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Ausgabe vom 06. August 2014



  • Afrika ist nicht nur Ebola – Neue Wege auf dem Schwarzen Kontinent


  • Zitat der Woche  


 



Afrika ist nicht nur Ebola – Neue Wege auf dem Schwarzen Kontinent




 


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,    

jeden Tag gehen sie durch die Medien, Bilder von vermummten Helfern, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens versuchen zu retten, was zu retten ist. Daneben der Abstransport von Leichen. Es ist der eigentlich aussichtslose Kampf gegen das Ebola-Virus, das derzeit in Westafrika wütet. Wie heute in der Tagesschau gemeldet wurde, gibt es angeblich Hoffnung durch ein neues Medikament, das wohl bei dem infizierten amerikanischen Arzt Kent Brantly eingesetzt werde. Virologen vom Tropeninstitut in Hamburg warnten allerdings davor, ein neues, noch unerprobtes Medikament während einer laufenden Epidemie breitflächig einzusetzen, da die Nebenwirkungen noch nicht ausreichend erforscht seien.

Das ist die Seite von Afrika, die wir zurzeit zu sehen bekommen und die sicher außer Mitgefühl auch bei vielen Menschen Angst auslöst, das Virus könne nach Europa eingeschleppt werden. Neben den vielen anderen geopolitischen Brennpunkten hat die Epidemie schließlich auch ihre Wirkung auf die Börse gezeigt.


Nicht nur Aufbauhilfen für den Schwarzen Kontinent 

Aber es gibt auch Positives zu berichten vom Schwarzen Kontinent. So titelte das Online-Portal Tagesschau.de seinen Bericht zum gerade laufenden Afrika-Gipfel in Washington: „USA entdecken Afrika“. Nach den jüngsten Aussagen von US-Präsident Barrack Obama scheint dies in der Tat der Fall zu sein. Schließlich ist China da schon allen voraus. Unternehmen aus dem Reich der Mitte engagieren sich schon seit geraumer Zeit stark in Afrika, bauen Straßen und Eisenbahnstrecken, verkaufen ihre Waren – und bedienen sich der dort reichlich vorhandenen Rohstoffe.

Mit Rekord-Investitionen von US-Unternehmen sowie der Regierung in Höhe von rund 33 Mrd. Dollar (rund 24,6 Mrd. Euro) wollen sich die Vereinigten Staaten nun in Afrika einbringen. „Wir wollen Partnerschaften für Jobs und Chancen für alle Menschen schaffen", verkündete Obama. An dem Gipfeltreffen nehmen ca. 50 afrikanische Staats- und Regierungschefs teil. Dem Weißen Haus zufolge planen US-Unternehmen in Afrika Geschäfte im Umfang von 14 Mrd. Dollar allein im Baugewerbe, dem Hotelsektor und der IT-Industrie.

Insgesamt konnten für die Initiative Power Africa laut Obama gemeinsam mit der Weltbank und Schweden bislang 26 Mrd. Dollar mobilisiert werden. Die afrikanische Wirtschaft verzeichnet seit Jahren ein kräftiges Wachstum, für 2014 sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Anstieg in Afrika südlich der Sahara um 5,4% voraus.


Afrika entdeckt neues Selbstbewusstsein

Auf uneingeschränkte Dankbarkeit dürfen die internationalen Investoren aber nicht mehr hoffen. Das Selbstbewusstsein der afrikanischen Länder ist gewachsen. Das machte der liberianische Diplomat Abdoulaye Dukule am Rande des Gipfels deutlich: „Partnerschaft bedeutet nicht, dass du als großer Bruder entscheidest, was gut für deinen Markt ist und was für meinen Markt ist. Das ist keine Partnerschaft."

Schließlich funktioniert nachhaltiger Aufbau nur nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Dazu passt auch das Step-Projekt (Student Training for Entrepreneurship Promotion), das unser BÖRSEN-SPIEGEL-Musterdepotwert BASF in ostafrikanischen Ländern sponsert. Dieses Programm hat mich als positives Beispiel für die Hilfe zur Selbsthilfe so beeindruckt, dass ich es Ihnen gerne kurz vorstellen möchte.


Hilfe zur Selbsthilfe macht starke Wirtschaftspartner

„In kleinen Schritten zu großen Zielen“ lautet das Motto, nach dem der Psychologe Prof. Michael Frese und sein Team junge Leute in Ostafrika beim Start-up ihrer Unternehmen  unterstützt. Das Step-Projekt wurde vom deutschen Arm der Unesco, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Chemiekonzern BASF 2008 in Uganda ins Leben gerufen. Mittlerweile wird das Programm auch in weiteren ostafrikanischen Ländern wie Kenia, Tansania und Liberia angeboten.

Das deutsche Psychologen-Team zeigt in Afrika, dass Unternehmergeist erlernbar ist. Janet Lynn Tar Gutu erinnert sich noch genau, wie sie sich früher fühlte: „Extrem schüchtern, verunsichert, nicht in der Lage, ein Unternehmen zu führen.“ So begann sie ihr Studium der Informatik an der Universität in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Heute, fünf Jahre später, erkennt sich die Afrikanerin kaum selbst wieder. Aufrecht steht die dunkelhäutige schlanke Frau, rahmenlose Brille, blauer Blazer, blau-silbernes Armband, hinter dem Pult des gefüllten Hörsaals. Mit fester Stimme erzählt sie den Studenten, was sie erreicht hat.

Drei Unternehmen hat Janet Lynn Tar Gutu in nur fünf Jahren aufgebaut. Mit einem Kommilitonen gründete sie erst eine Hühnerfarm, dann ein Softwareunternehmen. Ganz in der Nähe der Universität verkauft sie in einem eigenen Laden Softeis. Damit sorgt sie inzwischen nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern hat auch noch Arbeitsplätze in dem wirtschaflich schwer angeschlagenen Uganda geschaffen. Aus der schüchternen Informatik-Studentin ist eine taffe Businessfrau geworden.


Unternehmertum ist keine Frage der Gene

Die Metamorphose hat die heute 28-Jährige nach eigenen Aussagen dem Psychologen-Team von Michael Frese zu verdanken. Die Wissenschaftler sind angetreten zu beweisen, dass Unternehmertum keine Frage der Gene, sondern der Einstellung und des richtigen Trainings ist. Das von Frese und Team entwickelte Progamm Step ist eine Mischung aus Büffeln und Business.

Die Teilnehmer sind in der Regel Studenten ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Sie erhalten drei Monate lang eine Grundausbildung in Buchhaltung, Marktanalyse und Marketing. Den Lehrstoff hat das Lüneburger Team zusammen mit afrikanischen Experten entwickelt. Die sollen den afrikanischen Studenten auf Augenhöhe beibringen, wie sie eine Nische finden und darin auch mit wenigen Ressourcen ein Geschäft aufbauen können.

100 Dollar Startkapital bekommen die Studentengruppen zur Verfügung gestellt. Damit können sie während des Trainings ein eigenes Start-up gründen. Die Studenten dürfen nur den Gewinn behalten, das Startkapital müssen sie zum Ende des dreimonatigen Trainings wieder zurückzahlen


Lernen, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen

Die Geschäftsideen, an denen sich die Teilnehmer versuchen, sind vielfältig: Die einen basteln und verkaufen Grußkarten, die anderen stellen Säfte aus frischem Obst her. Dabei bekommen die jungen Unternehmensgründer auch die Chance, von „einem toten Pferd abzusteigen“, wie es ja in Existenzgründerseminaren hierzulande gelehrt wird, und etwas anderes, lukrativeres auszuprobieren.

Dazu müssen die jungen Menschen oft lernen, neue Wege zu gehen. Durch das Beobachten ihrer eigenen Handlungen bringen sich so selbst zum Handeln und werden dadurch zu Machern. Das ist das Ziel des erfolgreichen Projektes. Immerhin gründeten rund die Hälfte der Kursteilnehmer nach ein bis zwei Jahren tatsächlich ein eigenes Unternehmen.

Janet Lynn Tar Gutu, die oben erwähnte erfolgreiche Absolventin von Step, hat dieses Prinzip längst verinnerlicht. Schön, dass solche hoffnungvollen Projekte gefördert werden - auch von der Wirtschaft. Ich unterstelle mal, dass BASF hier nicht unbedingt einen direkten Nutzen zieht. Vielleicht bekommen die Mitarbeiter ja ein Eis umsonst, wenn sie Janet in ihrer Eisdiele besuchen.

Mit diesem positiven Beispiel aus Afrika grüße ich Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte.

Ihre

Martina Bisdorf

PS: Kritiker werfen der US-Regierung vor, bei dem Afrika-Gipfel Menschenrechtsfragen hinter die Wirtschaftsinteressen zurückzustellen. An diesem Thema müssen die USA sicher noch mancherorts arbeiten. Dennoch ist und bleibt eine florierende Wirtschaft die Basis für eine zufriedene Gesellschaft. Vielleicht kann auch Afrika mit vielfältiger Unterstützung – in kleinen Schritten - in diese Richtung gehen.







Zitat der Woche


„Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.“

Afrikanisches Sprichwort





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