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Ausgabe vom 15. Oktober 2014


  • Terrorismus und Islamismus – Wie gefährdet ist die Weltwirtschaft? 

  • Zitat der Woche
       

 

Terrorismus und Islamismus – Wie gefährdet ist die Weltwirtschaft?     


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Wirtschaftsnachrichten der vergangenen Tage und Wochen wirken auf viele von uns beängstigend: Sämtliche Konjunkturdaten weltweit werden nach unten korrigiert, der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte letzte Woche bei seiner Tagung in Washington vor einer neuen globalen Wirtschaftskrise und senkte seinen Ausblick abermals. Die Zahlen kennen Sie.

Nichtsdestotrotz bleibt unter dem Strich immer noch Wachstum und man meidet es in Wirtschaftskreisen bislang strikt, den globalen Konjunkturabschwung mit den Ereignissen im Nahen Osten in Zusammenhang zu bringen. Warum eigentlich?

Sicher wähnt man den Irak und Syrien weiter weg als die Ukraine und Russland, auf deren geopolitische Krise und die damit verbundenen Sanktionen ein Großteil des Konjunkturabschwungs geschoben wird – nicht ganz zu unrecht. Dennoch werden die Folgen des „IS“-Krieges – früher oder später - für die ganze Welt spürbar werden.


„Zynisch wirkt Wirtschaft…“

…, wenn sie selbst übelste Grausamkeiten in diesen kriegerischen Zeiten kalt zu lassen scheint“, lese ich in der WirtschaftsWoche. Das macht mich nachdenklich. Da morden und brandschatzen sich radikale Islamisten durch den Irak und Syrien, ohne dass der Ölpreis Kapriolen nach oben dreht. In der Grauzone der Illegalität gelingt es der Terrormiliz sogar, das im Nordirak erbeutete Öl zu Geld zu machen und davon Waffen zu kaufen.

Paradoxerweise ist der Ölpreis seit Juni dieses Jahres um 28 Dollar auf inzwischen 87 Dollar pro Barrel gesunken, anstatt - wie erwartet - zu steigen. Die umkämpfte Region im Nahen Osten hat immerhin einen Anteil von 32% an der Weltproduktion und verfügt über 48% des gesicherten und wirtschaftlich nutzbaren Erdölvorkommens.


Das Investitionsklima leidet

Der Ölpreis wird laut Experteneinschätzung erst einmal stabil bleiben. Was allerdings leiden könnte, ist das Investitionsklima in den Nachbarstaaten des Kriegsgebiets. Betroffen ist dann etwa der Libanon, wo der Aufschwung der vergangenen zwei Jahrzehnte durch Angriffe von Islamisten (wie vergangene Woche erstmals geschehen) und den Kampf zwischen Schiiten und Sunniten massiv Schaden nehmen könnte.

Das Szenario einer flächendeckenden Ausbreitung der fanatischen Kämpfe, das keineswegs unrealistisch ist, hätte nun wieder gravierende Folgen für westliche Unternehmen. So haben deutsche Anlagenbauer 2013 in Nahost Großanlagen wie Chemie- oder Kraftwerke für 2 Mrd. Euro verkauft, womit sie ihr Minus im Asien-Geschäft zum Teil kompensieren konnten.


Auswirkungen für Luftfahrt befürchtet

Bleiben wir im Land. Hier wächst die Angst, dass der Terror schon bald auch bei uns ankommt. Die Luftfahrtbranche ist in Alarmbereitschaft. Bislang veranschlagen die Airlines 450 Mio. Euro pro Jahr für die Luftsicherheit. Verschärfungen von Kontrollen, nicht zuletzt auch wegen der Ebola-Gefahr, und damit verbundene Mehrkosten werden erwartet. Außerdem könnte der „IS“-Terror die Fluggesellschaften zwingen, riskante Lufträume zu umfliegen. Auch das würde Mehrkosten verursachen.

Flüchtlingswellen werden wachsen

Seit Sommer vergangenen Jahres sind fast 30.000 syrische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Mit mehr als 3.000 Asylsuchenden pro Monat stellen die Syrer die größte Flüchtlingsgruppe. Der Zustrom der Flüchtlinge aus dem Irak nimmt ebenfalls zu. Allein im Juli waren es mehr als 1.600. Es ist eine humanitäre Selbstverständlichkeit, für diese verzweifelten Menschen zu sorgen.

Fakt ist aber auch, dass das viel Geld kostet. Für jeden Flüchtling gibt der deutsche Staat jährlich rund 11.600 Euro aus. Da inzwischen Syriens Nachbarn, der Libanon und die Türkei, die Flüchtlingsströme von je 1 Mio. Menschen nicht mehr verkraften, hilft Berlin mit 145 Mio. Euro auch dort weiter.


Kosten - Aber auch Chancen für Unternehmen

Hier wird es wieder paradox: Es werden horrende Kosten auf den Steuerzahler und auch auf manches Unternehmen zukommen. Aber es wird auch Profiteure geben – und das schon während der militärischen Auseinandersetzungen – so etwa in der Rüstungsindustrie.

Der Münchner Rüstungshersteller Cassadian beispielsweise, eine Tochter der europäischen Airbus-Group, baut Drohnen und Lenkflugkörper und liefert Systeme zur Grenzsicherung, etwa an Saudi-Arabien. Ein Auftragsvolumen von 1,2 Mrd. Euro hat dort allein die Sicherung der 1.500 Kilometer langen Nordgrenze.

Aber eines ist gewiss: Die Welt wird sich weiterdrehen und auch die globale Konjunktur wird sich wieder erholen.
 

Die Welt wird sich weiterdrehen

Und nach den Kriegen wird es einen Wiederaufbau der zerbombten Regionen geben, so wie wir das jetzt schon in Gaza sehen. Hier sind Gelder aus dem internationalen Ausland gefragt. Aber auch das bedeutet wieder: Aufträge für die Bauindustrie, für Unternehmen aus der Gesundheitsbranche, für Anlagen- und Maschinenbauer etc. So grausam das auch klingen mag, es ist der ewig bekannte Lauf der Dinge.

Nach dieser Gesetzmäßigkeit funktioniert das Leben und damit auch der Zyklus der Wirtschaft schon seit Jahrhunderten. Nach dem Ab gibt es ein Auf und nach der Zerstörung wird es einen Wiederaufbau geben.

So erleben wir es augenblicklich auch an den Börsen, die sich in einer Korrekturphase befinden, in der sich der Aufwärtstrend schon zum Greifen nah abzeichnet. Derweil sind wir Anleger auf den Plan gerufen, uns unaufgeregt als „Schnäppchenjäger“ auf die Suche nach günstigen Perlen zu machen.
 

Angst kostet Freiheit und Handlungsfähigkeit…

… lehrt uns die Psychologie. Aber gerade die liberale Tatkraft ist in unsicheren Zeiten gefragt. Oder, was hätten die „Trümmerfrauen“ nach dem Zweiten Weltkrieg sagen sollen, als es galt, das Land wieder aufzubauen. Eine bewundernswerte und beispielhafte Generation übrigens, der ich mit Hochachtung begegne, meine beiden Großmütter und Großväter eingeschlossen, die Hervorragendes geleistet haben.

Und genau deshalb sollten wir angesichts der sicher nicht schön zu redenden Ereignisse rund um den Globus nicht verzweifeln, sondern mit dem gebotenen Optimismus der notwendigen Tatkraft in die Zukunft schauen.

Welchen Blick haben Sie auf die Weltwirtschaft? Schreiben Sie mir unter Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com
.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre

Martina Bisdorf

PS: In einem Interview mit dem Anlegermagazin WirtschaftsWoche äußert sich der Psychologe und Wirtschaftsprofessor Alois Stutzer auf die Frage, warum wir Menschen so viel Angst vor Terroranschlägen hätten, wie folgt: „Neue Risiken erhalten in den Medien eine viel höhere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung verzerrt die Wahrnehmung.“ Lassen Sie sich also nicht von den Medien verängstigen, das hilft keinem weiter. Vertrauen Sie, gerade bei Ihrer Anlagestrategie, auf den Rat erfahrener Experten, die allesamt die Marktlage relativ gelassen sehen.





Zitat der Woche


„Die Forschung zeigt, dass Menschen, die nicht direkt bedroht sind – also wie die Deutschen - in solchen Situationen eher sparen. Sie wollen sich absichern, weil turbulente Zeiten bevorstehen. Menschen aus den Krisengebieten reagieren anders. Sie konsumieren stärker, denn wer baut schon ein Haus, wenn es morgen vielleicht zerstört wird.“

Alois Stutzer, Psychologe und Wirtschaftsprofessor an der Universität Basel






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