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Ausgabe vom 18. Juni 2014


  • Rohstoffe verleihen Macht  

  • Zitat der Woche
         

 

Rohstoffe verleihen Macht 

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,     

Geld ist Macht und Macht beeinflusst die Lebensumstände, im Kleinen wie im Großen – für uns privat und für ganze Volkswirtschaften. Diese „Weisheit“, werden Sie jetzt vielleicht sagen, ist nichts Neues. Stimmt, relativ neu ist aber das globale, im wahrsten Sinne des Wortes weltumspannende Ausmaß der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Hat sich dieses – zugegebenermaßen vor langer Zeit – auf regionale Handelszonen beschränkt, sind wir inzwischen längst in einem Zustand angelangt, wo alle von allen abhängig sind. Man sollte meinen, das führe zu mehr gegenseitigem Verständnis oder zumindest zu einem diplomatischen Umgang miteinander. Das Gegenteil ist der Fall, ganz gemäß den Gesetzen der menschlichen Natur, sein Machtstreben stetig auszubauen.

Genug der Philosophie, betrachten wir einfach das aktuelle Weltgeschehen. Da können wir direkt sehen, wie Staaten ihre Macht gegeneinander ausspielen und damit entscheidenden Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen nehmen. Ich will mich hier auf einen besonders wichtigen, regional abhängigen Aspekt beziehen: nämlich die Rohstoffe. Schon mancher hat in der Vergangenheit gewusst – was sich leider auch oft genug bestätig hat - „Es wird noch Kriege geben wegen Erdöl, Gas und – nicht zuletzt – wegen Wasser.“


Irak - Machtspiel um Erdölschätze

Beispiel Irak: Hier droht ein Bürgerkrieg aufgrund der nicht enden wollenden Auseinandersetzungen der verschiedenen religiösen Gruppierungen des Landes. Obwohl die jeweiligen Anführer heute vor der Weltöffentlichkeit bekundeten, sich auf jeden Fall einigen zu wollen, um einen Krieg zu verhindern, bleiben die Auswirkungen abzuwarten. Fakt ist, dass uns aller Wahrscheinlichkeit nach höhere Ölpreise ins Haus stehen.

Das Finanzmagazin EURO am Sonntag berichtet diese Woche: „Kämpfe im Irak treiben Ölpreis: Die irakische Regierung droht die Kontrolle über das Land zu verlieren, das mit einer täglichen Produktion von 3,5 Mio. Barrel Öl zweitgrößter Produzent des Ölkartells OPEC ist. Sorgen vor einer weiteren Eskalation der Lage trieben den Ölpreis. Röhol der Sorten Brent und WTI erreichten mehrmonatige Höchststände.“

Einige von Ihnen werden sich sicher mit mir an die Ölkrise von 1973 erinnern. Mir als Kind hat es damals Spaß gemacht, auf der sonntags autofreien A5 Fahrrad zu fahren. Aber auch dahinter steckte ein militärischer Völkerkonflikt: Ursache war das Embargo der Organisation der Erdöl exportierenden Staaten (OPEC). Die arabischen Staaten wollten mit einer Drosselung ihrer Exporte die meist pro-israelisch eingestellten westlichen Staaten zwingen, im Jom-Kippur-Krieg Ägyptens und Syriens gegen Israel Position für die arabische Seite zu beziehen.


Der Weltmacht-Poker hat viele Schauplätze

Nächster Schauplatz: Osteuropa. Hier schwelt der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland weiter. Ein Ende ist immer noch nicht absehbar. Russland hat nach Angaben aus Kiew seine Lieferungen an die Ukraine eingestellt. Die ukrainische Regierung sei darüber informiert worden, dass die Gaslieferungen „auf null“ heruntergefahren worden seien, bestätigte der ukrainische Energieminister Jurij Prodan in einer Kabinettssitzung, nachdem die letzte Verhandlungsrunde im Gasstreit gescheitert war.

Allerdings werde die Ukraine sicherstellen, dass das für die Nachbarländer bestimmte Gas entsprechend weitergeleitet werde, so Prodan weiter. Damit garantiere sein Land, dass die europäischen Kunden Russlands zuverlässig über Pipelines in der Ukraine Gas erhielten. Das ukrainische Energieunternehmen Naftogaz erklärte, das Land habe so viel Gas in den Speichern, dass die Versorgung bis Dezember sichergestellt sei. Die Bundesregierung ließ verlauten, sie befürchte keine Versorgungsengpässe. Die 51 deutschen Gasspeicher seien aktuell zu fast 75% gefüllt.

Der russische Regierungschef Dmitrij Medwedew versicherte der Agentur Interfax zufolge, dass Moskau zu weiteren Verhandlungen bereit sei. Zunächst aber müsse Kiew seine Schulden bezahlen. Russland hatte mehrfach betont, dass die zuletzt angebotenen Konditionen zur Gaslieferung „äußerst vorteilhaft“ für die Ukraine gewesen seien.


Explosion an Gaspipeline in der Ukraine

Am Rande der immer weiter schwelenden Kämpfe in der Ukraine kam es am Montag zu einer Explosion an einer Leitung für den Export von russischem Gas in den Westen. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow erklärte, es gebe Hinweise auf einen terroristischen Akt. Er warf Russland vor, mit Manipulation an der Pipeline „die Ukraine diskreditieren“ zu wollen. Auch hier wird die Situation weiterhin angespannt bleiben.

Seltene Erden – China treibt Preisverfall an

Ähnlich kritisch, allerdings Gott sei Dank nicht mit kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden, sieht es bei den sogenannten Seltenen Erden aus. Diese Bezeichnung der Metalle ist insofern berechtigt, als größere Lagerstätten tatsächlich selten sind. Die Elemente kommen zumeist nur jeweils in kleinen Mengen, in bestimmten Regionen, in sehr vielen, weit verstreut lagernden Mineralien sowie als Beimischungen in anderen Mineralien vor. Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften werden Seltene Erden in vielen Schlüsseltechnologien der modernen Industrie eingesetzt. Das Hauptvorkommen dieser kostbaren Mineralien findet sich in China und der Inneren Mongolei.

Die Preise für die einst heftig gehypten Metalle sind stark gefallen - und mit ihnen die Kurse der Minenkonzerne. Der Grund: Anders als erhofft konnten sich die westlichen Förderer nicht als Konkurrenten zu China etablieren, das rund 90% der weltweiten Reserven an Seltenen Erden besitzt und im Jahr 2010 faktisch einen Exportstopp für die strategisch wichtigen Metalle erlassen hatte. Das hätte das Geschäft der Minen außerhalb Chinas beflügeln sollen - doch die Produktion lief, wenn überhaupt, nur schleppend an.

Echte Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Chinas Produzenten könnten laut Expertenangaben deutlich mehr Seltene Erden ins Ausland exportieren als bisher. China würde damit ein Urteil der Welthandelsorganisation WTO vom März umsetzen. Dies würde das globale Angebot erhöhen, die Preise weiter drücken und den westlichen Förderern noch größere Probleme bescheren. Auch hier wird sichtbar: Mit dem, was in der Wirtschaft unverzichtbar ist, kann man getrost ein Muskelspiel betreiben. Die Chinesen machen das immer wieder gerne vor. Ihre Meinung zum Thema „wirtschaftlicher Machtpoker um Rohstoffe“ interessiert mich unter
Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.

Schützen Sie Ihr Vermögen vor globalen Abhängigkeiten – Soweit wie möglich…

So viel zu den Auswirkungen der globalen Abhängigkeiten aufgrund der begrenzten Ressourcen unseres Planeten. Dieser Begrenzung sollten wir uns immer wieder bewusst sein, um sorgsam damit umzugehen. Wenn Sie grundsätzlich am Thema Rohstoffe und an damit zusammenhängender nachhaltiger Geldanlage interessiert sind, empfehle ich Ihnen unseren Smart Money Investor. In dieser zweimal im Monaten erscheinenden Finanzpublikation informiert Sie unser Rohstoffexperte Cliff Michel mit seinem Team ausführlich über den neuesten Stand zu diesen Themen und mehr. Informieren Sie sich kostenlos und unverbindlich auf unserer Homepage und greifen Sie – bei Gefallen – dort direkt zu unserem günstigen Schnupper-Abonnement.

Gerade in seiner letzten Ausgabe beschäftigte sich Chefredakteur Cliff Michel mit dem „Rohstoff“ der Zukunft – nämlich dem kostbaren Wasser, das immer knapper und bei Investoren hoch gehandelt wird. Welche Möglichkeiten Sie haben, auf diesem aufstrebenden Markt mitzumischen, beispielsweise mit einem „Wasser-Basket“ aus 20 Aktien, erfahren Sie dort. Die nächste Ausgabe des Smart Money Investor erscheint am Mittwoch, 25. Juni 2014 mit dem Schwerpunkt Aktieninvestments. Also, bei Interesse rund um die nachhaltige Geldanlage lege ich Ihnen nochmals unser Schnupper-Abonnement ans Herz.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Wenn Sie es mit der Geldanlage etwas unorthodoxer wollen – man kann auch in „echte Wertgegenstände“ investieren, wie z.B. ein Unbekannter, der gestern für knapp 9,5 Mio. Dollar in New York die berühmte magentafarbene Britsh-Guiana-1-Cent-Briefmarke ersteigert hat…!







Zitat der Woche

„Nur weil wir den besten Hammer haben, ist nicht jedes Problem ein Nagel."

US-Präsident Barack Obama über Amerikas Führungsanspruch in der Welt
(Bleibt zu beobachten, wie er mit den „Rohstoff-Nägeln“ umgehen wird.)





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