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Ausgabe vom 09. Juli 2014



  • Euphorie herrscht nicht nur im Fußball - Auch Europas größter Reisekonzern startet durch

  • Zitat der Woche
     

 

Euphorie herrscht nicht nur im Fußball - Auch Europas größter Reisekonzern startet durch

 

 


von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,    

wer heute Morgen meinen Daily Post gelesen hat, weiß, dass auch mich spätestens gestern das Fußballfieber gepackt hat. Natürlich haben wir hier in der Redaktion das Spiel schon heiß diskutiert und waren uns einig, dass wir alle Mitgefühl mit den emotional völlig demoralisierten Brasilianern haben. Es war fast schon zum „Schämen“, wie da ein Tor nach dem anderen gegen die hilflos wirkenden Gegner fiel. Eines habe ich sogar, wie wahrscheinlich viele andere Fans, verpasst, weil ich mir zwischendurch was zu Trinken geholt habe. Aber warum sollen wir Deutsche uns nicht einfach mal uneingeschränkt freuen?! Wir sind im Finale!

Noch nicht im Finale, aber auf dem Sprung zu Höchstleistungen ist unsere aktuelle Top-Empfehlung im
BÖRSEN-SPIEGEL, TUI, die kürzlich bekannt gegeben hat, ihre britische Tochter TUI Travel zu übernehmen. Jürgen Schmitt titelte im BÖRSEN-SPIEGEL, dass der größte europäische Reiseanbieter sich damit „zum größten Touristik-Unternehmen der Welt“ entwickeln werde. Die Tochter TUI Travel dürfte die Gewinnentwicklung kräftig ankurbeln.

Schauen wir uns das Szenario genauer an, um herauszufinden, ob der Deal ähnlich gewinnbringende Synergien bieten kann wie die rauschende Stimmung der deutschen Elf, die nicht mehr zu stoppen war.


Größter europäischer Touristik-Konzern will weltweite Nr. 1 werden

Es ist seit Jahren zu beobachten, dass TUI sich eine aufwendige Doppelstruktur geleistet hat: Die TUI AG als Holding und Muttergesellschaft hat ihren Sitz in Hannover, die britische 54-%-Tochter TUI Travel plc ist im südlich von London gelegenen Crawley, nahe des Flughafens Gatwick ansässig.

Die renditestarken Hotelbeteiligungen und der Kreuzfahrtbereich gehören zur Holding, in der auch die Minderheitsbeteiligung an der Containerreederei Hapag-Lloyd verwaltet wird. Das umsatzstarke, aber eher margenschwache Veranstaltergeschäft, die konzerneigenen Airlines, die Reisebüros und alle Unternehmen, die die Urlauber an ihren Ferienorten betreuen, werden von der britischen Tochter gesteuert.

Diese kostenaufwändige Zweiteilung ist entstanden, als TUI 2007 den britischen Wettbewerber First Choice Travel übernehmen wollte. Damals reichte das Geld nicht, um das gesamte Unternehmen zu kaufen. Als Notlösung wurde First Choice Travel in TUI Travel umfirmiert und nur gut zur Hälfte von der TUI AG übernommen. Die übrigen 46% der Aktien blieben bei den früheren First-Choice-Eigentümern. Die Parallelunternehmen in Deutschland und Großbritannien kosten unnötig Geld und verursachen hohe Reibungsverluste. Viele Zentralfunktionen sind doppelt vorhanden. Außerdem gibt es bislang zwei komplette Vorstände.

Mit der Übernahme der britischen Tochter durch die Holding sollen diese Doppelfunktionen entfallen. Außerdem soll eine Straffung des Konzerns erfolgen. Man will sich künftig stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren. So sollen einige Sparten, wie etwa die Online-Plattform „Hotelbeds“ und einige touristische Spezialangebote der britischen Tochter verkauft werden. Mittelfristig will sich der Konzern von dem Anteil an Hapag-Lloyd trennen.


Wie soll die Übernahme laufen und wer übernimmt das Ruder an Bord?

Bei der Komplettübernahme ist ein Aktientausch geplant. Nach konzerneigenen Angaben soll dabei kein Geld fließen. Bis zum Herbst soll den Minderheitsaktionären von TUI Travel ein formales Übernahmeangebot unterbreitet werden: Pro Altaktie sind 0,399 neue TUI AG-Aktien angedacht. Der Deal soll durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden.

Der fusionierte Konzern mit Sitz in Deutschland soll als Aktiengesellschaft nach deutschem Recht geführt werden. Die Aktie hingegen wird voraussichtlich im FTSE 100 gelistet, dem Premiumsegment der Londoner Börse, der als Pendant zum DAX zu verstehen ist. Eine zusätzliche Notierung an der Börse in Frankfurt ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Es soll künftig nur noch einen Vorstand geben. 2015, im ersten Jahr nach der Übernahme, wollen die Chefs, Friedrich Joussen von der TUI AG und Peter Long von TUI Travel sich die Führung noch als Co-Vorstände teilen. Ab Februar 2016 ist die Alleinherrschaft von Friedrich Joussen geplant, der als Gewinner aus dem Machtkampf hervorgehen dürfte. Long wird im Gegenzug an die Aufsichtsratsspitze versetzt – ein Machtverlust für ihn.


Es sind folgende Synergien zu erwarten:

Durch die Zusammenlegung der Doppelfunktionen und die Straffung der Konzernstrukturen soll das Unternehmen rund 45 Mio. Euro jährlich einsparen. Außerdem entstehen steuerliche Vorteile, die sich laut Experten-Aussagen auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres auf weitere 35 Mio. Euro belaufen werden. Demgegenüber stehen allerdings einmalige Integrationskosten etwa für Abfindungen von rund 45 Mio. Euro.

Das Hauptargument für die Fusion der beiden TUI-Teile ist also weniger die Kosteneinsparung als die zu erwartenden Wachstumsimpulse. Hierzu soll die Verkaufssteuerung durch den eigenen Vertrieb verbessert werden. Außerdem erhofft man sich eine höhere Auslastung der eigenen Hotels und Fluglinien. Damit wäre das TUI-Gründungsmotto, auf jeder Stufe der touristischen Wertschöpfungskette Geld zu verdienen, für den Reisekonzern erreicht.

Alles in allem werden die Erwartungen, die der Konzern in die Fusion setzt, von Experten als realistisch eingestuft. Die direkten Synergien sind laut Angaben der WirtschaftsWoche eher vorsichtig kalkuliert und könnten auch durchaus höher ausfallen. Wichtiger seien die steuerlichen Effekte und erhofften Auswirkungen auf Umsatz und Rendite, so das Finanzmagazin weiter. Der vereinte Konzern könne vor allem stärker mit den starken Marken vieler TUI-Angebote wuchern.

Die Analysten sehen die Sache ebenfalls positiv. Schon die Ankündigung der Übernahme trieb den Kurs der TUI-Aktie in die Höhe. Es ist wohl damit zu rechnen, dass diese positive Kursentwicklung noch eine ganze Weile andauern dürfte. Das genaue Zahlenwerk zu TUI finden Sie in der aktuellen Ausgabe des
BÖRSEN-SPIEGEL.

Urlaubszeit – Flugzeit: Wie tief fliegt der Kranich?

Weniger geschmeidig geht es aktuell in der deutschen Luftfahrtbranche zu. Lufthansa-Chef Carsten Spohr, seit drei Monaten im Amt, steht unter Zugzwang. Auf die jüngste Gewinnwarnung hin ging die Aktie im Sturzflug nach unten und befindet sich immer noch auf Schlingerkurs.
Wie heute in den Medien berichtet wurde, wird der größten deutschen Airline vorgeworfen, sich nicht ausreichend im Low-Cost-Markt, also bei Billigflügen – speziell auf Kurzstrecken - engagiert zu haben.

In diese Nische sind dann andere Unternehmen eingestiegen. Nun will Carsten Spohr einen schärferen Billigkurs im Langstrecken-Sektor einschlagen. Laut Experten hilft dem Flugunternehmen dabei dauerhaft nur der weitere Zusammenschluss mit finanzkräftigen Partnern, wie etwa mit Golf-Airlines. Die Zusammenarbeit mit Air China, die bereits beschlossene Sache ist, dürfte da erst der Anfang sein.

Mit diesen Nachrichten aus den Urlaubsbranchen grüße ich Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte.

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Lesen Sie heute im „Zitat der Woche“ die treffenden Kommentare zweier unserer Fußball-Helden zum gestrigen Spiel. Wir wünschen unseren Jungs von dieser Stelle aus alles Gute für das Finale am Sonntag, das ja bei aller Euphorie noch nicht gewonnen ist.




Zitat der Woche


„So was gab´s noch nicht oft. Das sollten wir genießen und veredeln.“  Mats Hummels

„Im Halbfinale wird keiner Weltmeister.“ Toni Kroos




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