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Ausgabe vom 22. Januar 2014


  • Himmlische Störung beim Gelben Engel
     
  • Zitat der Woche     


 


Himmlische Störung beim Gelben Engel 

von Martina Bisdorf
Redaktion BÖRSEN-SPIEGEL        FacebookLike   TwitterFollow

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„ruf´ doch den ADAC an, der holt dich hier raus…“, wer von uns war im Laufe seiner Autofahrerkarriere nicht schon einmal dankbar um die Hilfe der „Gelben Engel“. Im ADAC ist man einfach. Schon mein Vater war seit den 1960-er Jahren Mitglied (und liest heute noch als eingefleischter Autofan begeistert die Motorwelt), ebenso wurde ich es dann mit Besitz meines Führerscheins 1984 und heute sind wie selbstverständlich auch meine beiden Töchter als Fahranfängerinnen Mitglieder des größten Automobilclubs Europas.

Und nun das: Der vertrauenswürdige Autobegleiter hat Zahlen manipuliert. Wurden doch bei der Wahl des diesjährigen Siegerautos – dem VW Golf - angeblich 34.000 abgegebene Stimmen gezählt, anstatt 3.409, die der „Deutschen Liebling“ tatsächlich bekommen hat. Ein gewaltiger Unterschied, möchte man meinen. Stellen Sie sich vor, man würde an einen aktuellen Aktienkurs einfach eine Null anhängen, ohne großes Aufheben darum zu machen. Und das war laut jüngsten Enthüllungen nicht das erste Mal, angeblich wurden in den letzten Jahren 214.000 fehlende Stimmen einfach dazu addiert. Doch damit nicht genug. Wie heute bekannt wurde, wird sich der Automobil-Verein demnächst wegen „Steuer-Tunings“ verantworten müssen. Angeblich hat er nur für einen Bruchteil seiner Mitgliederbeiträge Steuern bezahlt.

Kurz und gut, nachdem der ADAC anfangs die Vorwürfe bestritten hatte, bestätigte der verantwortliche Kommunikationschef Michael Ramstetter (übrigens auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift Motorwelt) der Süddeutschen Zeitung ganz lapidar: „Ich habe Scheiße gebaut“, sprach´s und nahm seinen Hut. Da dieser Fauxpas natürlich einen riesen Image-Schaden für den ADAC bedeutet, ließ man sich laut EURO am Sonntag einfallen, das Wahlverfahren künftig seriöser zu gestalten und eine unabhängige Agentur mit der Auswertung der Umfrage zu beauftragen sowie die Wahlen notariell beglaubigen zu lassen.

Die Manipulation schlägt hohe Wellen

Immerhin handelt es sich beim ADAC, ähnlich wie bei der Stiftung Warentest oder dem TÜV, um eine Wirtschaftsmacht, der viele Menschen schon über lange Zeit vertrauen. Wie also werden die Konsumenten auf die nächsten ADAC-Crashtests reagieren, die bis dato immer einen entscheidenden Einfluss auf das Kaufverhalten der Autofahrer hatten. Inzwischen testet der ADAC ja auch die Qualität von Badeseen über Raststätten bis hin zu Rodelbahnen. Wie glaubwürdig ist das alles noch? Laut den jüngsten Umfragen sind die Menschen stark verunsichert und denken zumindest über eine Kündigung der Mitgliedschaft nach.

Wie der Autoexperte Prof. Stefan Bratzel im ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO am Montagabend meinte, mangele es dem ADAC an Kontrollmechanismen und einer ethisch vertretbaren Unternehmenskultur, so wie sie – man höre und staune! – bei den meisten börsennotierten Unternehmen herrsche. Dem kann ich mich nur anschließen. Wonach sieht es denn aus, wenn ein Verein mit 18,5 Mio. Mitgliedern, die immerhin 1 Mrd. Euro Beiträge im Jahr zahlen, sich inzwischen zu einem Riesen-Konzern mit diversen Tochtergesellschaften (Finanzdienstleister, Verkehrsrechtsschutz, Autoverleih, Verlag, um nur einige Sparten zu nennen) entwickelt hat, der damit zusätzlich nochmal so viel Umsatz jährlich macht. Außerdem gönnte man sich vor zwei Jahren eine prunkvolle neue Firmenzentrale in München und stellt jetzt auch noch Überlegungen an, den insolventen Nürburgring zu kaufen.

Auf den ersten Blick eine echte Erfolgsstory. In Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders wurde der ADAC als einfacher Pannenhilfsdienst gegründet (1954) und ist stetig gewachsen, bis hin zum Wirtschaftsimperium und einem der mächtigsten Lobbyisten in unserem Land. Und das nicht nur für die Automobilindustrie, sondern auch mit nicht geringem Einfluss auf die Politik - man denke nur an die strikte Weigerung gegen die Einführung der 0-Promille-Grenze für Autofahrer, die ja ihre Wirkung gezeigt hat, oder die fadenscheinigen Argumente gegen Tempolimits.

Stellt sich die Frage, warum ein solcher Gigant es nötig hat, sich größer zu machen, als er ist? Und wo bleiben die Interessen der Mitglieder? Warum aufs Glatteis gehen, wenn es eigentlich nicht nötig ist? Als „Antwort“ begibt sich Unternehmenschef Karl Obermeier reumütig vor die Presse - nachdem vorherige Dementis sich nicht mehr halten ließen - und behauptet, von alldem nichts gewusst zu haben. Mir kommen die Tränen. Aber warten wir´s ab – und gehen davon aus, dass sich auch dieser „Skandal“ im Sande verlaufen wird.

Autoindustrie weiter in Exportlaune

Der Autoindustrie jedenfalls dürfte dieser – wahrscheinlich vergängliche - Image-Einbruch keinen nennenswerten Schaden zufügen. Konnten die deutschen Autohersteller doch im letzten Geschäftsjahr vor allem im Export-Geschäft mit den Schwellenländern und den Emerging Markets deutlich zulegen. Und das dürfte auch erst mal so bleiben. Die Konsumfreude wird weiter ungebremst sein, auch wenn China letztes Jahr „nur“ ein Wirtschaftswachstum von 7,6% verzeichnen konnte. Wer kennt schon den ADAC in China oder Russland? Und wen interessieren dort irgendwelche Manipulationsdaten aus Deutschland, die vielleicht ein schlechtes Licht auf die Autolobbyisten werfen?

Viel gewichtiger ist da sicher der Auftritt von Daimler bei der „Autoshow“, die derzeit in Detroit läuft. So betitelt die Börse am Sonntag Daimler in ihrer neuesten Ausgabe als „Flaggschiff der Automobilindustrie“ und Focus Money bezeichnet den Autokonzern als „Premiumhersteller an der Börse“, woraufhin die Kursziele von den Analysten peu à peu auf aktuell 75 Euro hochgeschraubt worden seien. Unser Musterdepotwert Volkswagen denkt derweil über den Bau eines neuen Werks in Polen nach, weil die Geschäfte so gut laufen. Ebenso wenig kann Porsche klagen. Erzielten die Stuttgarter doch 2013 ein Auslieferungsplus von 21% allein in den USA. In Zukunft dürfte allerdings China zum wichtigsten Einzelmarkt für den Edelkarossen-Bauer werden, wo für 2014 laut eigenen Angaben „großes Wachstum“ erwartet wird.

Gehen Sie kritisch mit der Medienlandschaft um

Um die Zukunft unserer Autoindustrie müssen wir uns also keine Sorgen machen. Aber ebenso wenig dürfen wir glauben, dass wir nicht ständig wieder von derartigen Manipulationsverfahren, Fehlinformationen, gefälschten Statistiken und scheinbar unerhörten Enthüllungen überrascht werden. Denken wir nur an die NSA-Abhör-Affäre, die US-Präsident Obama nun mit seiner „Charme-Offensive“ (ob er damit bei unserer eisernen Lady nicht auf Granit stößt…) auszubügeln sucht, an Dutzende Lebensmittelskandale oder Datenmanipulationen der so seriösen Stiftung Warentest.

Noch zu erwähnen sind an dieser Stelle freilich die jüngst aufgedeckten Marktmanipulationen durch die Banken. Laut FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sei das Maß, in dem die Banken für ihre Sünden bestraft würden, beeindruckend, so hätte die Deutsche Bank allein in den vergangenen zwei Jahren Rechtskosten von mehr als 5 Mrd. Euro gehabt, fast viermal so viel wie der in diesem Zeitraum erzielte Nettogewinn. Dabei gehe es natürlich in erster Linie darum, das öffentliche Bedürfnis nach Vergeltung zu befriedigen.

Also, der omnipräsenten Medienlandschaft sei Dank, wir leben wieder im Zeitalter der Aufklärung! Doch um nicht gläsern mit transparent zu verwechseln, ist und bleibt es für Sie umso wichtiger, sich auf Ihre persönlich bedeutenden Belange zu konzentrieren (damit meine ich natürlich nicht, dass man das gesamte Weltgeschehen ausblenden soll!) und sich hier auf seriöse Informations- und Ratgeber zu verlassen.

Ich versichere Ihnen, dass Sie diese für sich ganz persönlich mit Herz und Sachverstand sehr gut herausfiltern können, wenn Sie in sich hineinhören. Das gilt insbesondere, neben den ganz privaten Belangen wie Gesundheit und Wohlbefinden, auch für Ihre Geldanlagen. Worauf es dabei ankommt, ist das richtige Know-how, langjährige Erfahrung, glasklare Recherche und die ständige Präsenz im Börsengeschehen, so wie es Ihnen die Redakteure unserer Publikationen BÖRSEN-SPIEGEL, Smart Money Investor und Das 100%-DEPOT anbieten. Hier geht es um aktuelle Informationen, transparente Anlagestrategien und nüchterne Marktanalysen.

Es grüßt Sie herzlich und kritisch zur Wochenmitte

Ihre
Martina Bisdorf


PS: Ich freue mich auf Anregungen, Fragen, Kritik oder einfach einen Gedankenaustausch mit Ihnen. Sie können mich dazu jederzeit mit einer E-Mail erreichen an: Martina.Bisdorf@boersenspiegel.com.



Zitat der Woche:

„Wenn die Eliten sich ab Dienstagabend in Davos treffen, werden sie einander wieder versichern, der Welt gehe es besser. Dabei ist das Misstrauen der Menschen in Wirtschaft und Politik größer denn je. Die Entscheider müssen endlich beginnen, an sich selbst zu arbeiten.“

(Carsten Knop in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 2014 zum Weltwirtschaftsforum in Davos, das heute beginnt und zudem besonders Irans Präsident Hassan Rohani mit Spannung erwartet wird)


 


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