unsere Freiheit vorausschauend zu beschränken und zu einem theoretischen Recht und Anspruch verkommen zu lassen. Das darf nicht sein.“

Le Nouvel Economiste (französisches Wirtschaftsmagazin)
Vom 15. Januar 2015

Nationale Einheit bedeutet Respekt vor dem Anderssein
(Aus dem Französischen übersetzt; die Red.)
„Plötzlich besinnt sich das französische Volk und sagt sich: Es lebe die Meinungsfreiheit.’ In diesem Augenblick der Gemeinsamkeit rund um ein Lichtermeer als Symbol des Kampfes gegen religiösen Fanatismus und den Bruch der Regeln des Gesetztes, war Frankreich geeint auf dem Place de la République. Vorneweg geleitet von 50 Staats- und Regierungschefs. Ein Bild, das es so noch nicht gegeben hat. Dieser eindrückliche Moment zeigt, dass wir noch nicht verloren haben und auch nicht verlieren werden im Kampf gegen den Terrorismus. Dazu ist der Zusammenschluss aller ist jetzt notwendig. Genauso ist es unsere Verpflichtung, gute Antworten für die Sicherheit der Bevölkerung in der demokratischen Gesellschaft zu finden. Die französische Politik muss aufwachen und sich neu definieren. Das bedeutet nicht zuletzt einen Sinneswandel. In diesem Land darf keine Gruppierung für das angegriffen werden, was sie darstellt. Gleichgültigkeit ist jetzt nicht mehr möglich. Die nationale Einheit bedeutet nicht Gleichheit, sondern den Respekt vor allem, was uns zu den Menschen macht, die wir sind.“

Fuchs-Briefe
Vom 12. Januar 2015


Terror in Frankreich
„Der Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo sowie die größte Demonstration in der Geschichte Frankreichs, an der auch über 50 Staats- und Regierungschefs in Paris teilnahmen, findet in den Medien der ganzen Welt seinen Niederschlag. Interessant sind die Unterschiede: Wie eine Analyse von Twitter zeigt, war das Interesse in Westeuropa und den USA groß, nicht aber in Russland und im (frankophonen) Nordafrika. Während viele deutsche, aber auch südeuropäische Medien die umstrittenen Mohammed-Karikaturen abbildeten, zeigte kein angelsächsisches Medium die Karikaturen oder verpixelte sie. Die ‚Washington Post‘ erklärt, sie wolle keine religiöse Empfindlichkeiten verletzen. Auch in keinem moslemischen Land konnten die Leser die Karikaturen sehen, um die es bei dem Anschlag ging. So bleibt Europa der einzige Kontinent, in dem die Meinungsfreiheit über der Religionsfreiheit steht. Eine breite Debatte findet über die sicherheitspolitischen Konsequenzen aus dem Anschlag statt. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán sieht seine Abgrenzungspolitik bestätigt. In Rumänien werden massive Einschränkungen des Briefgeheimnisses und die Vorratsdatenspeicherung diskutiert. In Deutschland wird die Zusammenarbeit mit der amerikanischen NSA rehabilitiert. Künftig sollen Ausbildungsreisen in Terrorcamps unter Strafe stehen. Frankreich fürchtet weitere Anschläge und rüstet mit 10.000 zusätzlichen Soldaten als Sicherheitskräfte auf. Der konservative Le Figaro meint nach den zahlreichen Pannen der französischen Sicherheitsdienste: ‚Der Krieg ist da, wir müssen ihn gewinnen.‘ Die prekäre Sicherheitslage wird von den Innenpolitikern zum Ausbau der Bürgerüberwachung genutzt.“


Schulterschluss gegen Gewalt und Unterdrückung

Der Schulterschluss der Politiker und Religionsführer weltweit, nicht nur das eindrückliche Foto, das rund um den Globus ging – ob gestellt oder nicht – macht Mut. Denn bei allem Schrecklichen, was passiert ist, sehe ich hier eine Riesen-Chance, jetzt für ein tolerantes und respektvolles Miteinander einzutreten. Und zwar, indem die verschiedenen Kulturen und Religionen friedlich aufeinander zugehen und sich gegenseitig akzeptieren.

So kann man der Gewalt, die auch im Fall Paris nicht vom Islam motiviert war, der genauso wie das Christentum, das Judentum, der Buddhismus oder Hinduismus den Frieden predigt, sondern von fundamentalistischen Extremisten geplant und ausgeführt wurde, etwas entgegensetzen. Ich habe jedenfalls die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander, auch wenn der Weg dorthin noch weit ist. Wir sollten jedoch bedenken, dass das im ganz Kleinen, in der persönlichen Begegnung anfängt.

Ich wünsche Ihnen viele versöhnliche und bereichernde Begegnungen.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Airbus-Chef Thomas Enders äußerte sich gegenüber der WirtschaftsWoche folgendermaßen zum Terror von Paris: „Über die Folgen des Anschlags möchte ich nicht spekulieren. Aber wir müssen unsere eigene Sicherheitsvorsorge auf den Prüfstand stellen. Fest steht aber auch: In freien und offenen Gesellschaften gibt es keine absolute Sicherheit. Das sollten wir uns von niemandem vorgaukeln lassen. Wenn es gelingt, Menschen mit Respekt zu behandeln, ihnen Jobs anzubieten, Integration in Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen, dann hätten wir schon einen wichtigen Beitrag gegen den Terror geleistet. Mit Polizei und Justiz allein wird es nicht gehen.“





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