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Ausgabe vom 23. Oktober 2014


  • Fahrspaß als krisensichere Investition – Tipp für Leute mit Hang zur Extravaganz


 

Fahrspaß als krisensichere Investition –
Tipp für Leute mit Hang zur Extravaganz

  



von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in Zeiten von Niedrigzinsen suchen Anleger neben Aktien immer wieder nach einer Geldanlage, mit der sie eine sichere und renditeträchtige Einnahme erzielen können. Richtig sichere Geldanlagen im herkömmlichen Sinn scheint es nicht mehr zu geben, denn heutzutage kann es sogar passieren, das Anleihen von Emittenten mit bester Bonität ausfallen können.

Aber es gibt auch in diesen Tagen noch ausgefallene Möglichkeiten, sein Geld zu investieren - und zwar in alternative, man könnte auch sagen extravagante Kapitalanlagen. Diese erfreuen sich in so unsicheren Zeiten immer größerer Beliebtheit.

Eine dieser alternativen Anlagemöglichkeiten ist die Investition in Kraftfahrzeuge, die als Oldtimer zu bewerten sind. Oder anders ausgedrückt: Eine Investition mit einem Hauch von Luxus, für die man allerdings auch ein Faible haben sollte, denn dabei kommt für echte Liebhaber auch der Spaßfaktor nicht zu kurz.


Vom „verschrobenen“ Hobby zur anerkannten Wertanlage

Galt der Kauf von Oldtimern vor einigen Jahren noch als versponnenes Hobby von älteren Herren, sind Oldtimer mittlerweile eine Form der Kapitalanlage, die vor allem in Krisenzeiten enormen Zulauf findet. Auf Online-Marktplätzen wie zum Beispiel „Classic Trader“ oder „Casablanca“ kann man sich die ganze Vielfalt des Oldtimer-Marktes ansehen. Dort kann man sich dann von zu Hause aus informieren, zu welchem Preis und in welchem Zustand es den persönlichen Herzens-Klassiker gibt.

Oldtimer oder Youngtimer - Das begehrte H auf dem Nummernschild

Ein echter „Oldtimer“ bekommt ein „H-Kennzeichen“, wenn er für den Straßenverkehr zugelassen wird, d. h. sich in entsprechend gutem und verkehrstauglichem Zustand befindet. Außerdem muss er seit seiner Erstzulassung 30 Jahre alt sein. Dass so viel über die Grundlagen des H-Kennzeichens gesprochen wird, hat gute Gründe. Schließlich ist das schwarze H auf dem Nummernschild Statussymbol, Sparschwein und Türöffner zugleich.

Als „Youngtimer“ hingegen werden Fahrzeuge bezeichnet, die mindestens 20 Jahre alt sind. Auch diese Modelle, man denke an die Golfreihen, die beispielsweise in meiner Jugendzeit bei jungen Leuten sehr beliebt waren, werden bereits als Wertanlage betrachtet. Schließlich werden auch diese älter. 

Rund 450.000 über 30-Jährige unter den „liebsten Kindern der Deutschen“ waren allein im vergangenen Jahr auf heimischen Straßen zugelassen. Der Handel ist entsprechend rege und für fast jedes Modell lassen sich die Angebotspreise mühelos recherchieren. Zum Beispiel das Internet-Portal „Classic Analytics“ bietet seinen Kunden annähernd echte Marktpreise für ihre Autos. Die Preise werden dort anhand von Auktionen, persönlichen Händler-Kontakten und Angeboten in Fachzeitschriften berechnet.


DOX statt DAX

Es gibt ihn, den Deutschen Oldtimer Index (DOX), der vom Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) herausgegeben wird. Im vergangenen Jahr ist er erneut gestiegen und zwar um satte 8,1%. Die Preise von 88 Fahrzeugen fließen in diesen Index ein, der auf Basis von Daten des Marktbeobachters „Classic-Tax“ erstellt wird. Die ausgewählten Klassiker sollen aufgrund ihrer Spezifikationen, ihres Herstellerlandes sowie ihrer Häufigkeit den deutschen Oldtimer-Markt repräsentativ abbilden.

Über 20% Rendite durchschnittlich im Jahr

Aber betrachten wir die Wertentwicklung einmal anhand eines einfachen Beispiels, das sicher ein jeder (zumindest die „älteren Semester“ unter uns) kennt - wenn nicht aus eigener Erfahrung, dann doch zumindest aus einem guten alten Heimatfilm. Es geht um die BMW Isetta 300 (13PS) aus dem Jahr 1958. Das Fahrzeug kostete damals 2.890 D-Mark.

Heute wird der „kleine Flitzer“ mit der legendären Frontklappe, der ursprünglich in der Nachkriegszeit als sogenanntes „Motocoupé“ – also irgendwo zwischen Motorrad und Auto – eingeordnet wurde, bei „Classic Trader“ mit 50.000 gefahrenen Kilometern für 19.900 Euro angeboten. Das entspricht einer Wertsteigerung von ca. 1.330% in 56 Jahren.

Natürlich fallen uns allen ad hoc noch viel gewinnbringendere und elegantere Modelle ein. Aber genau an diesem Beispiel sieht man sehr schön, was man in dieser Branche schon im Dreiradmodus verdienen kann. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Mein persönlicher Favorit: der Mercedes Cabrio/Roadster Oldtimer 190 SL, Bj. 1955. Gerade habe ich ihn im Internet – in silbergrau mit roten Ledersitzen! – für 169.900 Euro entdeckt. Ein schwacher Trost: Die Cabrio-Saison ist ja sowieso vorbei…


Garagengold - Die Entdeckung des Autos als Anlageobjekt

Durch die Entdeckung des Oldtimers als Anlageobjekt sind die Preise natürlich in die Höhe geschossen und teilweise kaum noch bezahlbar. Es sei denn, man ist bereit, wirklich viel Geld in die Hand zu nehmen. Anders ist die Lage bei Fahrzeugen, die unter 30 Jahre alt sind, den Youngtimern eben. Sie gelten noch als günstige Gebrauchtwagen. Aber auch ihr Wert wird in Zukunft voraussichtlich stark ansteigen.

Der Wertverlust von Youngtimern geht praktisch gegen null, denn die Fahrzeuge sind verhältnismäßig günstig zu erwerben und mit kleinen Investitionen in Reparatur und Instandhaltung – gerade für Bastler – eine vielversprechende Wertanlage. Allerdings ist beim Kauf Vorsicht geboten, denn die Grenze zwischen intaktem Sammlerstück und Rostlaube ist fließend.

Deshalb empfiehlt auch der Automobilclub von Deutschland (AvD), sich vor dem Kauf ausführlich zu informieren. Dazu gehört ein Austausch mit szenekundigen Besitzern genauso wie die Suche in Kleinanzeigen in Zeitungen und im Internet auf einschlägigen Auto-Portalen. Auch der Blick eines Fachmannes unter die Motorhaube empfiehlt sich in jedem Fall.

So, jetzt habe ich Ihnen den Fahrspaß mit Hang zur Extravaganz sicher zur Genüge schmackhaft gemacht. Wie Sie damit ver-fahren, bleibt nun Ihnen überlassen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihre

Martina Bisdorf

PS: An dieser Stelle möchte ich mich heute ganz herzlich für die außerordentlich vielen Zuschriften zu meinem gestrigen Newsletter mit dem Thema „Bankenstresstest“ bedanken. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich die E-Mails nicht alle persönlich beantworten kann. Deshalb möchte ich hier anmerken, dass die meisten Leser, ähnlich wie auch viele Experten, dem Bankenstresstest eher kritisch gegenüberstehen und seine Wirksamkeit im Hinblick auf den Schutz des Steuerzahlers bezweifeln. Dennoch ist der allgemeine Tenor unserer Leserschaft, dass die gemeinsame Bankenaufsicht und der Test ein Anfang sind, die Lage zu verbessern.

PPS: Wie heute früh in den spanischen Medien berichtet wurde, haben wohl alle deutschen Banken den Stresstest bestanden. Am Sonntag gibt es dann das offizielle Ergebnis.
 




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