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Ausgabe vom 27. August 2014



  • Frieden in der Ukraine in Reichweite?

  • Zitat der Woche

     



 



Frieden in der Ukraine in Reichweite?
   



 


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

darauf hat die Welt, nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, lange gewartet. Ein Treffen zwischen den Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko. Das Bild vom Händeschütteln der beiden tat gut, obwohl man natürlich nicht daraus ableiten kann, dass nun alles auch gut wird. Aber immerhin haben sich die beiden Staatsoberhäupter zum ersten Mal seit drei Monaten persönlich getroffen und laut Beobachtern in Minsk ein zweistündiges Vier-Augen-Gespräch geführt. Das lässt hoffen, auch die Experten, die darin erstmals eine echte Möglichkeit zur Entspannung des Konflikts und einen Schritt in Richtung Frieden sehen.

Sicher hat Wladimir Putin, vor allem gegenüber den Medien, selbstbewusster gewirkt als sein ukrainischer Amtskollege. Aber das war zu erwarten. Der große Stratege weist weiterhin beharrlich jegliche Verantwortung für das Treiben der pro-russischen Separatisten zurück und besteht auf Verhandlungen der ukrainischen Regierung mit den Rebellen.


Diplomatie bleibt trotz der russischen Dreistigkeit der Königsweg

Sicher ist das dreist, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Fallschirmjäger der russischen Armee auf ukrainischem Gebiet gefangen genommen wurden, die sicher nicht „aus Versehen“ (Original-Ton Putin!) in der Ostukraine gelandet waren. Aber die Ukraine wird wohl aufgrund ihrer prekären wirtschaftlichen Lage kaum eine Wahl haben, als darauf einzugehen. Die Wirtschaft des gebeutelten Landes liegt am Boden, Kiew wird weiter in die Knie gehen müssen, um ein Mindestmaß an Stabilität zu erlangen.

Auch aus militärischer Sicht ist die Ukraine offenbar in die Defensive geraten. So sind laut Medienangaben 13 von 15 ostukrainischen Städten unter der Kontrolle der Separatisten. Lediglich in den Städten Ilowaisk und Charzysk hat das ukrainische Militär noch die Oberhand. Doch auch dort ist die Lage aus Sicht der Ukraine und des Westens besorgniserregend.


Frieden für die leidtragende Bevölkerung

Die ostukrainische Bevölkerung, die seit Monaten im Krieg lebt, sehnt sich auf beiden Seiten nach Frieden und Normalität. Da wird man Kompromisse eingehen müssen. Darauf setzt natürlich auch Wladimir Putin, dem man von Anfang an gut durchdachte Schachzüge unterstellen darf. Nichtsdestotrotz muss in absehbarer Zeit eine diplomatische Lösung her.

Die Befürchtung der Amerikaner, Moskau werde der Ukraine den Gashahn abdrehen, wurde bei den gestrigen Gesprächen ausgehebelt, indem man sich darauf einigte, Anfang September Verhandlungen über Gaslieferungen aufzunehmen. Ganz klar ist Kiew hier vor dem Winter unter Druck. Aber auch Russland hat inzwischen eingestehen müssen, dass der Sanktions-Bumerang zurückgeschlagen hat.


Sanktions-Blöße für die einen, wirtschaftliches Desaster für die anderen

So hat Moskau schon mit den Lebensmittel-Import-Beschränkungen zurückgerudert. Die Redaktion von Fuchs-Briefe titelte bereits letzte Woche entsprechend treffend: „Der Lachs darf wieder rein.“ Nach Angaben des Börsendienstes hat Russlands Regierung eine Reihe von Agrar-Produkten von der Sanktionsliste gegen den Westen zurückgezogen.

Damit gibt sich die Regierung zwar innen- und außenpolitisch eine Blöße. Aber die Agrar- und Lebensmittellobby hat so heftig gegen die Sanktionen interveniert, dass schlussendlich nichts anderes übrig blieb, als die „Gegen-Sanktionen“ zu lockern. Mehr dazu können Sie in der Presseschau der aktuellen Ausgabe des
BÖRSEN-SPIEGELlesen.

Nun, wie auch immer, es wird jede Partei am Ende ein Stück Gesicht verlieren und ein anderes wahren. Vielleicht wird es für die Ukraine der schmerzhaftere Prozess, ist sie doch schon einen großen Schritt gegangen, indem für Ende Oktober Neuwahlen angekündigt wurden, um die Regierung und damit das Land zu stabilisieren.


Deutsche Wirtschaft verliert wegen Ukraine-Krise an Kraft

Erholung und Entspannung kann auch unser heimischer Markt brauchen. Die letzten Konjunkturdaten waren schließlich auch im Hinblick auf den Ukraine-Konflikt nicht gerade erhebend. Die Stimmung in den Cheftagen der deutschen Unternehmen trübte sich im August den vierten Monat in Folge ein und ist nun so schlecht wie seit gut einem Jahr nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel um 1,7 auf 106,3 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte.

„Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft“, zeigt sich Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn besorgt. Dies betreffe vor allem die Industrie, den Groß- und Einzelhandel sowie die Dienstleister. Einzig die Baubranche konnte sich dem Abwärtstrend entziehen. Die deutsche Exportwirtschaft wurde ja bereits im Vorfeld der gegen Russland beschlossenen Sanktionen stark belastet. Die Ausfuhren dorthin waren im ersten Halbjahr um 15,5% eingebrochen, was die Unternehmen rund 3 Mrd. Euro kostete.


Hoffen auf Aufschwung durchaus berechtigt

Anlass zur Hoffnung geben die gestrigen Gespräche auf jeden Fall. Das sollte dann auch die Weltwirtschaft und die Börsen stützen, die in jüngster Zeit durch die Russland/Ukraine-Krise stark beeinträchtigt waren. Der DAX hat gestern immerhin bei 9.588 Punkten geschlossen, damit lag er mit 0,8% im Plus. Das war allerdings wohl eher auf die guten Nachrichten von den Notenbanken zurückzuführen.

Immerhin gab es gestern in Weißrussland Punkte, in denen man sich einer Einigung nahe zeigte. So streben beide Parteien zunächst eine dauerhafte Waffenruhe an, auf die dann ein Gefangenenaustausch folgen soll. Hoffen wir mit…, für die Menschen in dem Kriegsgebiet und nicht zuletzt für starke Investments.

Wie beurteilen Sie das gestrige Krisentreffen? Ich freue mich wie immer über die Diskussion mit Ihnen unter Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte,

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Wer wie ich gestern den ZDF-Beitrag zu den so erfolgreichen wie umstrittenen Samwer-Brüdern gesehen hat, will sicher mehr über die Strategie und die Denkweise der Start-up-Gründer und Investoren wissen. Ich schaue im morgigen BÖRSEN-SPIEGELdaily für Sie bei Rocket Internet hinter die Kulissen. Übrigens: Wenn Ihnen unser täglicher Newsletter zusagt, empfehlen Sie ihn doch einfach einmal weiter.








Zitat der Woche


„Ich bin der aggressivste Mann im Internet – ich würde sterben, um zu gewinnen, und von euch erwarte ich das Gleiche!“

Oliver Samwer in seiner berühmt-berüchtigten „Blitzkrieg-Mail“ an seine Mitarbeiter. (Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dieser Satz erinnert mich – wenn man das „Internet“ gegen die reale Welt austauscht – auch irgendwie an Wladimir Putin.)





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