Börse, Wirtschaft, Lifestyle - Was Anleger & Börsenprofis bewegt


Ausgabe vom 09. April 2014


  • Aussichtsreiche „next steps“ in Berichtssaison
    und „Integrated Industry“

  • Zitat der Woche
         


 

Aussichtsreiche „next steps“ in Berichtssaison und „Integrated Industry“

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der US-Konzern Alcoa hat heute die Quartalsberichtssaison zwar mit einigen Abstrichen, aber im Großen und Ganzen erfreulich eröffnet. Der amerikanische Aluminiumriese legt seine Quartalszahlen traditionell als erstes großes Unternehmen vor – und das aus gutem Grund: Als weltweit zweitgrößter Aluminiumproduzent beliefert Alcoa u.a. Kunden aus der Auto-, Flugzeug- und Bauindustrie. Bringt er als Zulieferer des in der Industrie vielfach eingesetzten Leichtmetalls Aluminium, das sich durch seine besondere Witterungsbeständigkeit, Stabilität und Langlebigkeit auszeichnet, gute Zahlen, kann man davon ausgehen, dass es auch mit den restlichen Unternehmen gut steht. Somit gelten die Alcoa-Zahlen in Expertenkreisen als wichtiger Konjunkturindikator und geben einen Ausblick auf die wirtschaftliche Gesamtsituation an den Märkten.

Alcoa läutet Berichtssaison ein – Mit Gewinn über Prognose

Im ersten Jahresviertel bekam Alcoa die gesunkenen Aluminiumpreise zu spüren. Der Umsatz sank um 6,5% auf 5,45 Mrd. Dollar und fiel damit niedriger aus als von Analysten prognostiziert. Auf das Ergebnis drückten auch Restrukturierungskosten im Zuge der Schließung von Aluminiumhütten. Unterm Strich rutschte das Unternehmen daher in die Verlustzone. Der um Sonderposten bereinigte Gewinn von 98 Mio. Dollar lag aber immer noch höher als von Analysten erwartet. Im nachbörslichen Handel an der Wall Street legten die Aktien immerhin um 2,4% zu.

Viele US-Unternehmen haben sich zuletzt über den strengen Winter in Amerika beklagt. Experten rechnen daher insgesamt mit weniger überzeugenden Zahlen für das erste Quartal, allerdings auch mit einer schnellen Erholung im Frühjahr, worauf zuletzt bereits Daten vom Auto- und Häusermarkt hingedeutet haben. Bei allen Branchen, mit Ausnahme der Energieversorger, gehen Marktbeobachter von einem relativ schwachen Gewinnwachstum mit durchschnittlich 1,2% aus. Für das zweite Quartal wird dann aber wieder mit einem Plus von 8,5% gerechnet.

So wichtig wie das Material Aluminium für die großen Industriezweige weltweit ist, so bedeutend sind auch die sich abzeichnenden technischen Innovationen für die Produktion und Fertigung von Gütern aller Art. Einen interessanten Einblick in die moderne, „intelligente“ Welt der Fertigungsprozesse bietet uns derzeit die wichtigste internationale Industriemesse, die Hannover-Messe. Das beherrschende Thema dort: „Industrie 4.0“, das sich auch in dem diesjährigen Messe-Motto „Integrated Industry - next steps“ widerspiegelt. Die 5.000 Aussteller aus 65 Ländern zeigen den technologischen Wandel und wie Unternehmen IT-gestützte Automatisierungstechnik zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit nutzen können.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Industrie 4.0“?

Vereinfacht könnte man sagen: „Maschinen im Dialog“. Der Begriff „Industrie 4.0“ wurde auf der Hannover-Messe 2011 ins Leben gerufen. Er steht für die vierte industrielle Revolution. Ausgelöst wurde das Industriezeitalter Ende des 18. Jahrhunderts mit der Einführung mechanischer Produktionsanlagen. Im zweiten Schritt, etwa 100 Jahre später, folgte die Erfindung der Fließbänder durch die Nutzung von Elektrizität. Mit der dritten industriellen Umwälzung hielten Computer, Robotik und Automatisierung Einzug in die Fabriken. Nun soll die vierte Stufe mit dem sogenannten „Internet der Dinge“ eingeläutet werden.

Produktionsstätten sollen autonom arbeiten. Über das Internet werden Maschinen und Produktionsstraßen so miteinander verknüpft, dass sie zu interaktiven Gegenständen werden und miteinander im Dialog stehen. Alle Aktionen werden von der Beschaffung bis zum Endprodukt von den Maschinen mittels ihrer Sensoren und Kommunikationstechnik ohne Eingriffe des Menschen ausgelöst und wechselseitig gesteuert. Ein Produkt wird via Chip mit Informationen über sich selbst gefüttert und kann so den eigenen Herstellungsprozess optimieren. Computer beschaffen sich ihre benötigten Software-Updates oder passenden Datensätze für ein bestimmtes Material etc. Im Ergebnis wird die Fabrik der Zukunft flexibler, effizienter und intelligenter.

So weit die Vision. Ein großer technischer Knackpunkt ist derzeit allerdings noch die „Vielsprachigkeit“ der Maschinen. Unzählige Protokolle, Datenformate und Übertragungswege sorgen für ein babylonisches Sprachengewirr in digital. Eine wesentliche Herausforderung der „Industrie 4.0“ wird also darin bestehen, diese Sprachbarriere zu überwinden und einheitliche Standards zu implementieren. Außerdem müssen sowohl die Sicherheit als auch die Verlässlichkeit im Umgang mit hochsensiblen Daten nachgebessert werden.

Riesen-Chance für deutsche Unternehmen

Bei der Vernetzung von Maschinen könnte laut Experten der Standort Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen. Mit seiner Innovationskraft, den hohen Standards und der Sensibilisierung für das Thema Datenschutz besitzt das Land die optimale Voraussetzung, auf diesem Gebiet einen echten Wachstumsmotor zu zünden. In weltweit einmaliger Kombination trifft hier eine kompetente Automatisierungsindustrie auf weltmarktführende Anwenderbranchen, wie den Maschinen- und Fahrzeugbau. Mit ihren seit jeher besonders hohen Anforderungen an die Innovationsfähigkeit ihrer Lieferanten steht die hiesige Produktion im besonderen Fokus dieser neuen industriellen Revolution und wird sie sicher aktiv mitgestalten.

Auch unsere Regierung ist sich der enormen Bedeutung von „Industrie 4.0“ bewusst. Nicht zuletzt deshalb wurde das Thema im Koalitionsvertrag verankert. In den kommenden vier Jahren sollen 200 Mio. Euro Forschungsgelder in diesem Bereich locker gemacht werden. Siemens steckt schon heute die Hälfte seines Forschungsaufwandes in die Software-Entwicklung und beschäftigt inzwischen mehr Softwareingenieure als die Heidelberger Softwareschmiede SAP. Bereits im vergangenen Jahr kündigte Siemens eine Kooperation mit dem Roboterhersteller Kuka an. Mit der Kooperation wollen beide Partner den Ausbau intelligenter Automatisierungslösungen nach vorn bringen.

Für den Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) ist „Industrie 4.0“ in Teilen bereits Realität. Mit der Bedienoberfläche Celos ist man laut Unternehmensangaben bereits sehr weit auf diesem Weg gekommen. Celos vereinfache und beschleunige den Weg von der Idee zum fertigen Produkt. Bei den Automobilherstellern ist diese Richtung ebenfalls schon eingeschlagen. Die große Vision von BMW ist, dass Ingenieure in Simulation den Bau eines neuen Modells perfekt planen können, um anschließend die Fertigung auf Knopfdruck einzuleiten und zu steuern. Eine solche Planung würde einem Autokonzern Millionen einsparen.

Dampf machen für Innovationen

Also dann heißt es wohl für unsere Unternehmen: Gas geben auf dem Weg in die neue Welt, anstatt der Zukunftsmusik nur zu lauschen. Diese Chancen sollten genutzt und nicht anderen überlassen werden. Dazu ist sicher hier und da noch ein wenig Umdenken nötig, aber, wie sagte neulich ein Kollege so schön zu mir: „Wir fahren ja schließlich auch nicht mehr mit der Dampflok herum.“ Wenn sogar ich, die ich weitreichend dafür bekannt bin, mit der Technik bisweilen auf „Kriegsfuß“ zu stehen, auf moderne Alleskönner wie mein Smartphone nicht mehr verzichten will, was sollte uns dann noch im Weg stehen?

Da bin ich dann gern einer Meinung mit unserer Kanzlerin, von der heute das „Zitat der Woche“ kommt. Was meinen Sie dazu und welche persönlichen Erfahrungen haben Sie vielleicht schon selbst in Ihrem Betrieb oder an Ihrem Arbeitsplatz mit der Einführung neuer Technologien gemacht? Schreiben Sie mir eine E-Mail unter Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch, heute innovativ, zur Wochenmitte

Ihre
Martina Bisdorf



Zitat der Woche

„Vertragen Sie sich, seien Sie neugierig auf das, was kommt, und hängen Sie nicht zu sehr an Ihren alten einzelnen Branchen“,

mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Hannover-Messe am Sonntagabend. 



Abbestellen des Newsletters

Wenn Sie diesen kostenlosen Newsletter abbestellen wollen, klicken Sie bitte HIER.

Ihnen wurde dieser kostenlose Newsletter weitergeleitet
und Sie wollen ihn nun auch beziehen?

Gehen Sie einfach auf www.boersenspiegel.com und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse in das entsprechende Formularfeld ein.

Kritik, Fragen, Anregungen?
Senden Sie uns eine E-Mail an Patrycja.Jopek@boersenspiegel.com.

Risikohinweis
Bitte beachten Sie: Die Informationen stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Den Ausführungen liegen Quellen zugrunde, die der Herausgeber für vertrauenswürdig erachtet. Dennoch ist die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Heranziehung der Ausführungen für die eigene Anlageentscheidung möglicherweise resultieren können, kategorisch ausgeschlossen. Wir geben zu bedenken, dass Aktien grundsätzlich mit Risiko verbunden sind. Der Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Sie sollten sich vor jeder Anlageentscheidung weitergehend beraten lassen. Der Herausgeber kann Short- oder Long-Positionen in der/den behandelte(n) Aktie(n) halten. Copyright: © 2014 MECONOMICS. Nachdruck (auch auszugsweise), kommerzielle Weiterverbreitung und Aufnahme in kommerzielle Datenbanken nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.

Herausgeber:
MECONOMICS GmbH, Flemingstrasse 20-22, 36041 Fulda

 V.i.S.d.P.: Jürgen Schmitt, Fulda


Börsen-Spiegel Verlagsgesellschaft mbH
Flemingstrasse 20-22
36041 Fulda
Telefon: +49 (661) 480 499 0
Telefax: +49 (661) 480 499 15
E-Mail: service@boersenspiegel.com
Datenschutz | AGB | Impressum
©2017 Börsen-Spiegel Verlagsgesellschaft mbH