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Ausgabe vom 01. Oktober 2014


  • Die Regenschirm-Revolution fordert Peking heraus
  • Zitat der Woche    

 

Die Regenschirm-Revolution
fordert Peking heraus 


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gestern noch hat Ihnen Dieter Wendt über den Wettkampf zwischen den zwei reichsten Männern Chinas berichtet. Und dass die Gigantomanie bei Chinas Unternehmen extreme Ausmaße annimmt.

Ja, bei den wirtschaftlichen Entwicklungen könnte man fast meinen, dass China sich dem westlichen Kapitalismus mittlerweile mehr verschrieben hat als einige europäische Länder. China ist ja heute auch kein ökonomischer Zwerg mehr, sondern die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Doch schon vor einigen Jahren warnte mich Jürgen Schmitt: „Pass auf Martina, noch scheint alles rosig im Land der aufgehenden Sonne. Doch schon bald wird es zu Demonstrationen kommen. Spätestens wenn die Leute merken, dass es mit Ihrer Freiheit nicht sehr weit her ist, weil der chinesische Staat überall seine Finger drin hat. Dann wird ihnen klar, dass sie von vorne bis hinten veräppelt worden sind und die angebliche Freiheit nur eine leere Luftblase ist. Und dann werden sie für ihre Rechte auf Demokratie kämpfen.“

Es brodelt in China an vielen Ecken und Enden

Ich erinnere mich noch gut an seine Worte. In der Vergangenheit hat es ja auch schon einige Mal ganz schön gebrodelt. Denken Sie nur an das Tian’anmen-Massaker am Platz des Himmlischen Friedens vor 25 Jahren.

Wie Recht Jürgen Schmitt mit seinen Worten hatte, sehen Sie jetzt sehr schön an den Entwicklungen in der Sonderverwaltungs-Zone Hongkong …

Die seit Monaten aufgestaute Wut der jungen Hongkonger Schüler und Studenten entlädt sich jetzt in immer größeren Demonstrationen. So protestieren Tausende seit Tagen auf den Straßen Hongkongs und fordern mehr Demokratie. Aus diesem Grund besetzten die Demokratiebefürworter letzten Sonntag den Hongkonger Finanzbezirk. Die Polizei versuchte die Masse sogleich mit Tränengas und Pfefferspray auseinanderzutreiben. Doch ohne Erfolg.

Der Regenschirm wird zum Symbol der Hongkonger Demokratie-Bewegung

Schon wird von der „Regenschirm-Revolution“ gesprochen, da viele Demonstranten versuchen, sich mit Regenschirmen vor Pfefferspray und Tränengas zu schützen. So sind die Regenschirme das Symbol dieser Bewegung geworden. Anführer dieses Aufstandes ist der 17-jährige Schüler Joshua Wong.

Um die Wut der Schüler und Studenten zu verstehen müssen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen. Hongkong war bis 1997 britische Kronkolonie. Bei der Rückgabe an China 1997 versprach die Pekinger Regierung der Stadt Autonomie und eine freie Wahl des Regierungschefs.

De Facto sieht die Lage jedoch ganz anders aus. Und das ist auch der Grund für die Auseinandersetzungen, nämlich die Forderung nach freien Wahlen. So wollen die Hongkonger ihren Kandidaten für den neuen Regierungschef bei der Wahl im Jahre 2017 selbst auswählen und nicht irgendeine Marionette von Peking vorgesetzt bekommen. Denn bis heute ist eine Kandidatur von Regierungskritikern praktisch unmöglich.

Außerdem fordern sie, dass Hongkongs unfähiger Verwaltungsdirektor Leung Chong-ying zurücktreten soll. Die Konfrontation mit Peking ist demnach vorprogrammiert.

Heute am 1. Oktober 2014 ist Nationalfeiertag in China. Gefeiert wird der Jahrestag der Staatsgründung. Vor 65 Jahren, am 1. Oktober 1949, verkündete Mao Tse-tung auf dem Tor des Himmlischen Friedens in Peking die Schaffung der kommunistischen Volksrepublik. Die chinesische Zentralregierung lässt den Nationalfeiertag immer groß feiern, auch in Hongkong. Jedes Jahr kommen zu diesem Anlass chinesische Parteiführer in die Stadt.

Noch sind die Proteste in Hongkong friedlich, doch der Ton wird schärfer

Viele Demonstranten gehen daher davon aus, dass die besetzten Plätze wegen der Festivitäten geräumt werden, und bereiten sich entsprechend vor. Zahlreiche Barrikaden sollen die Räumung erschweren. Es ist völlig unklar wie Peking reagieren wird, wenn die Proteste eskalieren. Soviel ist aber sicher, bisher war die chinesische Regierung mit großer Härte gegen Andersdenkende vorgegangen.

In Peking hingegen erfahren die Menschen kaum etwas über die Proteste. Man munkelt sogar, dass die KP-Führung Facebook und Instagram abgeschaltet hat. Allein aus Angst, dass die Unruhen nach China überschwappen könnten. Die Situation in Hongkong ist für China sehr bedrohlich. Peking befürchtet, dass die Proteste Signalwirkung haben.

Der Hang Seng verliert 1,2%

Natürlich verunsichern diese Aussichten die Anleger an den asiatischen Aktienmärkten. Gestern verzeichnete der Leitindex Hang Seng in Hongkong einen Rückgang von 1,2%. Das ist das größte Minus in der Region. Immerhin gehört die Stadt zu den wichtigsten Finanzplätzen weltweit. Auch der Handel zwischen der Volksrepublik und dem Westen wird größtenteils über Hongkong abgewickelt.

Wie sehen Sie die Proteste in Hongkong? Finden Sie, dass China sich richtig verhält? Wie passt das Bild zweitgrößte Volkswirtschaft und Verbot freier Wahlen für Sie zusammen? Ich bin wie immer gespannt auf Ihre Meinung. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail an Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Seit gestern erlaubt China übrigens den direkten Umtausch zwischen dem Yuan und dem Euro. Dies solle die Finanzbeziehungen zwischen China und der EU vereinfachen. Na hoffentlich kommt China in Hongkong bald zur Vernunft, sonst sehe ich hier statt Finanzbeziehungen sehr schnell Sanktionen seitens anderer Länder.


Zitat der Woche

„Nach 1997 sollten wir den Hongkongern weiter erlauben, die Chinesische Kommunistische Partei und China zu kritisieren. Aber was ist, wenn sie ihre Worte in Taten umwandeln und versuchen sollten, Hongkong unter dem Vorwand der Demokratie in einen Stützpunkt der Opposition gegen das Festland umzukehren? Dann hätten wir keine andere Wahl, als zu intervenieren.“

Der verstorbene Pekinger Politiker Deng Xiaoping im April 1987


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