Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt

Ausgabe vom 19. Mai 2014


  • Das Spiel mit der Angst – Dreht Putin den Gashahn ab?
     
  • Ihre BÖRSEN-SPIEGEL-Woche im Überblick    

 

Das Spiel mit der Angst – Dreht Putin den Gashahn ab?
 

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

sicher geht es immer wieder um wirtschaftliche Interessen – und zwar überall. Wir erleben das dieser Tage ständig im nicht enden wollenden Ukraine-Konflikt, dessen einzige Konstante darin zu bestehen scheint, immer wieder neue Schattierungen aufzuweisen. Wie wichtig dabei insbesondere die Energiepolitik ist, von der wir alle abhängig sind, wird uns zur Stunde vor Augen geführt. Es geht um die Gaslieferungen aus Russland.

Der EU-Kommissar für Energie Günther Oettinger trifft sich heute in Berlin mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak, um über die ukrainischen Gas-Schulden bei den Nachbarn zu verhandeln. Russland wirft der Ukraine vor, für Gaslie
ferungen nicht gezahlt zu haben. Laut Angaben der Regierung Putin handelt es sich dabei um einen Betrag von 3,5 Mrd. Dollar. In Kiew hingegen vermutet man, die jetzt geforderte Begleichung der Schulden sei ein Machtspiel und der Preis ein politischer, um die wirtschaftlich am Boden liegende Ukraine – kurz vor der Präsidentschaftswahl am nächsten Sonntag - hart zu treffen.

Das Ass im Ärmel: Die Ukraine als Transitland

Wie dem auch sei, Fakt ist, dass Russland damit droht, den Gashahn für und durch die Ukraine Anfang Juni zuzudrehen, sollten die Schulden nicht beglichen werden. Das hätte wiederum fatale Folgen für die anderen europäischen Nachbarn, die auf die russischen Gaslieferungen angewiesen sind, u.a. natürlich auch für die deutsche Industrie. Denn die Ukraine ist bekanntermaßen Transitland für die russischen Gaspipelines. Laut neuesten Medienberichten bezichtigt Gazprom-Chef Alexej Miller außerdem die Ukraine des Gas-Diebstahls. Der Konzern habe kein Vertrauen, dass die Lieferungen auch in den Zielländern ordnungsgemäß ankommen.

In einem Interview des ZDF-Morgenmagazins bekräftigte Günther Oettinger, wie wichtig die Ukraine zum einen als Nachbar, zum anderen als Transitland für die EU sei. Die Ukraine hat nun einmal einen gewissen Bindeglied-Status in vielerlei Hinsicht zwischen Russland und Europa. Deshalb, so betonte der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident weiter, sei die EU bereit, für die Gas-Schulden bei Russland aufzukommen, bzw. bei deren Begleichung zu helfen. Allerdings müsse man sich noch über den ausstehenden Betrag einigen.

„Herr Putin macht einen Betrag auf, den wir nicht akzeptieren können“, so Oettinger weiter. Der Betrag, der im Markt gezahlt werden müsse, müsse dann aber auch überwiesen werden. Europa werde die Ukraine finanziell unterstützen, damit das Land seine Rechnungen „in angemessener Höhe“ begleichen könne.

Um diese Verhandlungen im Interesse aller Beteiligten möglichst schnell über die Bühne zu bringen, führt er heute Vorgespräche mit dem russischen Energieminister. Man wolle das Thema bis spätestens 1. Juni klären. Dazu solle es nächste Woche eine Runde mit Teilnehmern der Ukraine, aus Russland und von der EU-Kommission geben.


Verlässlichen Partner behalten – Alternativen abklopfen

Bei allen Bemühungen um stabile Wirtschaftsbeziehungen mit Russland erklärte Oettinger dennoch, dass man auch verstärkt andere Gas- und Energielieferanten abklopfen müsse, um dauerhaft nicht mehr so stark von Russland abhängig zu sein. So nannte er Norwegen, Algerien und Aserbaidschan als mögliche Gaslieferanten. Man sei daran interessiert, das russische Gasmonopol durch mehr Wettbewerb aufzuweichen. Allerdings bleibe allein vom Umfang der Lieferungen her eine gewisse Abhängigkeit erhalten. Immerhin machen die Gazprom-Lieferungen 20 – 30% des europäischen Gasverbrauchs aus.

Schon allein deshalb hält der EU-Kommissar nicht viel von wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, die die instabile Situation in der Ukraine noch verschärfen könnten. Außerdem erinnerte er daran, dass Russland selbst in Zeiten des Kalten Krieges stets ein zuverlässiger Gaslieferant gewesen sei. Er sprach sich allerdings für mehr Transparenz in den Gaslieferungen aus, sodass auch Behauptungen entkräftet werden könnten, die Ukraine behalte Gas, das für andere Länder bestimmt ist, auf dem Transitweg ein.

Wir dürfen uns wahrscheinlich auf eine gütliche Einigung einstellen, denn auch Russland wird wohl kaum Interesse daran haben, seine Gaslieferungen einzustellen und Verluste einzufahren. Bis Ende Mai soll die Quelle ja immerhin noch zuverlässig sprudeln…


Öl- Lieferanten gehen neue und bewährte Wege

Abgesehen von den Gaslieferungen spielen natürlich auch andere Energiequellen eine bedeutende Rolle für Unternehmen und Privatverbraucher und damit für politische Entscheidungen - und umgekehrt. So ist die Ölbranche seit Längerem angesichts der mauen Weltkonjunktur und des Gas-Booms am Kriseln. Die Öl-Giganten haben darauf in unterschiedlicher Weise reagiert. Die britische Royal Dutch Shell beispielsweise will sich mit einem Sparkurs und dem Verkauf von Geschäftsbereichen sanieren.

Eine interessante und stabile Entwicklung hat ihr amerikanischer Erzrivale, das größte privat geführte Öl- und Gas-Imperium der Welt, vorzuweisen. Dieser setzt verstärkt auf die Erschließung neuer Quellen, um die versiegenden zu ersetzen. Mit Erfolg, wie Sie in der heutigen Ausgabe des BÖRSEN-SPIEGEL erfahren können. Dort berichten Ihnen Jürgen Schmitt und sein Team unter anderem über die kontinuierlichen Dividendenzahlungen des Energierohstoff-Riesen, der neben der Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen (Upstream) zugleich einer der größten Raffineriekonzerne (Downstream) und Verkäufer von Erdölprodukten weltweit ist.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche und grüße Sie herzlich,

Ihre
Martina Bisdorf

PS: Zurzeit beraten auch die EU-Agrarminister. Sie debattieren über die Änderung der Bestimmungen zum Mindesthaltbarkeitsdatum bei lange haltbaren Lebensmitteln. Vielleicht ein richtiger Schritt, in Anbetracht dessen, dass jährlich ca. 90 Mio. Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Man sieht: Sämtliche EU-Kernbereiche (Ich berichtete im heutigen Daily Post über das europäische Dreier-Konsortium für ein militärisches Drohnenprogramm) scheinen so kurz vor der Wahl angesprochen zu werden…



Ihre BÖRSEN-SPIEGEL-Woche im Überblick

Nachfolgend alle wichtigen Termine dieser Woche im Überblick:

Montag, 19. Mai 2014

Konjunkturdaten:
08:00 Deutschland: Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen Q1/14
11:00 EU: Bauproduktion 03/14
12:00 Deutschland: Bundesbank: Monatsbericht 05/14

Unternehmensdaten:

Deutschland:
Kabel Deutschland: Q4-Zahlen
Kion: Hauptversammlung, Wiesbaden (10:00)

Korea:
Samsung: Investor Forum

Dienstag, 20. Mai 2014

Konjunkturdaten:
08:00 Deutschland: Statistisches Bundesamt: Erzeugerpreise 04/14
08:00 Deutschland: Statistisches Bundesamt: Erwerbstätigkeit Q1/14 (detailliert)

Unternehmensdaten:

Deutschland:
Evonik: Hauptversammlung, Essen (10:00)
Linde: Hauptversammlung, München (10:00)
Prime Office: Hauptversammlung, München (10:00)
Telefonica Deutschland: Hauptversammlung, München (10:00)
United Internet: Q1-Zahlen (07:30)
Zooplus: Q1-Zahlen (endgültig) (07:15)

USA:
Home Depot: Q1-Zahlen (12:00)

Europa:
Frankreich: Société Générale: Hauptversammlung, Paris (16:00)
Großbritannien: Marks & Spencer: Jahreszahlen (08:00)
Großbritannien: Vodafone: Jahreszahlen (08:00)
Österreich: Semperit: Q1-Zahlen (08:00)

Mittwoch, 21. Mai 2014

Konjunkturdaten:
10:00 Deutschland: EZB Leistungsbilanz 03/14
11:30 Deutschland: Anleihe
16:00 EU: Verbrauchervertrauen 05/14 (vorab)
16:30 USA: Energieministerium Ölbericht (Woche)
20:00 USA: Fed Sitzungsprotokoll 29./30.04.14

Unternehmensdaten:

Deutschland:
Aareal Bank: Hauptversammlung, Wiesbaden (10:30)
Aurelius: Hauptversammlung, München (11:00)
Drillisch: Hauptversammlung, Frankfurt (10:00)
Indus Holding: Q1-Zahlen
Norma Group: Hauptversammlung, Frankfurt (10:00)
Otto Group: Bilanz-Pk, Hamburg (10:30)
SAP: Hauptversammlung, Mannheim (10:00)
Schaeffler: Q1-Zahlen

Europa:
Großbritannien: Burberry: Jahreszahlen
Österreich: Schoeller-Bleckmann: Q1-Zahlen
Schweiz: Lonza: Capital Markets Day

Donnerstag, 22. Mai 2014

Konjunkturdaten:
08:00 Deutschland: Statistisches Bundesamt: Bauhauptgewerbe 03/14
09:30 Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 05/14 (1. Veröffentlichung)
10:00 EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 05/14 (1. Veröffentlichung)
14:30 USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)
14:30 USA: CFNAI 04/14
16:00 USA: Verkauf bestehender Häuser 04/14
16:00 USA: Frühindikatoren 04/14
Deutschland: Bundesfinanzministerium Monatsbericht 05/14

Unternehmensdaten:

Deutschland:
Audi: Hauptversammlung, Ingolstadt (10:00)
BASF: Investor Day Chemicals, London
Deutsche Bank: Hauptversammlung, Frankfurt (10:00)
Gigaset: Q1-Zahlen
Lanxess: Hauptversammlung, Köln (10:00)
Pfeiffer Vacuum: Hauptversammlung, Wetzlar (14:00)
Salzgitter: Hauptversammlung, Braunschweig (11:00)
Stabilus: Ende der Zeichnungsfrist
United Internet: Hauptversammlung, Frankfurt (11:00)

USA:
Hewlett-Packard: Q2-Zahlen (22:00)

Europa:
Frankreich: Capgemini: Analystentreffen
Frankreich: Lafarge: Hauptversammlung
Großbritannien: SABMiller: Jahreszahlen

Freitag, 23. Mai 2014

Konjunkturdaten:
08:00 Deutschland: Statistisches Bundesamt: BIP Q1/14 (detailliert)
10:00 Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex 05/14
16:00 USA: Verkauf neuer Häuser 04/14
EU: S&P Update Rating Schweiz und Spanien

Unternehmensdaten:

Deutschland:
Autozulieferer Stabilus: Voraussichtlich Erstnotiz
Klöckner & Co: Hauptversammlung, Düsseldorf 10:30
Morphosys: Hauptversammlung, München 10:00
Prime Standard
R.Stahl: Hauptversammlung, Neuenstein 10:00
Xing: Hauptversammlung, Hamburg 10:00

USA:
Foot Locker: Q1-Zahlen



 

Abbestellen des Newsletters

Wenn Sie diesen kostenlosen Newsletter abbestellen wollen, klicken Sie bitte HIER.

Ihnen wurde dieser kostenlose Newsletter weitergeleitet
und Sie wollen ihn nun auch beziehen?

Gehen Sie einfach auf www.boersenspiegel.com und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse in das entsprechende Formularfeld ein.

Kritik, Fragen, Anregungen?
Senden Sie uns eine E-Mail an Patrycja.Jopek@boersenspiegel.com.

Risikohinweis
Bitte beachten Sie: Die Informationen stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Den Ausführungen liegen Quellen zugrunde, die der Herausgeber für vertrauenswürdig erachtet. Dennoch ist die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Heranziehung der Ausführungen für die eigene Anlageentscheidung möglicherweise resultieren können, kategorisch ausgeschlossen. Wir geben zu bedenken, dass Aktien grundsätzlich mit Risiko verbunden sind. Der Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Sie sollten sich vor jeder Anlageentscheidung weitergehend beraten lassen. Der Herausgeber kann Short- oder Long-Positionen in der/den behandelte(n) Aktie(n) halten. Copyright: © 2014 MECONOMICS. Nachdruck (auch auszugsweise), kommerzielle Weiterverbreitung und Aufnahme in kommerzielle Datenbanken nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.

Herausgeber:
MECONOMICS GmbH, Flemingstrasse 20-22, 36041 Fulda

 V.i.S.d.P.: Jürgen Schmitt, Fulda


Börsen-Spiegel Verlagsgesellschaft mbH
Flemingstrasse 20-22
36041 Fulda
Telefon: +49 (661) 480 499 0
Telefax: +49 (661) 480 499 15
E-Mail: service@boersenspiegel.com
Datenschutz | AGB | Impressum
©2017 Börsen-Spiegel Verlagsgesellschaft mbH