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Ausgabe vom 05. November 2014


  • 25 Jahre nach dem Mauerfall – Wie einheitlich fühlt sich Europa?


  • Zitat der Woche
     

 


25 Jahre nach dem Mauerfall –
Wie einheitlich fühlt sich Europa?



  



von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Bahn streikt – mal wieder, und das gleich vier Tage am Stück. Da kann kaum noch ein Pendler Solidarität aufbringen. In den USA wurde Präsident Barrack Obama ins Off gewählt. Der DAX hat kräftig aufgeholt und ist mit einem Plus von über 1% in den Tag gestartet, der wohl der Tag der zweiten Reihe wird, denn das Augenmerk liegt heute auf den Quartalszahlen einiger bedeutender MDAX-Unternehmen.

Das ist bezeichnenderweise die Ausgangslage, aus der heraus ich mich heute einem Thema zuwenden möchte, das sicher viele von Ihnen auch in persönlicher Hinsicht berührt: Am 09. November jährt sich der Mauerfall in Berlin zum 25. Mal. Wo stehen wir heute, eine ganze Generation weiter mit dem Einheitsgedanken?

25 Jahre Mauerfall

Dass die Mauer in den Köpfen noch nicht wirklich gefallen ist, das bekommen wir immer wieder zu spüren, auch die jungen Leute.Und man kann davon ausgehen, dass das mindestens noch eine weitere Generation dauert. 40 Jahre grundverschiedenen Systeme, das lässt sich nicht so einfach wegwischen. Die Menschen wurden unterschiedlich geprägt. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht hat Deutschlands Osten noch nicht ganz aufgeholt.

Nun, all das wissen wir. Mich interessiert deshalb mehr das europäische Gesamtbild als das deutsche. Auch in Europa, sollte man meinen, sei zusammengewachsen, was zusammengehört. Es gibt ein Europäisches Parlament, eine gemeinsame Währung. Und dennoch durchweht ein Hauch von Separatismus die EU.


Schließt sich der Kreis…

Und hier schließt sich der Kreis zur oben beschriebenen heutigen Ausgangssituation: Alles verläuft zyklisch, das Leben, die Politik, die Börse. Mal gibt es Einigung, mal nicht, mal ist ein Politiker hoch angesehen, mal wird er vom Sockel gestürzt, mal stürzt der DAX ins scheinbar Bodenlose, mal erholt er sich rasant, mal steht der Einheitsgedanke im Vordergrund, mal der Wunsch nach Autonomie.

… oder folgt auf Einheitsbestreben Separatismus pur?

In vielen EU-Staaten haben separatistische oder sezessionistische Bewegungen einen großen Zulauf. Der Wunsch nach neuen Grenzen und mehr Autonomie zeigt: Europa fehlt die Idee. Sehr deutlich sichtbar wurde das erstmals, als das schottische Volk im September vor die Wahl gestellt wurde, unabhängig zu sein. Gut, dass die Entscheidung, wenn auch knapp, zugunsten der britischen Einheit gefallen ist.

Berlin wird am nächsten Sonntag wohl zur Insel des seligen „Entgrenzens“ in einem Europa der neuen Sollbruchstellen sein. So findet ebenfalls an diesem Tag in der nordspanischen Provinz Katalonien eine Abstimmung über die Abgrenzung von Spanien statt. Das spanische Verfassungsgericht hat das Referendum zwar verboten. Doch die Katalanen werden einen Weg an die Urnen finden, um zu zeigen: Wir wollen unabhängig werden.

Mit dem Baskenland bekundet auf der iberischen Halbinsel gleich eine zweite nördliche Region lautstark ihre Abspaltungswünsche. Das norditalienische Veneto sammelt fleißig Spenden, um die Selbstständigkeit schon einmal finanziell vorzubereiten. Vertreter eines unabhängigen Flandern sitzen seit einigen Wochen im belgischen Parlament.


Alles steht und fällt mit der Wirtschaftskraft

Es ist kein Zufall, dass es die wirtschaftlich starken Regionen sind, die sich auf die eigenen Füße stellen wollen. So sitzen die Schotten auf großen Ölvorräten in der Nordsee. Nach einer Abspaltung von Großbritannien hätten sie die Milliardeneinnahmen aus dem Ölgeschäft allein verbuchen können.

Katalonien trägt etwa 20% zur Gesamtwirtschaftsleistung Spaniens bei. Von jedem Steuer-Euro, den die Region zahlt, bekommt sie 57 Cent zurück, der Rest geht in den Finanzausgleich für die ärmeren Regionen Spaniens. Ein Zustand, den viele Katalanen als „Steuerplünderung" bezeichnen. Sie wollen endlich auch fiskalpolitisch unabhängig werden.






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Die Grenzen des (Zusammen-) Wachsens
 
Die Europa-Idee löst scheinbar keine Fantasie mehr aus, nicht an den Märkten und auch nicht bei den Menschen. Die Gegenbewegungen, die wir derzeit beobachten, setzen wieder auf den Dreiklang des Nationalstaats: Volkszugehörigkeit, geografische Abgrenzung, Selbstbestimmung. Grenzen werden immer dort besonders vehement neu gezogen, wo Entgrenzung das Leben unübersichtlich macht. Man wünscht sich die Welt kleiner und überschaubarer, nicht größer.

Das war im geteilten Deutschland anders: Hier hatte der Wunsch des Zusammenwachsens eine emotionale Basis. Immerhin waren Familien getrennt, Freunde konnten sich nicht – oder nur unter äußerst schwierigen Bedingungen – besuchen.

Ich selbst erinnere mich noch an die lästigen Grenzüberquerungen von West nach Ost und umgekehrt, mit stundenlangem Warten, wonach man dann sein durchsuchtes Auto wieder zusammenbasteln und weiterfahren durfte. So ist es sicher vielen von Ihnen ergangen. Ein beklemmendes Gefühl. Was lag da näher als der Wunsch nach Einheit, einfach dass zusammenwächst, was zusammengehört.  


Wo die emotionale Basis fehlt, muss Wohlstand der Antrieb sein

Doch wie sieht das für die EU aus? Was kann hier der Treiber für den Einheitswunsch sein? Sicher nicht gemeinsame familiäre Wurzeln, eine gemeinsame Sprache oder Kultur. Nein, hier sind auf Dauer nur Wachstum und Wohlstand die Zutaten für den Wunsch nach Integration. So viel europäischer Realismus muss sein, auch wenn die Gründungsväter der Europäischen Gemeinschaft es gern emotionaler gehabt hätten.

So müssen die EU-Mitgliedsstaaten nun alles daran setzen, solide Staatsfinanzen, Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit und transparente Sanktionsmechanismen vorzuweisen, damit unsere Landkarte nicht wieder ins düsterste Mittelalter zurückfällt. Es steht und fällt also alles wieder mit der Wirtschaft.

Wie beurteilen Sie den Mauerfall 25 Jahre danach und was halten Sie von den Separatistenbewegungen in der EU. Ihre Meinung interessiert mich wie immer unter Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Der geplante Rekordstreik der Deutschen Bahn kostet die Wirtschaft nach Forscher-Prognosen einen dreistelligen Millionenbetrag. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erwartet bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen in der Industrie Produktionsunterbrechungen. So könnten die Schäden von einstelligen Millionenbeträgen auf über 100 Mio. Euro pro Tag ansteigen. Ob das nicht auch den Bahn-Mitarbeitern mehr schadet als nutzt, ist hier die Frage. Zur Stärkung der Konjunktur trägt diese Maßnahme sicher nicht bei.






Zitat der Woche



„Die Finanz- und Euro-Krise haben Europa die dämpfenden Fettpölsterchen von den dürren Knochen gefressen. Jetzt liegt das Skelett ziemlich blank und offenbart Ermüdungsbrüche.“

Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche




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