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Ausgabe vom 24. September 2014


  • Schwer im Trend und lasterhaft schön – Lassen Sie sich von den neuen Nutzfahrzeugen betören

  • Zitat der Woche  


 

Schwer im Trend und lasterhaft schön – Lassen Sie sich von den neuen Nutzfahrzeugen betören


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auf dem Messegelände in Hannover ist derzeit alles groß, größer, am größten. Denn die wichtigste Nutzfahrzeugmesse der Welt lockt alle Branchen-Riesen aus dem Nutzfahrzeugbereich an. Eindrucksvoll und facettenreich werden aber auch die Branchen-Nischen gezeigt. Bei DAF, Daimler, Volvo, MAN, Renault, Scania, IVECO und Co. dominieren die neuesten Lkw-Generationen vom kleinen Verteiler bis hin zum Schwerlast-Truck die Stände.

Nach den Pressetagen, die gestern begannen, schiebt sich schon heute neugierig der erste Publikumsverkehr durch die Hallen, in denen noch fleißig getackert, gewienert und nachlackiert wird. Morgen ist es dann so weit: Jeder, dem das Tagesticket 22 Euro wert ist, kann sich die neuen Brummis anschauen. Und das dürfte nicht nur die (kleinen) Jungs in den Bann ziehen.


Spektakuläre Hingucker machen Laune

Hingucker gibt es beinahe an jeder Ecke. Bei Daimler brüllt der Optimus Prime, der Truck aus dem Kinostreifen Transformers 4, die Besucher oben herab an. Draußen vor der Halle lockt ein besonderer Actros 2551 L. Der grüne Truck gehört dem Finnen Mika Auvinen und hat mit seinem Showstar-Outfit schon mehrere Preise abgeräumt. Im normalen Leben befördert er aber schnöden Zement durchs Land.

Kaum 30 Meter weiter scheint die Welt wieder kleiner zu werden. Auf einer Miniaturbaustelle schaufeln Mini-Bagger ferngesteuert emsig Sandhaufen auf kleine Lkw. Trucks und Truck-Teile light sind in den Zulieferer-Hallen schwer angesagt - Leichtbau an Chassis, Anbauteilen und Kabinen. Schließlich bedeutet weniger Gewicht am Fahrzeug mehr Nutzlast und eine bessere Ökonomie.

Laster, die auf Lastern reisen, Allesüberwinder und weitere Spezialfahrzeuge füllen die Hallen. Dazwischen schieben sich immer wieder sportliche Modelle, die sich schon auf der legendären Dakar-Rally bewährt haben. Besonders faszinierend sind immer wieder Technikexponate, die sogar eine gewisse Ästhetik verströmen. Die dicken Dinger haben eben mitunter ihre ganz eigene lasterhafte Schönheit.


Trend zum Autopiloten-Truck

Und diese ist nicht zu unterschätzen. Was aber wirklich punktet, sind vor allem der technische Fortschritt und die Energieeffizienz. Der Trend geht ganz klar zum ferngesteuerten Laster, der in der Zukunft sowohl dem Verkehrskollaps auf den Straßen als auch der steigenden Zahl an Brummi-Unfällen entgegenwirken soll. So haben die Ingenieure von ZF Friedrichshafen (weltweit führender Technologiekonzern in der Antriebs- und Fahrwerktechnik) einen Gigaliner, 25 Meter lang und 40 Tonnen schwer, aufgerüstet.

Der Fahrer kann ihn mit seinem Tablet-Rechner rangieren ohne in der Kabine zu sitzen – ein Fingerwisch über das Display reicht. Mühelos vollzieht der Lkw schwierigste Fahrmanöver und fährt dabei – weil elektrisch angetrieben – auch noch lautlos und emissionsfrei. Zudem können Erdgasantriebe laut Expertenangaben die Betriebskosten um bis zu 50% senken.

Ein interessantes E-Modell präsentiert VW: Der E-Load Up, der auf der elektrischen Version des Kleinwagens Up basiert, kann immerhin einen Kubikmeter Ladung mit maximal 306 Kilogramm transportieren. Die im Unterboden integrierte Lithium-Ionen-Batterie reicht für rund 160 Kilometer Reichweite. Darüber dürften sich vor allem schon bald Pizzabäcker, Postboten und Kurierdienste freuen.


Lasterhafte Schönheit und technischer Fortschritt können nicht über Absatzprobleme hinwegtäuschen

Um nicht zu sehr ins Schwärmen zu geraten (eigentlich bin ich ja eher von sportlichen Autos angetan), will ich dann mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Bei allen Nischen und Neuerungen in Design und Technik muss man doch darauf hinweisen, dass es künftig Absatzprobleme geben könnte. So war bei dem Nutzfahrzeughersteller MAN, als er gestern seine enge Kooperation mit Scania bekannt gab, nicht nur pure Euphorie zu vernehmen.

Wie die beiden VW-Töchter mitteilten, sollen ab 2016 die Getriebe für MANs Baureihen TGS und TGX sukzessive aus dem Hause Scania kommen. MAN werde im Gegenzug die Getriebesoftware entwickeln. Die Erprobung der ersten Prototypen habe bereits begonnen. In den nächsten zehn bis 15 Jahren, sollen laut Volkswagen durch die Komplettübernahme von Scania mindestens 650 Mio. Euro an zusätzlichem operativem Ergebnis jährlich erzielt werden. Heute wurden allerdings Stimmen laut, bei MAN sei in diesem Zusammenhang mittelfristig ein massiver Stellenabbau zu befürchten.


Ukraine-Krise schadet Lkw-Absatz

Neben dem Kooperations-Deal berichtete Anders Nielsen, Chef der Lkw-Sparte bei MAN, aber auch von Absatzschwierigkeiten in Osteuropa. Die Ukraine-Krise und die damit verbundenen Sanktionen würden den russischen Markt für die westlichen Nutzfahrzeughersteller dieses Jahr erheblich zurückwerfen, so der Manager weiter. Im Vergleich zu 2013 halte er einen Einbruch von mindestens 25% für realistisch, da der russische Markt momentan ins Minus rutsche. MAN hat außerdem einen Standort im russischen Sankt Petersburg.

Trotzdem lockt hier ein Boom-Markt die Player ins Feld. Immerhin werden der Lkw-Branche langfristig beeindruckende Wachstumsraten vorausgesagt. Laut der Prognose des Londoner Analysehausees IHS Automotive werden die Spediteure aus aller Welt bis 2025 mehr als 4 Mio. Lastwagen mit mehr als 6 Tonnen Gesamtgewicht kaufen. Das sorgt für beachtliche Platzkämpfe um die Marktstellung.


Die Schlacht um die Marktführerschaft ist in vollem Gange

Das Analysehaus geht weiter davon aus, dass Daimler seine Nummer-eins-Position noch eine Weile beibehält und die Volkswagen-Gruppe, deren Allianz-Bestrebungen wohl erst in zehn bis 15 Jahren Jahren wirklich greifen werden, auf Platz drei vorrückt. Volvo wird ein vierter Platz vorausgesagt. Den Schweden könnte dazu die Zweckehe mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng nützlich sein, die bereits von der EU-Kommission abgesegnet ist.

Wie auch immer, trotz aller Bemühungen mehr Gütertransport auf die Schiene zu bekommen, wird der Nutzfahrzeug-Markt ein spannendes Feld bleiben. Wer wann die Nase vorn hat, hängt - wie immer - vom richtigen Riecher zum richtigen Zeitpunkt ab. Einen Schritt in die richtige Richtung hat VW mit der MAN-Scania-Allianz sicher gemacht.

Wie sich unser konservativer BÖRSEN-SPIEGEL-Musterdepotwert Volkswagen weiter entwickelt, darüber wird Sie zu gegebener Zeit unser
BÖRSEN-SPIEGEL-Expertenteam rund um Chefredakteur Jürgen Schmitt auf dem Laufenden halten.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Übrigens bietet die IAA Nutzfahrzeuge auch dieses Mal wieder ein interessantes Rahmenprogramm: Von Vorträgen zu den technischen Neuerungen im Softwarebereich über Verkaufstraining, das den Interessierten die unbewusste Seite des Käuferverhaltens näher bringt, bis hin zur Probefahrt mit einem Super-Truck. Vielleicht ist der/die ein/e oder andere neugierig geworden auf die Welt der Trucker. Wenn Sie dort waren, schreiben Sie mir eine E-Mail an Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com  und  erzählen Sie mir von Ihren Eindrücken, wie es um die Branche steht.






Zitat der Woche


„Wir können die Kapazität der Straßen verdoppeln oder gar verdreifachen, wenn der Mensch nicht mehr selbst fährt.“

Sebastian Thrun, Professor an der Stanford-University





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