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Ausgabe vom 18. Juli 2014


  • Bankenstresstest

  • Was sind eigentlich CoCo-Bonds?
     


Bankenstresstest

von Cliff Michel
Chefredakteur Smart Money Investor
                                                                     
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

da dachten wir Anleger das Schreckgespenst Bankenkrise nun endlich ad acta legen zu können, da treibt es schon wieder sein Unwesen. Erst letzte Woche geriet die größte Bank Portugals, die Banco Espirito Santo, ins Straucheln und hat die Märkte kräftig durchgerüttelt. Grund hierfür sind Schulden und Ungereimtheiten in den Büchern beim Mutterunternehmen Espirito Santo International. Die Lage ist anscheinend so undurchsichtig, dass die Aktien der börsennotierten Bank letzte Woche Donnerstag vom Handel ausgesetzt wurden.


Bankenkrise reloaded?

Auch in Bulgarien spitzte sich die Lage zu. Hier entzog die bulgarische Zentralbank der viertgrößten Bank des Landes die Lizenz und begründete dies mit Hinweisen auf Fehlverhalten. Zuvor war es aufgrund von Mediengerüchten zu einem Bankenrun gekommen. Erst als die EU weitere Kredite zusagte, beruhigte sich die Lage.

Heißer Herbst dank Bankenstresstest

Überhaupt steht uns in Sachen Banken ein heißer Herbst bevor. Denn bevor die Europäische Zentralbank (EZB) im November die Aufsicht über die wichtigsten Geschäftsbanken in der Euro-Zone übernimmt, will sie 128 Bankhäuser in der Euro-Zone dem sogenannten Bankenstresstest unterziehen. So soll herausgefunden werden, welche Banken eine Finanzkrise wie 2008 ohne Staatsgelder überstehen könnten, um im Falle des Falles nicht wieder uns Steuerzahler zur Kasse bitten zu müssen.

Ergebnisse werden laut EZB in der zweiten Oktoberhälfte veröffentlicht

Gestern veröffentlichte die EZB nun die langersehnten Details zum Ablauf des Bankenstresstests. So sollen diejenigen, die die Prüfung nicht bestehen, rasche Lösungen liefern. Nur zwei Wochen Zeit haben Banken, bei denen sich große Kapitallöcher auftun, um Pläne vorzulegen, wie diese gestopft werden sollen.

Wie gestern verkündet wurde, sollen die Ergebnisse des Bankenstresstests in der zweiten Oktoberhälfte veröffentlicht werden. Um Unruhe zu vermeiden, sollen die Institute ihre Resultate erst kurz vor Veröffentlichung erhalten. Sollten sich jedoch schon im Vorfeld Probleme ergeben, wird dies mit den einzelnen Banken persönlich diskutiert werden.

Am 4. November 2014 übernimmt die EZB dann endgültig in Form der Bankenunion die Finanzaufsicht über die größten Bankhäuser Europas. Immerhin 21 deutsche Geldinstitute sind von dieser Regelung betroffen.


Eigenkapitaldecke etlicher Banken eher gering

Es wird erwartet, dass etliche Banken zu wenig Eigenkapital besitzen, um einen Stresstest à la Finanzkrise 2008 zu bestehen. Entsprechend nervös wurden die Details zum Ablauf am gestrigen Donnerstag erwartet.

Es geht beim Bankenstresstest also in erster Linie darum, die Finanzdecke aufzupolstern. Und hier kommen die Banken selbst ins Spiel. Wie Sie wissen, sind Banken generell nicht verlegen, wenn es darum geht, neue Investment-Produkte auf den Markt zu bringen, die genau vor solchen Unannehmlichkeiten schützen. Zumal Anleger weltweit auf der Suche nach Anlagealternativen sind, da Sparbuch und Co. aufgrund der Niedrigzinspolitik der Notenbanken einfach nichts mehr hergeben.



Was sind eigentlich CoCo-Bonds?


Und damit komme ich zum eigentlichen Thema des heutigen BÖRSEN-SPIEGELdaily, dem neuesten Wundermittel der Finanzbranche, den sogenannten CoCo-Bonds, Contingent Convertible Bonds. Mit dieser Art Zwangswandelanleihe können die Bankhäuser die Eigenkapitallücken decken, die sich aufgrund der strengeren Regulierungen auftun.

2013 wurden laut dem Datenanbieter Dealogic bereits CoCo-Bonds im Wert von 14,2 Mrd. Euro begeben. Dieser Wert wird in 2014 aufgrund des anstehenden Bankenstresstests noch einmal deutlich übertroffen werden. Allein im Mai dieses Jahres hat die Emission von CoCo-Bonds durch europäische Banken neue Rekordhöhen erreicht.


Deutsche Bank begibt CoCo-Bonds mit riesigem Erfolg

Die ersten Bankhäuser, die CoCo-Bonds begeben haben, waren die spanische Santander Bank und die dänische Danske Bank. Anfang Mai wagte sich nun auch die Deutsche Bank mit so einer Anleihe an den Kapitalmarkt. Mit riesigem Erfolg. Immerhin spülte die Platzierung rund 3,5 Mrd. Euro in die Kasse des größten deutschen Bankhauses. Auch zahlreiche andere deutsche Finanzinstitute wie die Commerzbank, der Hypothekenfinanzierer Aareal Bank und die staatliche NordLB stehen in den Startlöchern.

Coco-Bonds - Das neue Wundermittel der Finanzbranche

Wenn man die Funktionsweise von CoCo-Bonds verstehen will, muss man sich genauer anschauen, wie Banken funktionieren. So gibt es zwei Dinge, die eine Bank in Schieflage bringen können: Erstens Kreditausfälle und zweitens eine geringe Eigenkapitaldecke, um diese Kreditausfälle auszugleichen. Im Falle einer Finanzkrise entwickelt sich hier, wie wir 2008 gesehen haben, eine Krisenspirale ungeahnten Ausmaßes. Damals konnte nur Schlimmeres verhindert werden, weil der Staat einsprang.

Um Steuerzahler im Falle eines Falles zukünftig nicht mehr mit möglichen Bankenrettungen zu belasten, müssen Banken eine höhere Kapitaldecke nachweisen. So müssen alle Geldhäuser nach den Vorschriften des Regelwerks Basel III künftig mindestens 3% ihres Risikokapitals mit Eigenkapital abdecken. Und hier kommen die CoCo-Bonds zum Tragen.


Gute Rendite birgt auch einige Risiken

CoCo-Bonds sind Anleihen und damit Fremdkapital. Sollte aber eine Bank ins Straucheln geraten, wird diese Zwangswandel-Anleihe in eine Art Eigenkapital umgewandelt. Das bedeutet entweder die Wandlung in Aktien oder in Eigenkapital, sprich der Totalverlust für denjenigen der CoCo-Bonds hält. Kurz und gut, der Anleger geht im schlimmsten Fall leer aus.

Im Fall der Deutschen Bank sieht es so aus: Fällt die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank unter 5,125%, dann bekommen die Anleihe-Investoren keine Aktien der Bank. Stattdessen werden sie an den Verlusten beteiligt, indem die Papiere einfach abgeschrieben werden.

Trotz der Gefahr eines möglichen Totalverlustes reißen sich gerade institutionelle Investoren aufgrund des Niedrigzinsumfeldes um diese Form der Anleihen, die immerhin eine Rendite von 6 bis 7% versprechen.


Setzen Sie lieber auf dividendenstarke Blue Chips

Ist man sich der höheren Risiken als Anleger bewusst, sind CoCo-Bonds ein Instrument, um das Portfolio etwas renditeorientierter aufzustellen. Eine hohe Gewichtung sollte hier jedoch nicht gewählt werden. Eine Hürde ist sicher auch die Mindestanlagesumme von 100.000 Euro. Ich persönlich setze lieber auf dividendenstarke Blue Chips wie beispielsweise Nestlé, die meinen Lesern in diesem Jahr bereits 13% Plus ins Depot gespült hat.

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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Cliff Michel
Chefredakteur Smart Money Investor

PS: Nächste Woche Mittwoch erscheint die neueste Ausgabe vom Smart Money Investor. Der Schwerpunkt wird auf Aktieninvestments liegen, an denen meiner Meinung nach kein Weg vorbei geht.
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