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Ausgabe vom 01. August 2013


  • Ich kann Sie vor China-Investments nur warnen   
     

Ich kann Sie vor China-Investments nur warnen   

von Dieter Wendt 
Chefredakteur 100%-DEPOT   FacebookLike   TwitterFollow 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

immer wieder kommt bei meinen Lesern die Frage auf: „Soll ich in China-Aktien investieren, die nur in Deutschland gelistet werden? Die KGV sind so niedrig und China ist doch das Boom-Land schlechthin.“ Meine Antwort lautet ganz klar: „NEIN! Lassen Sie bitte die Finger davon“

Ich kann Sie vor China-Investments nur warnen

Warum erzähle ich Ihnen gleich, doch lassen sie uns vorher einen Blick zurückwerfen: Im März 2007 wurde die erste chinesische Aktie als Erstlisting in Frankfurt eingeführt. Das war eine Sensation, denn vorher gab es zwar immerhin schon 91 chinesische Aktien, die in Deutschland an der Börse erworben werden konnten, doch bei diesen Werten handelte es sich nur um ein Zweitlisting.
Der erste Wert, der im Erstlisting im Börsensegment Open Market an der Deutschen Börse im März 2007 erschien, hieß und heißt Gongyou Machines. Es handelt sich hierbei um den größten chinesischen Hersteller von holzverarbeitenden Maschinen und Elektromotoren.


Der Kurs ist seit der Emission stetig gefallen, so sehen leider viele Charts chinesischer Unternehmen aus. Die Aktie erzielte nur am Tag ihrer Emission einen Kurs in Höhe von 4,30 €. Seitdem ist der Kurs stetig gefallen und dümpelt jetzt bei 0,10 € dahin. Interessanterweise könnten Sie diese Entwicklung nehmen und sie wie eine Schablone auf alle bis dato in Deutschland gelisteten China-Titel legen. Der Chartverlauf wäre fast identisch. Denn in Deutschland gelistete China-Aktien tendieren fast immer weit unter ihrem Ausgabekurs.

Was ist der Grund für den Kurseinbruch der China-Aktien?

Seit einigen Jahren listen immer mehr chinesische Unternehmen ihre Aktien in Deutschland. Warum das so ist? Der Börsengang in Deutschland aber auch in anderen Ländern, ist oft der letzte Rettungsanker für die Unternehmen.

Auch in China wütet die Finanzkrise

Viele chinesische Unternehmen, besonders die Kleinen stecken in Finanzierungsschwierigkeiten. Auch in China sorgt die Finanzkrise für Umsatzeinbrüche und eine schwache Nachfrage. Die chinesischen Banken drehen den Geldhahn zu und bevorzugen bei der Kreditvergabe oft die Staatsbetriebe. Kleine Privatunternehmer bleiben da auf der Strecke.
Und jetzt kommt der Hammer: Um Pleitewellen zu verhindern, werden Börsengänge von den Lokalregierungen massiv gefördert. Besonders eine Region sticht hervor: Die Provinzregierung Fujian verspricht Unternehmen, die sich im Ausland listen lassen, neben den Einnahmen für den Börsengang 250.000 bis 350.000 € an Fördermitteln.


„Listed in Germany“ gilt in China als Qualitätsmerkmal

Daher ist es nicht verwunderlich, dass allein 4 der 37 gelisteten chinesischen Unternehmen aus dieser Region stammen. Um erfolgreich zu sein und niedrige KGVs auszuweisen, schrecken diese Unternehmen auch nicht davor zurück, ihre Bilanzen zu schönen. „Listed in Germany“ ist mittlerweile ein nicht zu verachtendes Qualitätsmerkmal, um in China mehr Anerkennung für die eigenen Produkte zu erhalten.
Selbst chinesische Wirtschaftsprüfer wurden dazu angehalten, bei in Deutschland gelisteten Unternehmen ein Auge zuzudrücken, um sie in einem besonders guten Licht dastehen zu lassen.
Undurchsichtige Firmenkonstrukte und lasche Kontrollen sorgen bei den Anlegern für Skeptik. Zahlreiche Bilanzskandale sind mittlerweile schon ans Licht gekommen. Selbst deutsche Aufsichtsräte sind kein Garant für sauberes Arbeiten. Die Sprach-und Reisebarrieren sind oft so groß, dass Kontrollen nur schwer umzusetzen sind. Die Folge sind zahlreiche Betrugs- und Bilanzskandale. 


Fehlendes Anlegervertrauen lässt die Kurse in den Keller rauschen

Für das Vertrauen der Anleger ist dies nicht gerade förderlich und erklärt auch die regelrechten Kursstürze.
Auch die geringen Umsätze, also Anzahl der Käufe und Verkäufe, an den deutschen Börsen sorgen für Verdruss. Hat man es endlich geschafft, eine Aktie zu erstehen, kann der Verkauf fast unmöglich werden. Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, die Finger von solchen Investments zu lassen.


Egal, um welche Aktie es geht - achten Sie auf die gehandelten Umsätze

Ich möchte nochmal auf das Thema Umsätze, also die Anzahl der Käufe und Verkäufe an den Börsen zurückkommen. Es ist eigentlich ganz egal um welche Aktien es geht, ob sie chinesische oder kanadische Werte kaufen möchten. Es ist wichtig, dass Sie sich die gehandelten Umsätze der Aktien an den verschiedenen Börsen anschauen.
Ich rate meinen Leser immer dort zu kaufen, wo die meisten Aktien gehandelt werden. So haben Sie keine Schwierigkeiten beim Kauf und erst recht nicht beim Verkauf. Auch wenn dies bedeutet, die Aktien an der jeweiligen Heimatbörse zu erstehen. Viele Broker bieten hier die verschiedensten Konto- und Depotoptionen auch für ausländische Märkte an. Achten Sie hierauf bitte schon bei Eröffnung eines Depots.

Herzliche Grüße

Ihr
Dieter Wendt
Chefredakteur 100%-Depot 





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