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Ausgabe vom 20. März 2014


  • Lebens- und Rentenversicherungen sind kein Garant
    mehr für eine bessere Zukunft     

 


Lebens- und Rentenversicherungen sind kein Garant mehr für
eine bessere Zukunft 

von Patrycja Jopek
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Chef der Allianz Deutschland verkündete vergangene Woche in Unterföhring: „Nur eine Lebens- und Rentenversicherung garantiert ein lebenslanges zusätzliches Einkommen.“ Jede andere Form des Sparens sei mit höheren Risiken behaftet. Und damit als Altersvorsorge weniger geeignet. Seine Zuhörer warfen sich angesichts der aktuellen Zinssituation und den damit verbundenen Schwierigkeiten der Versicherungsbranche verwirrte Blicke zu. Aber wie sieht es nun mit den Lebensversicherungen wirklich aus? Ich habe mich für Sie einmal schlau gemacht:

Zu allererst las ich, dass viele Konkurrenten des Versicherungsriesen in ernsthaften Schwierigkeiten stecken würden und dass viele nicht wissen, ob sie in Zukunft die garantierten Zinsen auszahlen können.

Garantiezins auf neuem Tiefstwert

Eine Marktübersicht der Ratingagentur Assekurata ergab, dass die durchschnittliche Gesamtverzinsung im Bereich der privaten Renten- und Kapitallebensversicherung im vergangenen Jahr nur noch bei 3,6% gelegen hat. Neun Jahre zuvor (2004) lag die durchschnittliche Gesamtrendite immerhin noch bei rund 4,4%.

Auch der Garantiezins, der in den 80er- und 90er-Jahren für einen Boom in der Versicherungsbranche sorgte, wurde seit 1990 schrittweise gesenkt. Noch vor zehn Jahren galten Lebensversicherungen wegen ihrer hohen und sicheren Rendite als eine der beliebtesten Vorsorgeformen in Deutschland. Ein Garantiezins von 3,5% und mehr war ein Garant dafür. Nun lasten die hohen Zinsversprechen der Vergangenheit schwer auf den Lebensversicherern.

Garantiezinsen von 4% aus den 90er Jahren lassen sich an den Kapitalmärkten kaum noch erwirtschaften, seit die Europäische Zentralbank im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise die Märkte mit billigem Geld flutet. Während Altverträge mit ihrem vereinbarten Garantiezins geschützt sind, werden bei Neuverträgen zur Zeit nur noch 1,75% garantiert. Desweiteren sind Bestrebungen im Gang, den Garantiezins auf 1,25% zu senken.

Zinsflaute betrifft auch die Überschussbeteiligung

Auch bei der Überschussbeteiligung könnte es weiter nach unten gehen. Wichtig für die Beurteilung der Überschussbeteiligung kann zudem die Garantieverzinsung sein. Aktuell beträgt diese 1,75%. Es gibt jedoch noch viele Kunden, denen ein Garantiezins von 4% zugestanden wurde. Und dieses Versprechen muss zuerst bedient werden. Bei einem hohen Garantiezins fällt die verbleibende Überschussbeteiligung geringer aus oder fällt sogar ganz weg - je nach Höhe der jährlichen Deklaration.

Der Trend setzt sich fort

Seit 2011 müssen die Assekuranzen Geld für die Zinsgarantien aus Altverträgen zurücklegen. Allein gut 6 Mrd. Euro waren es nach früheren Berechnungen der Finanzaufsicht BaFin für 2013. Durch die Bildung solcher Rücklagen fehlt natürlich das nötige Geld um die Überschussbeteiligung hoch zu halten und deshalb wird die Rendite für Kunden mit jüngeren Verträgen - beziehungsweise im Neugeschäft - weiter sinken.

So geht es weiter

Und ein baldiges Ende ist nicht in Sicht - das Geld der Unternehmen steckt vor allem in festverzinslichen Wertpapieren. Alte, hochverzinste Anleihen laufen aus. Neue Papiere werfen aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB kaum noch etwas ab. Daher sind einige Versicherer dazu übergegangen, Lebensversicherungen ohne Garantiezins auf den Markt zu bringen. Zugesichert werden dabei nur der Erhalt der eingezahlten Beiträge und später eine Mindestrente. Den Rest bestimmt das Umfeld an den Kapitalmärkten: Geht es bergauf, profitieren auch die Kunden; geht es bergab, sieht es für sie schlecht aus. Dabei sollen die ersparten Kosten für die Zinsgarantie den Versicherten zugutekommen. Ein Problem hat das Ganze trotzdem, denn garantiert wird zwar die Summe der eingezahlten Beiträge, die Inflation wird dabei aber nicht berücksichtigt.

Dazu kommt noch, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Neuabschlüsse bereits um 13,1% zurückgingen. Sofern sich die Lage am Kapitalmarkt nicht ändert, dürften die Kunden weiterhin zurückhaltend sein – abgesehen von wohlhabenden Älteren, die mangels besserer Ideen hohe Einmalbeträge einzahlen.

Nun plant die Bundesregierung ein Gesetzespaket zugunsten der deutschen Lebensversicherer. Nach neusten Informationen der Süddeutschen Zeitung soll es in den nächsten Wochen vorgelegt werden. Eine Sprecherin des Finanzministeriums habe bestätigt, dass ein Paket in Arbeit sei, wollte aber keine Einzelheiten nennen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Donnerstag.

Ihre
Patrycja Jopek

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