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Ausgabe vom 10. September 2014


  • Alibaba und die 40 Räuber oder wie China beginnt,
    die USA auf Platz 2 zu verweisen

  • Zitat der Woche 

 

Alibaba und die 40 Räuber oder wie China beginnt, die USA auf Platz 2 zu verweisen 

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

keine Angst, heute geht es nicht um das Märchen aus 1001 Nacht. Nein, Sie ahnen es schon, mein Thema ist heute der größte Börsengang aller Zeiten, den der chinesische Online-Händler Alibaba für Mitte September, (man munkelt am 19. September 2014) angekündigt hat. Mit diesem Börsengang wird alles bisher Dagewesene übertrumpft werden.

Um genügend Gelder einzusammeln, startete Alibaba gestern die Roadshow. Diese wird natürlich mit Argusaugen beobachtet. Schließlich ist das Unternehmen größer als Ebay und Amazon zusammen, ein echtes Schwergewicht also. Doch nicht nur Alibaba möchte ich heute ins Visier nehmen. Das Reich der aufgehenden Sonne setzt nämlich regelrecht zum Sprung an, wenn es darum geht, den USA Platz 1 als Weltleitbörse streitig zu machen. Doch dazu später mehr, jetzt erst einmal zurück zu Alibaba.

Ali Baba und Alibaba – hier gibt es einige Parallelen

Es ist in der Tat kein Geheimnis, dass Alibabas Firmengründer Jack Ma sich beim Namen seines Unternehmens dieses Märchens bedient hat. Denn zwischen Ali Baba und Jack Ma gibt es einige Parallelen. Beide stammen aus einfachen Verhältnissen. Beide haben sich vehement gegen die Konkurrenz durchgesetzt und gewonnen. Ali Baba hat die 40 Räuber schachmatt gesetzt und Jack Ma die Konkurrenz. Und wie Ali Baba hat er es zu einigem Reichtum gebracht. Und dies ist glatt untertrieben, denn Jack Ma ist mittlerweile der reichste Mann Chinas. Es wird geschätzt, dass er über 22 Mrd. Dollar verfügt.

Alibaba ist ein wahrer Goldesel

Kein Wunder, die Online-Plattform Alibaba ist ein wahrer Goldesel. 2013 wurden hier Geschäfte im Wert von 248 Mrd. Dollar abgewickelt. Für 2014 wird gar ein Handelsvolumen von 300 Mrd. Dollar prognostiziert. Etwa acht Millionen Verkäufer bedienen 230 Millionen Käufer.

Im Unterscheid zu Ebay und Amazon bietet Alibaba auch eine Handelsplattform für Firmenkunden. Hier können Firmen bei den Unternehmen beispielsweise Stofftiere oder T-Shirts im großen Stil ordern. Dabei hat Alibaba geringe Kosten, denn Lagerhaltung wie bei Amazon gibt es de facto nicht. Im letzten Quartal erzielte das Unternehmen 1,5 Mrd. Euro Gewinn. Das war dreimal so viel wie im Jahr zuvor.

Doch auch Yahoo profitiert von Alibaba, da es neben der Softbank mit 16% zu den größten Anteilseignern gehört. Jack Ma selbst hält 8,8%.

„Sesam öffne dich“

Es ist geplant, den Investoren 320 Millionen Aktien zu einem Stückpreis zwischen 60 und 66 Dollar anzubieten. Dadurch könnte das Unternehmen die gigantische Summe von bis zu 24,3 Mrd. Dollar einsammeln. Schon die Einladung zur Roadshow liest sich wie ein Märchen aus 1001 Nacht. „Liebe Anleger“, beginnt der Brief von Jack Ma, „wenn Sie in uns investieren, dann werden Sie eine Reise mit Alibaba antreten.“ Eine Reise, die einem das Tor zu einem „Imperium“ aufschließe.

China-Aktien haben oft einen Haken

Sehr schön werden Sie jetzt sagen, wie kann ich daran teilhaben? Doch Vorsicht, wo Licht ist, fällt auch Schatten. Mein Kollege Dieter Wendt hat hier ja schon mehrfach vor China-Aktien gewarnt, die im Ausland gehandelt werden. Und ein bisschen ist es auch hier so. Denn eigentlich hatte Firmenlenker Jack Ma geplant, in Hongkong an die Börse zu gehen. Doch Hongkong lehnte Alibaba wegen seiner intransparenten Struktur ab. Außerdem bemängelte die Börsenaufsicht, dass Jack Ma das Unternehmen auch nach dem Börsengang im Alleingang führen wird. Was macht man in so einem Fall? Man sieht sich woanders um. So kommt es, dass Alibaba den Börsengang an der New Yorker NYSE durchführen wird. Leider läuft es auch hier nicht ganz rund, denn auch gestern an Tag 2 der Roadshow konnte Alibaba die Investoren im feinen New Yorker Waldorf Astoria bei abgepackten Truthahn-Sandwiches nicht richtig überzeugen. Wir werden das Börsenmärchen erst einmal von der Seitenlinie für Sie beobachten, bleiben aber auf jeden Fall am Ball.

Schritt 2 auf dem Weg zur Weltwirtschaftsmacht

Alibaba ist aber nicht das einzige chinesische Unternehmen, das an die Börse strebt. Damit die Unternehmen im Reich der aufgehenden Sonne auch genügend Geld einsammeln, hat sich China jetzt zu einem weiteren großen Schritt in Richtung Öffnung der Märkte entschieden.

China öffnet den Aktienmarkt für ausländische Privatanleger

Nachdem schon im Frühjahr 2014 die Landeswährung Renminbi liberalisiert worden ist, soll im Oktober ein weiterer Meilenstein in Richtung Weltwirtschaftsmacht erfolgen.

Denn dann sollen auch die Mauern zwischen westlichen Investoren und chinesischen Aktien fallen. So dürfen ausländische Privatanleger ab Oktober erstmals direkt in die sogenannten A-Aktien an der Börse Shanghai investieren. Das hört sich spannend und vor allen Dingen gewinnversprechend an, birgt aber auch viele Risiken.

Bleiben Sie bei China-Investments weiterhin wachsam

Bedenken Sie, wir haben es immer noch mit einem kommunistischen Land zu tun, in der viele wichtige Informationen unter den Teppich gekehrt werden. Sie kaufen sozusagen die Katze im Sack, da der chinesische Markt vollkommen intransparent ist. Daran wird sich meiner Meinung nach, auch nach Öffnung der Börsen, noch lange nichts ändern. Bleiben Sie also wachsam.

Mich interessiert es natürlich brennend, was Sie von China und chinesischen Aktien halten. Investieren Sie oder lassen Sie lieber die Finger davon? Ich freue mich wie immer über die Diskussion mit Ihnen unter Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Wussten Sie, dass die Chinesen zu den Shoppingweltmeistern gehören? Durchschnittlich 311 Euro gibt jeder Chinese pro Tag aus, wenn er zu Besuch in Deutschland ist. Auch beim Online-Shopping sind sie ungeschlagen. Durchschnittlich kauft jeder chinesische Nutzer achtmal im Monat online ein, so aktuelle Untersuchungen der Unternehmensberatung PWC.


Zitat der Woche

„Wir haben uns für die nächsten zwei Jahre vorgenommen, den Zins komplett dem Markt und den ökonomischen Kräften zu überlassen.“

Jiange Li, Vizechef der Central Huijin Investment und damit ein führender Bankenaufseher in China zur Liberalisierung der Märkte

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