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Ausgabe vom 23. Juli 2014



  • Prokon: Sachverstand trifft Idealismus
    Apple: Super-Sicht auf neuem Display


  • Zitat der Woche
     



 


Prokon: Sachverstand trifft Idealismus Apple: Super-Sicht auf neuem Display



 


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,    

gestern hat nicht nur Apple seine Zahlen vorgelegt (dazu kommen wir später), es hat auch eine der größten Gläubigerversammlungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte in Hamburg stattgefunden. Abgestimmt wurde dabei über die Zukunft des zahlungsunfähigen Windernergieunternehmens Prokon.

Die GmbH hat rund 75.000 Gläubiger, die ca.1,4 Mrd. Euro über Genussrechte in die heute überschuldete Firma investiert haben. Diese könnten nun einen Großteil ihres Vermögens verlieren. Im Pleitefall werden deren Genussscheine nämlich gegenüber vielen anderen Gläubigern - etwa Banken, Arbeitnehmern, Sozialversicherungsträgern und Lieferanten - nachrangig bedient.

Jurist setzt sich gegen „Idealist“ durch

Mit dem Beschluss der gestrigen Gläubigerversammlung setzte sich der Prokon-Insolvenzverwalter, der Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, gegen Ex-Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus durch, der für seine Rede auf der Versammlung aber immerhin Beifall erhielt. Rodbertus hatte andere Sanierungsvorstellungen als Penzlin.

Er wollte Prokon als Ganzes erhalten. Dagegen hält der Insolvenzverwalter den Verkauf von Firmenteilen (Ölmühle, Holzindustrie) für notwendig, um damit einen Teil der Forderungen abzulösen. Das Kerngeschäft mit Windkraftanlagen will Penzlin fortsetzen und 300 von ursprünglich 450 Arbeitsplätzen erhalten.


Hintergründe zum Fall Prokon

Prokon hatte Anfang des Jahres einen Insolvenzantrag gestellt, das Verfahren dazu eröffnete das Landgericht Itzehoe. Insolvenzverwalter Penzlin hatte erklärt, dass die Anleger mit Verlusten rechnen müssten, aber wohl nicht mit einem Totalverlust.

Nach den Erkenntnissen des Gerichts sind die Vermögenswerte des Unternehmens - vor allem die Windparks - weniger wert als das eingezahlte Kapital der Anleger. Das Gericht ermittelte eine Unterdeckung von 474 Mio. Euro. Das Prokon-Vermögen betrage demnach 1,052 Mrd. Euro, die Verbindlichkeiten hingegen lägen bei 1,526 Mrd. Euro.

Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung

Penzlin hatte in seiner Funktion als Insolvenzverwalter Rodbertus als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH Ende April fristlos entlassen. Er hielt ihm Pflichtwidrigkeiten und mangelnde Geschäftsführung vor. Anerkannte Jahresabschlüsse für 2012 und 2013 hätten nicht vorgelegt werden können. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus unter anderem wegen Insolvenzverschleppung.

In finanzielle Schieflage ist das Unternehmen geraten, als etliche Gläubiger ihre Genussrechte kündigten und ihr Geld zurück haben wollten. Insgesamt lag die Summe der gekündigten Genussrechte bei rund 400 Mio. Euro. Das Unternehmen konnte dieses Geld nicht aufbringen.


Was hat die Anleger so zahlreich gelockt?

Prokon hatte – meist nicht wirklich vermögende - Anleger mit einem Zinssatz von 8% gelockt. Niemand hätte damals gedacht, dass die Privatanleger dabei ihr Vermögen verlieren könnten. Oder etwa doch? Schließlich muss man sich rückblickend schon fragen, wie die 8% hätten zustande kommen sollten.

Denn es ist hinreichend bekannt, dass hohe Renditen auch immer hohe Risiken birgen. Na ja, in diesem Fall kam, abgesehen von den vielversprechenden Zukunftsvisionen des Ex-Geschäftsführers, noch das gute Gewissen gratis obendrauf. Immerhin hatten die meisten Investoren das Gefühl, damit auch etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Mit „Grün“ Geld machen schien doch vielen eine gangbare Alternative und hat sicher manchen dazu ermuntert, in ein augenscheinlich volksnahes Unternehmen zu investieren, der sich bisher nur mit Sparbüchern und Lebensversicherungen beschäftigt hatte. All das ist nicht verwerflich.

Und dennoch ist bei jeder Form der Geldanlage stets Vorsicht geboten. Als oberste Regel muss gelten, dass man sein Hab und Gut nur fachlich kompetenten, gut ausgebildeten Experten sowie – bei Aktieninvestments – Unternehmen, die über ein ausgezeichnetes Management verfügen - wie es bei den Blue Chips der Fall ist - anvertrauen sollte.


Das „gute Gewissen“ allein reicht noch nicht

Genau diese Expertenkenntnisse wurden Carsten Rodbertus bereits in der Vergangenheit von etlichen Fachleuten sowie den Medien abgesprochen. Schon im Vorfeld der Abstimmung darüber, wer nun das angeschlagene alternative Windenergieunternehmen weiter führen soll, hatten Branchenkenner darauf gehofft, dass die Mehrheit der Gläubiger sich für den Juristen Dietmar Penzlin entscheiden würde. So ist es nun auch gekommen.

Privatanleger verfügen durchaus über mündigen Sachverstand

Hier hat sich dann doch gezeigt, dass Privatanleger durchaus in der Lage sind, sich mit gesundem Menschenverstand für ihre Interessen einzusetzen. Ein Beispiel dafür ist die Aussage eines betroffenen Schleswig-Holsteiners im Vorfeld der gestrigen Abstimmung: „Ich möchte Informationen über die Hintergründe der Insolvenz erfahren und Klartext hören, wie es jetzt weitergeht. Insolvenzverwalter Penzlin macht auf mich einen seriösen Eindruck, bei Rodbertus weiß ich nicht, was ich von ihm halten soll.“

Eine ältere Dame, die ihren Idealismus noch nicht ganz verloren zu haben scheint, erklärte ihre Meinung gegenüber den Medien: „Ich stehe auf der Seite von Herrn Penzlin. Ich gehöre zu den Leuten, die denken, dass sich in der Welt etwas ändern muss. Darum bin ich bei Prokon eingestiegen. Dass Genussrechte eine heikle Angelegenheit sind, war mir klar.“

Anfang 2015 wird endgültig über den Insolvenzplan abgestimmt. Auch dann wird es sicher noch eine Weile dauern, bis die Investoren erfahren, was sie von ihrem Geld wiedersehen werden, das sie in so eine „grundgute“ Idee gesteckt hatten.


Apple´s Zahlen können sich sehen lassen

Ganz anders sieht es bei Blue Chip und Dauerbrenner Apple aus. Der amerikanische IT-Gigant legte gestern Abend gute Zahlen vor. Erwartet wurde ein Gewinn je Aktie von 1,24 Dollar. Tatsächlich hat Apple gerade ein EPS in Höhe von 1,28 Dollar vorgelegt.

„Die erste nachbörsliche Reaktion der Apple-Aktie ist dennoch nicht euphorisch. Denn die Flüsterschätzung lag bei 1,28 Dollar und wurde damit ‚nur‘ getroffen“, so Analyst Florian Söllner in Der Aktionär dazu. Im Quartal zuvor verdiente Apple noch ein EPS von 1,66 Dollar und damit 14% mehr als von Analysten erwartet.

Der i-Phone-Erfinder hat 37,43 Mrd. Dollar Umsatz erlöst. Die firmeneigene Prognose lag in einer Range von 36 bis 38 Mrd. Dollar. Im abgelaufenen Quartal hat Apple 35,2 Mio. iPhones auf den Markt gebracht und damit seinen Gewinn auf 5,7 Mrd. Euro gesteigert. Der Computerkonzern verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinn von 7,7 Mrd. Dollar (5,7 Mrd. Euro).



Hoffnung macht der Blick nach vorne

Gerade haben wir hier in der Redaktion darüber diskutiert, dass es durchaus normal ist, wenn die Zahlen im laufenden Quartal sich etwas verhalten darstellen. Schließlich werden sich die meisten Käufer augenblicklich zurückhalten, denn alles wartet gespannt auf das gestern angekündigte neue Modell des neuen Smartphones, das voraussichtlich im September auf den Markt kommen wird. (Meine Kollegin Kathrin Dörfeld berichtete ausführlich in ihrem gestrigen Daily Post, den Sie auf unserer Homepage www.boersenspiegel.com einsehen können.)

Apple-Chef Tim Cook zeigte sich „unglaublich erwartungsvoll“ angesichts der neuen Produkte, die bald vorgestellt würden. Der Smartphone-Pionier hat laut Medienangaben die Produktion von 70 bis 80 Mio. der neuen Geräte in Auftrag gegeben. Das sind wesentlich mehr als bei den neuen Modellen letzten Herbst.

Die durchschlagende Neuerung: Die iPhones werden größer, mit Displaydiagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll (knapp 12 und 14 cm), wie das Wall Street Journal gestern bekannt gab. Damit habe man sich an die Wünsche der Kunden angepasst.

Und die stehen spätestens seit gestern schon in der „Warteschlange“, zumindest wenn ich mir anschaue, wie gespannt meine Kinder und deren Freunde auf die neuen iPhones sind. Es werden bereits Mutmaßungen über die Farben und neusten technischen Möglichkeiten durch das vergrößerte und wohl auch im Material verbesserte Display angestellt.

Nun ja, am Ende wird es, zumindest für diesen Kundenkreis, doch eine Frage des Preises sein. Am gigantischen Absatz der neuen Modelle weltweit und insgesamt sollte man allerdings keine Zweifel haben. Die Kultmarke zieht immer.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Apple kündigte an, eine Dividende von 47 Cent pro Aktie bei Handelsschluss am 11. August auszuzahlen. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen sank die Aktie um knapp 1% auf 94,38 Dollar. Das sollte aber, wie oben erklärt, nicht zukunftsweisend sein.





Zitat der Woche

„Es ist ein guter Tag für das Unternehmen, ein guter Tag für die Gläubiger und ein guter Tag für die Belegschaft.“

Dietmar Penzlin zur gestrigen Prokon-Abstimmung








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